Quappen in der Bever ausgesetzt
Bedrohte Art kehrt zurück

Ostbevern -

Die örtliche Angelsportgemeinschaft Ostbevern 61 hat diese Tage 40 000 Stück Quappenbrütlinge in ihrer Beverstrecke entlassen. Damit wollen sie einen Fisch, der früher fester Bestandteil des Ökosystems Bever war und dann verdrängt worden war, wieder ansiedeln.

Sonntag, 17.03.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 17.03.2019, 13:36 Uhr
Die Angelsportgemeinschaft Ostbevern 61 hat sich dazu entschlossen, die Quappe wieder in der Bever heimisch werden zu lassen. In diesem Monat wurden die Quappenbrütlinge ausgesetzt, im Mai/Juni sollen Setzlinge folgen.
Die Angelsportgemeinschaft Ostbevern 61 hat sich dazu entschlossen, die Quappe wieder in der Bever heimisch werden zu lassen. In diesem Monat wurden die Quappenbrütlinge ausgesetzt, im Mai/Juni sollen Setzlinge folgen.

Die Renaturierung der Bever schreitet mit großen Schritten voran. Nachdem die Durchgängigkeit weitestgehend wieder hergestellt worden ist und die Querbauwerke zur Erfüllung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) entfernt worden sind (WN berichteten) hat der die Angelsportgemeinschaft Ostbevern 61 e.V. die neue Situation genutzt und einen Fischbesatz der besonderen Art durchgeführt. „Wir haben eine Fischart besetzt, die in der Bever viele Jahre nicht anzutreffen war – die Quappe“, sagt Vorsitzender Marcel Rotterdam. Da es sich um einen Wanderfisch handele, wäre diese Maßnahme vor Entnahme der sperrigen Querbauwerke nicht sinnvoll gewesen. Früher hingegen, vor der Begradigung, wäre dieser Fisch schon einmal fester Bestandteil des Ökosystems Bever gewesen.

Die Quappe ist der einzige Vertreter der Dorschartigen im Süßwasser, zu erkennen ist sie an Ihrem einzelnen Bartfaden.

„Durch die Begradigung der Flüsse, ist die Quappe viele Jahrzehnte aus dem Arteninventar vieler Fließgewässer NRW´s verschwunden“, weiß auch Till Seume, Fischwirtschaftsmeister, des Landesfischereiverbandes Westfalen und Lippe. Die jungen Quappen benötigen für ihr Heranwachsen Flachwasserzonen und Auengewässer, diese wurden durch den technischen Ausbau der Fließgewässer seit den 1960er Jahren vom Hauptlauf der Bever abgeschnitten.

Das endgültige Aussterben der Quappe in Nordrhein Westfalen hat der Landesfischereiverband Westfalen und Lippe e.V. gemeinsam mit dem Ruhrverband als Projektpartner verhindern können. Den Fischereiexperten des Ruhrverbands ist es in einem vierjährigen Projekt gelungen, eine Zuchtmethode für die anspruchsvollen Fische zu entwickeln. Nun werden in der Besatzfischzucht des Ruhrverbands am Möhnesee jährlich bis zu zehn Millionen Quappen nachgezüchtet und für Wiederansiedlungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt.

Die erfolgreiche Wiederansiedlung einer bedrohten Fischart soll nun in der Bever erfolgen. „Wir haben uns entschlossen, insgesamt rund 40 000 Stück Quappenbrütlinge in unserer Beverstrecke zu besetzen“, erklärt Rotterdam. „Die winzigen Quappen haben derzeit eine Größe von wenigen Millimetern, ausgewachsen können die Quappen einen halben Meter lang und bis zu 1,5 Kilogramm schwer werden.“ Im Verlauf des Jahres sollen auch noch einmal Setzlinge in der Größe von einigen Zentimetern ausgesetzt werden. „Die Zahlen mögen gigantisch klingen. Aber zum einen haben Brütlinge und Setzlinge mit Stichlingen, Barsch und Hecht viele natürliche Feinde im Gewässer und zum anderen besteht die Gefahr, dass durch das Hochwasser der vergangenen Tage die Brütlinge aus dem Bachbett getragen worden sind.“

Je nach Erfolg der Maßnahme, soll im nächsten Jahr die Maßnahme wiederholt werden. Unterstützt und begleitet wird der örtliche Angelsportverein bei seinen Bemühungen vom Landesfischereiverband Westfalen und Lippe. „Ohne deren Hilfe wäre das alles nicht möglich gewesen. Da können wir auch gar nicht oft genug danke sagen“, betont Marcel Rotterdam auch in Richtung Till Seume.

Die von der Angelsportgemeinschaft Ostbevern initiierte Maßnahme, ist ein Paradebeispiel für den Natur- und Fischartenschutz. Damit reiht sich der Verein in eine Reihe mit anderen Vereinen, die das gleiche Ziel verfolgen, wie unter anderem auch der benachbarte ASV aus Telgte, der im Zuge eine Besatzgemeinschaft sich dafür engagiert, dass die Quappe auch in der Ems wieder heimisch wird. „Der Erfolg solcher Projekte ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig, aber alles in allem sind wir zuversichtlich, die Quappe wieder heimisch zu machen“, so Seume. Um dem Ziel näher zu kommen, ist der Fisch derzeit ganzjährig geschont und darf nicht geangelt und entnommen werden.

Die Quappe ist aber nicht das einzige Projekt, das die Angelsportgemeinschaft Ostbevern 61 vorantreibt. „Wir wollen als nächstes die Barbe wieder in die Bever zurückholen. Wenn möglich, soll es schon dieses Jahr einen ersten Besatz geben“, freut sich Marcel Rotterdam schon auf die nächsten Projekte, die wieder zu mehr Leben in und an der Bever sorgen sollen.

Nachrichten-Ticker