Aus Rücksicht auf den Verkehr
Vorfahrt für die Raser?

Ostbevern -

Ein Unfall in Wadersloh, der schon rund eineinhalb Jahre zurückliegt, ist schuld daran, dass in Ostbevern nun 300 Meter Hecke entfernt werden sollen. Dabei handelt es sich um einen Abschnitt auf der Umgehungsstraße, kurz vor dem Kreisverkehr am Grünabfallsammelplatz.

Dienstag, 12.03.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 12.03.2019, 22:22 Uhr
Auf dem Nordring hat die Straßen- und Verkehrssicherheit Vorfahrt vor dem Naturschutz, selbst dann, wenn die Straßenverkehrsordnung mutwillig missachtet wird.
Auf dem Nordring hat die Straßen- und Verkehrssicherheit Vorfahrt vor dem Naturschutz, selbst dann, wenn die Straßenverkehrsordnung mutwillig missachtet wird. Foto: Sebastian Rohling

 Im Einmündungsbereich einer Hofzufahrt auf die Umgehungsstraße sind die notwendigen Sichtdreiecke nicht eingehalten. Die seinerzeit geforderte Schutzpflanzung, insbesondere die Heckenpflanzung zwischen den Bäumen, führt zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Sicherheit, hieß es im Bericht des Bürgermeisters. Mit der Entfernung wolle die Gemeinde möglichen Regressansprüchen und Klagen gegenüber ihren Mitarbeitern vorgreifen.

Wolfgang Annen berichtete in diesem Zusammenhang von einem Vorfall in Wadersloh, der dieses Vorgehen begründe. Demnach hatte die Staatsanwaltschaft Münster gegen Mitarbeiter der dortigen Gemeinde Anklage erhoben. Sie hatte ihnen fahrlässige Tötung vorgeworfen. Dabei ging es um einen Verkehrsunfall im September 2017. Damals war ein 17-jähriger Motorradfahrer an einer ländlich gelegenen Kreuzung mit einem Traktorgespann kollidiert und verstorben. An der Unglücksstelle standen hochgewachsene Büsche und Felder.

Die Ermittler der Staatsanwaltschaft haben daraufhin Unterlagen der Gemeindeverwaltung beschlagnahmt und ausgewertet. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass es die Gemeinde Wadersloh versäumt habe, für ausreichende Sicht an der Landstraße zu sorgen. Das sei aber ihre Pflicht gewesen. „Die Klage ist zwar Gunsten der Gemeinde und ihrer Angestellten abgewiesen worden, wir wollen aber einem solchen Szenario vorgreifen“, erklärte Annen.

Da auf dem Teilabschnitt auf dem Ostbeverner Nordring die gefahrene Geschwindigkeit auf der Straße relativ hoch ist und die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit teilweise deutlich über der zulässigen liegt, „ist es notwendig, auf rund 300 Metern Länge die Hecke zu entfernen“, so der Bürgermeister in seinem Bericht.

Um der Gefahr eines Unfalls in diesem Bereich zu begegnen, soll dieses kurzfristig erledigt werden. Die Verwaltung stehe in Kontakt mit dem Kreis als Straßenverkehrsamt und als Unterer Naturschutzbehörde, um weiterte Einzelheiten abzustimmen, da das Entfernen von Hecken aus naturschutzrechtlichen Gründen eigentlich erst wieder ab Oktober gestattet ist. „Wir stehen in Verhandlungen mit einem Unternehmen, das die Pflanzen kostenneutral entfernt“, erklärte Hans-Heinrich Witt, zuständig für die Grünflächen. Da die Pflanzen noch recht jung seien, habe er Hoffnung, dass diese gut dem Boden entnommen werden könnten und das Unternehmen die Pflanzen behalten könnte.

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