Verkehrsstrategie in NRW
Blitzer-Warnung: Das plant die Polizei im Münsterland

Münsterland -

Wenn es nach dem NRW-Innenministerium geht, sollen Verkehrskontrollen nicht mehr angekündigt werden. Und wer zu schnell fährt, soll künftig nicht nur geblitzt, sondern auch angehalten werden. In Borken wurden deshalb schon erste Maßnahmen umgesetzt.

Freitag, 15.03.2019, 12:45 Uhr aktualisiert: 15.03.2019, 16:53 Uhr
Verkehrsstrategie in NRW: Blitzer-Warnung: Das plant die Polizei im Münsterland
Foto: Björn Meyer

Das Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen ändert seine Verkehrsstrategie. Was nach Behördendeutsch klingt, hat ganz konkrete Auswirkungen. Laut der "Fachstrategie Verkehr" sollen Geschwindigkeitskontrollen nicht mehr vorab bekanntgegeben werden. Blitzen ohne Ankündigung also.

Geschwindigkeit, Alkohol- und Drogenmissbrauch, Ablenkung am Steuer - das sind drei zentrale "Leitplanken der Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei", sagt Wolfgang Beus, Pressesprecher des Innenministeriums. Die Strategie werde seit Jahren in Zusammenarbeit mit den Polizeibehörden fortgeschrieben. Man sei zu dem Schluss gekommen, Verkehrskontrollen grundsätzlich nicht mehr anzukündigen und die Fahrer anzuhalten.

Blitzen und Anhalten

Die Fahrer sollen bei Verstößen angehalten werden, weil die Polizisten das Gespräch mit ihnen suchen möchten. "Wir wollen darauf hinweisen, warum es so gefährlich ist, zu schnell zu fahren, und warum es vielleicht genau an dieser Stelle gefährlich ist", sagt Beus. Außerdem soll so die Zahl der "integrativen Kontrollen" erhöht werden. Technische Ausstattung, Versicherungsschutz und vieles mehr wird dabei kontrolliert.

Aber: "Es ist eine Kann-Vorschrift", betont Beus. Das bedeutet: Stimmt die Polizei die Messstellen eng mit den Kommunen ab, dürfen sie weiterhin zum Beispiel über soziale Netzwerke angekündigt werden. Im Münsterland wird damit unterschiedlich verfahren.

Keine Ankündigung in Borken

Die Polizei im Kreis Borken wird Blitzer künftig nicht mehr vorab melden. "Die Signalwirkung war falsch", begründet Pressesprecher Frank Rentmeister die Entscheidung. Wenige, ausgewählte Messstellen anzukündigen, sollte präventiv wirken. Da allerdings vor allem im Radio nahezu in Echtzeit vor Blitzern gewarnt werde, sei diese Wirkung nicht mehr da.

"Wir twittern weiter", sagt hingegen Antonia Klein von der Pressestelle der Polizei in Münster. Man habe sich bewusst dazu entschieden, einige Messstellen auch weiterhin anzukündigen. Als Grund nennt Klein: "Wir wollen, dass Verkehrsteilnehmer sensibilisiert werden."

Ziel: Unfälle verhindern

In Münster blitzt die Polizei vornehmlich an Stellen, an denen schon Unfälle passiert sind, oder an sogenannten schutzwürdigen Bereichen, beispielsweise vor Schulen oder Kindertagesstätten. Die Hoffnung ist laut Klein, dass dann vorsichtig gefahren und die Geschwindigkeit nicht überschritten wird. Die Sprecherin sagt: "Es kann sein, dass wir an dem Tag durch den Blitzer einen Unfall verhindern. Dann haben wir unser Ziel erreicht."

Auch im Kreis Coesfeld bliebt man bei der bisherigen Verfahrensweise. Eine Messstelle wird dort pro Tag zum Beispiel über die sozialen Netzwerke bekanntgegeben. "Das Gros der Messstellen kündigen wir nicht an", sagt ein Sprecher auf Nachfrage. Bis auf Weiteres werde man dabei bleiben. An Unfallschwerpunkten und Gefahrenstellen wird die Geschwindigkeit im Kreis Coesfeld besonders überwacht. 

Sicherheit im Straßenverkehr

"Entgegen des Kreises Borken werden wir weiterhin Blitzer ankündigen", betont auch ein Sprecher der Kreispolizeibehörde in Steinfurt. Geschwindigkeitskontrollen dienen demnach vor allem der Unfallprävention und der Sicherheit des Straßenverkehrs, weshalb auch weiterhin einige Messstellen angekündigt werden sollen. "Wir sehen zurzeit keinen Anlass, die Strategie zu ändern", so der Sprecher.

Die Polizei im Kreis Warendorf befindet sich noch in der Abstimmung, ob Radarkontrollen weiterhin angekündigt werden sollen oder nicht. Eine abschließende Klärung soll laut einer Sprecherin in der kommenden Woche folgen.

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