Bestätigte Sichtung nahe Westerkappeln
Wolf tappt in die Fotofalle

Westerkappeln/Neuenkirchen -

In Westerkappeln und Umgebungen mehren sich vermeintliche Wolfssichtungen und Berichte über Nutztierrisse. Die Gerüchteküche brodelt. Trotzdem bleibt der Verdacht, dass tatsächlich ein Wolf durch die Region streift. Ein Tier ist vergangene Woche in Neuenkirchen bei Bramsche in die Fotofalle eines Jägers getappt.

Donnerstag, 21.03.2019, 16:06 Uhr aktualisiert: 22.03.2019, 13:04 Uhr
Ein Jäger aus Neuenkirchen hat mit seiner Wildkamera einen Wolf aufgenommen. Das Wolfsmonitoring in Hannover hat bereits bestätigt, dass es sich um einen Wolf handelt.
Ein Jäger aus Neuenkirchen hat mit seiner Wildkamera einen Wolf aufgenommen. Das Wolfsmonitoring in Hannover hat bereits bestätigt, dass es sich um einen Wolf handelt. Foto: Michael Waldhaus

Ein Video, auf dem ein ganzes Rudel im Naturschutzgebiet „Wersener Heide“ zu sehen ist, macht in den sozialen Netzwerken die Runde. Die Quelle für das Video, das nur auf den ersten Blick durchaus in der „Wersener Heide“ entstanden sein könnte, ist unbekannt. Genauso gut könnte es aus der Lausitz stammen. „Wir haben in der Wersener Heide keinen Nachweis für Wölfe“, stellt der für die Naturerbefläche zuständige Bundesförster Rainer Schmidt fest. Das Video kursiere schon seit Monaten im Netz.

Nach einem Damwildriss in Westerbeck erzählen sich Leute nun davon, dass in Mettingen nahe des Mittellandkanals mehrere Schafe gerissen wurden. „Eine blutige Angelegenheit“ sei das gewesen, hat jemand gehört. Schafe wurden tatsächlich getötet, aber nicht in der hiesigen Gegend und nicht von einem Wolf, wie die WN-Recherchen ergeben haben. Da hat ein Züchter aus der Nähe von Vechta nur Felle verkauft. „Die Leute machen fürchterlich Panik, wenn es um den Wolf geht“, ärgert sich Schmidt.

Gesichert scheint die Sichtung im südlichen Ausläufer des Gehn zwischen der Neuenkirchener Ortschaft Lintern und Ueffeln zu sein, wo ein Wolf in die Fotofalle getappte ist. Ob der Wolf auch für ein in der Nähe gerissenes Reh verantwortlich ist, wird zurzeit in Hannover untersucht.

„Ich vermute, dass es sich bei dem Tier, das mit der Wildkamera aufgenommen wurde, um einen Jungwolf auf Reviersuche handelt“, sagt Arndt Eggelmeyer, Wolfsberater für den Landkreis Osnabrück. Es sei für diese Jahreszeit typisch, dass Jungtiere von ihren Familien verdrängt werden, damit sie sich ein eigenes Revier suchen.

„Die Frage ist nun“, so Eggelmeyer, „ob sich der Wolf hier niederlässt oder nur auf der Durchreise ist.“ Die Wolfssichtungen in der Region mehren sich bereits. Etwa 500 bis 600 Meter Luftlinie zu seiner Wildkamera, mit der der Wolf aufgenommen wurde, hat der Linteraner Jäger auch ein gerissenes Reh gefunden. „Vieles spricht dafür, dass es der Wolf war“, sagt Eggelmeyer. Typisch gewesen sei etwa der Kehlbiss, mit dem das Reh getötet wurde. Gewissheit soll eine genetische Untersuchung durch das Wolfsmonitoring in Hannover bringen.

Im Falle des Damwild-Spießers aus einer Zucht in Westerbeck, der am Dienstag vergangener Woche gerissen worden war, laufen ähnliche Untersuchungen. Wenn es ein Wolf war, dann möglicherweise der gleiche, der bei Neuenkirchen fotografiert wurde. Zwischen beiden Orten liegen nur rund 15 Kilometer Luftlinie. „Der Damwild-Spießer wies ebenfalls den typischen Kehlbiss auf, mit dem der Wolf seine Beute tötet. Außerdem hat sich das Tier unter dem Zaun her gebuddelt. Das machen Wölfe häufig so“, erklärt Eggelmeyer.

Seiner Ansicht nach ist es gut möglich, dass der Wolf aus Lintern nach Westerkappeln weitergezogen ist. Eine weitere mögliche Wolfssichtung gab es laut Eggelmeyer außerdem in Kellinghausen (Fürstenau). Dort wurde möglicherweise ein Wolf auf Video aufgenommen.

Das Video, das Foto aus der Wildkamera in Lintern und Gewebeproben des gerissenen Rehs aus Lintern hat der Wolfsberater ebenfalls zur Auswertung an das Wolfsmonitoring in Hannover geschickt. Beim Foto aus der Wildkamera sind sich die Experten inzwischen sicher, dass es sich bei dem abgelichteten Tier um einen Wolf handelt.

Die Überprüfung der Proben, die Eggelmeyer vom Reh selbst genommen hat, sowie des Videos aus Kellinghausen werden derzeit noch untersucht. „Siedelt sich der Wolf hier dauerhaft in der Region an, wird es demnächst noch deutlich mehr Wolfssichtungen geben“, ist der Wolfsberater überzeugt. Im vergangenen Sommer habe es bereits eine Sichtung im Gehn zwischen Achmer und Ueffeln gegeben, die aber weder durch Fotos noch durch Risse bestätigt werden konnte. „Die Region ist verhältnismäßig dicht besiedelt. Da bleibt der Wolf nicht lange unerkannt“, so Eggelmeyer.

In Niedersachsen gibt es laut Wolfsberater Eggelmeyer zurzeit 22 Rudel. Vermutlich stamme der Wolf, der nun in der Region gesichtet wurde, aus einem dieser 22 Rudel. „Die Akzeptanz des Wolfs hat in den vergangenen Jahren nachgelassen. Je mehr Wolfsrisse wir verzeichnen, desto größer werden Ängste und Verunsicherung in der Bevölkerung“, sagt der Wolfsberater.

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