Grundschule
Pädagogen-Konflikt: Wenn die Eltern zum Problem werden

Münsterland -

Was ist denn da los? Grundschullehrer beklagen laut einer Forsa-Studie nicht nur den Personalmangel, sondern insbesondere auch den Umgang mit den Erziehungsberechtigten. Jeder dritte Lehrer sieht die Eltern als „größte Herausforderung an der Schule“. Wir haben uns in den Grundschulen der Region auf Ursachenforschung begeben - und überraschende Antworten erhalten.

Freitag, 22.03.2019, 15:42 Uhr
Grundschule: Pädagogen-Konflikt: Wenn die Eltern zum Problem werden
Foto: dpa

Überbesorgte Helikopter-Eltern sind offensichtlich genauso Teil des Problems wie solche, die die Erziehung am liebsten komplett in die Schule verlagern würden. Dabei droht da gleich der nächste Konflikt, denn „Ansichten von Lehrern und Eltern stimmen in Erziehungsfragen nicht immer überein“, weiß Norbert Bolz, Leiter der Kardinal-von-Galen Grundschule in Drensteinfurt, aus Erfahrung. „Lehrer werden mehr infrage gestellt als früher“, sagt er. Umso wichtiger sei es, sich von Anfang an über die gemeinsamen Ziele klar zu werden.

An den Grundschulen komme man erst zeitversetzt zum eigentlichen Unterricht, weil man zunächst Standards und Umgangsformen einüben müsse, beklagt Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes Nordrhein-Westfalen. „Die Erziehung wird von den Elternhäusern auf die Schulen verlagert.“

"Veränderte Erwartungshaltung"

Magdalena Dassau von der Grundschule Lotte beschreibt zwei Extreme im Elternbereich, die „gerade für junge Kollegen herausfordernd“ sein könnten. Der eine Eltern-Typ würde Verantwortung abgeben und sich wenig kümmern, der andere wegen jeder Note mit den Lehrern diskutieren. „Viele Eltern haben Sorge, dass ihr Kind abgehängt wird“.

Auch Gerd Krützmann, Schulleiter der Hiltruper Ludgerus-Grundschule, macht eine „veränderte Erwartungshaltung“ in Sachen Schullaufbahn aus. „Wenn man nicht das Gymnasium empfiehlt, bricht teilweise die ganze Lebenskonstruktion zusammen.“

Mehr Zeit für "Elternarbeit" 

Manche Eltern reagierten deshalb regelrecht aggressiv, bestätigt Annette Stähler, Rektorin der Sendener Marienschule. Zwar betreffe das nur einen kleinen Teil, allerdings sei der Kontakt zu diesen Eltern „teilweise extrem schwierig“. Stähler wörtlich: „Diese Eltern legen die Schule lahm.“ Teilweise müsse man sich auf rechtlicher Ebene auseinandersetzen.

Schlimmer noch: In solchen Auseinandersetzungen, fehle oft die „Unterstützung von höherer Stelle“, beklagt eine Lehrkraft, die nicht namentlich genannt werden will. „Man muss nicht meinen, dass man von oben unterstützt wird. Der Elternwille ist eine wichtige Größe.“ Teilweise müssten gar Zeugnisse auf Elternwunsch geändert werden.

Was tun?

Wichtig sei es, optimale Rahmenbedingungen für Elterngespräche zu schaffen, meint Gerd Krützmann. Markus Sawicki, Vorsitzender der Stadtelternschaft Münster, wünscht sich, dass Lehrer mehr Zeit für die Elternarbeit hätten und den Wunsch nach Mitarbeit deutlicher kommunizierten. Denn: „Wenn alle Beteiligten mitarbeiten, funktioniert das System Schule“.

Nachrichten-Ticker