Sorgenkind Wald
Angst vor neuer Borkenkäfer-Invasion

Münster/Düsseldorf -

Es geht ums Überleben: Dem heimischen Wald droht eine neue Borkenkäfer-Invasion. Schon jetzt ist die Lage dramatisch – für Mensch und Natur.

Mittwoch, 20.03.2019, 13:00 Uhr aktualisiert: 20.03.2019, 16:04 Uhr
Sorgenkind Wald: Angst vor neuer Borkenkäfer-Invasion
Borkenkäfer haben im vergangenen Jahr große Schäden in deutschen Wäldern hinterlassen. Foto: dpa

Der nordrhein-westfälische Wald steht offenbar vor einer Jahrhundertkatastrophe: Nach Aussage des Forstschutzexperten Mathias Niesar haben fast alle Borkenkäfer den Winter überlebt. „Mehrere Schädlingsgenerationen in einem Jahr haben die Zahl in astronomische Höhen anwachsen lassen. Sie werden im Frühjahr erneut massenhaft gesunde Fichten befallen“, erklärt der Experte vom Waldbauernverband NRW.

Nach den massiven Schäden vor allem beim Nadelbaum-Bestand droht im Frühjahr auch Laubbäumen ernsthafte Gefahr durch die Käfer. Dazu kommen Hunderttausende umgestürzte Bäume nach den Sturmtiefs im Frühling 2018 und 2019. Heute ist Internationaler Tag des Waldes, der seit 1991 auf den Zustand des Waldes hinweisen soll.

Der Deutsche Forstwirtschaftsrat schätzt das Schadensausmaß für die deutschen Wälder auf rund zwei Milliarden Euro. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und ihre Länderkollegen – darunter auch die nordrhein-westfälische Ministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) – hatten bei ihrer Agrarministerkonferenz in Bad Sassendorf im Herbst konkrete Hilfen für die Waldbauern angekündigt. „Bis jetzt ist bei den Waldbesitzern vor Ort keine Hilfe angekommen“, sagt Philipp Freiherr Heereman, Vorsitzender des Waldbauernverbandes in NRW. Neben finanzieller Unterstützung benötige man auch Unterstützung für die Beseitigung und das Unschädlichmachen der Käfer. „Es besteht dringender Handlungsbedarf.“

Invasion der Borkenkäfer

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  • Die Spur der Baumstämme. Nach dem Sturm im Frühjahr folgte die Invasion der Bokenkäfer.

    Foto: Jürgen Christ
  • Transporter eines Sägewerkes.

    Foto: Jürgen Christ
  • Grün und klein keimt die Hoffnung im Wald. Nach dem Sturm im Frühjahr folgte die Invasion der Bokenkäfer. Fläche, die sich schon auf natürlichen Wege erholt hat.

    Foto: Jürgen Christ
  • Revierförster Jan-Dirk Hubbert, zeigt eine Fläche, die sich schon auf natürlichen Wege erholt hat.

    Foto: Jürgen Christ
  • Invasion der Borkenkäfer Foto: Jürgen Christ
  • Heinz-Peter Hochhäuser, Leiter des Forstamtes des Kreises Steinfurt, zeigt auf die Behausung eines Waldunterstützers dem Specht.

    Foto: Jürgen Christ
  • Für den Laien auf den ersten Blick nicht sichtbar, für den Forstprofi eine klare Sache: Befallene Bäume von unten.

    Foto: Jürgen Christ
  • Revierförster Jan-Dirk Hubbert kontrolliert einen befallenen Baum. 

    Foto: Jürgen Christ
  • Heinz-Peter Hochhäuser, Leiter des Forstamtes des Kreises Steinfurt,(rechts) und Revierförster Jan-Dirk Hubbert demonstrieren die Vermaßung eines Polters.

    Foto: Jürgen Christ
  • Heinz-Peter Hochhäuser, Leiter des Forstamtes des Kreises Steinfurt (rechts) und Revierförster Jan-Dirk Hubbert, demonstrieren die Vermaßung eines Polters.

    Foto: Jürgen Christ
  • Bis zu 10000 Borkenkäfer pro Baum: Heinz-Peter Hochhäuser hält das Werk der kleinen Käfer in die Kamera des WN-Fotografen. 

    Foto: Jürgen Christ
  • Radfahrer und ein großer Polter wartet auf den Abtransport ins Sägewerk. 

    Foto: Jürgen Christ
  • Invasion der Borkenkäfer Foto: Jürgen Christ
  • Invasion der Borkenkäfer Foto: Jürgen Christ
  • Invasion der Borkenkäfer Foto: Jürgen Christ
  • Invasion der Borkenkäfer Foto: Jürgen Christ
  • Invasion der Borkenkäfer Foto: Jürgen Christ

Neben den wirtschaftlichen Schäden gefährde ein weiteres Absterben der Bäume auch die Klimaziele für ganz Deutschland. Die vom Bund und vom Land bisher zugesagten Hilfsgelder in Höhe von 1,2 Millionen Euro seien in Anbetracht der Schäden nicht annähernd ausreichend, so Heereman weiter. Das gesamte Ausmaß der Schäden im Forst kann erst in den nächsten Wochen festgestellt werden.

Auch die Niederschläge der vergangenen Wochen reichen für die Verbesserung der Lage im heimischen Waldes nicht aus. „Zwar haben wir das Regensoll im März vielerorts bereits zur Monatsmitte deutlich überschritten, jedoch reicht das nicht, das vorherrschende Wasserdefizit auszugleichen. Gerade der Februar war durch seine lang anhaltende Hochdruckphase viel zu trocken“, sagt Paul Heger, Meteorologe bei wetter.com. Ab etwa 16 Grad finden die Schädlinge beste Bedingungen. Letztes Jahr im Oktober ist bereits die dritte Generation der Schädlinge geflogen.

Die Naturschutzorganisation BUND erklärte gestern, die Borkenkäferprobleme seien auch Zeugnis einer verfehlten Forstwirtschaft im Land. Die Massenentwicklung von Borkenkäfern resultiere aus dem flächigen Anbau von Fichten. „Von Natur aus kommt diese Baumart in NRW nicht vor, erklärte Holger Sticht, Vorsitzender des Bund in NRW.

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