Verkehrsproblem in Albersloh
Ein Dorf macht Rabatz: Bürger wollen Lkw-Durchgangsverkehr verbannen

Sendenhorst -

Auf die schmalen Bürgersteige im Dorfkern von Sendenhorst-Albersloh trauen sich viele schon lange nicht mehr, zumal nicht mit Kinderwagen oder Rollator. Denn die Gehwege müssen sie sich seit Jahren mit Lkw aus Polen, Litauen oder Heilbronn teilen, wenn diese ­Linien­bussen oder anderen Lkw auf den engen Straßen zwischen den Häusern in den scharfen Kurven be­gegnen. Unfälle sind an der Tagesordnung – bisher ohne Verletzte. Die Kinder werden auf anderen Wegen zur Schule geschickt.

Donnerstag, 28.03.2019, 06:30 Uhr aktualisiert: 28.03.2019, 06:50 Uhr
So sieht’s aus im Ortskern von Albersloh: Wenn ein Lkw durch das Dorf fährt, ist für die Kita-Kinder kein Platz mehr.
So sieht’s aus im Ortskern von Albersloh: Wenn ein Lkw durch das Dorf fährt, ist für die Kita-Kinder kein Platz mehr. Foto: Christiane Husmann

Seitdem die Lkw-Maut auch auf Bundesstraßen gilt, sei das Problem noch größer geworden, sagen jene, die seit Jahren vergeblich fordern, dass Schluss sein muss mit dem überörtlichen Lkw-Durchgangsverkehr.

Da es sich um Landes­straßen handelt, ist Verkehrsminister Hendrik Wüst zuständig. Er weiß, wie es um die Verkehrslage im Dorf im Nordwesten des Kreises Warendorf an der Grenze zum Stadtgebiet von Münster bestellt ist. „Allen zuständigen Behörden ist bewusst, dass das Befahren der Ortsdurchfahrt Albersloh für große Fahrzeuge wie Lkw, Sattelzüge oder Busse durchaus unkomfortabel und das Vorbeifahren bei der Be­gegnung großer Fahrzeuge in den 90-Grad-Kurven oftmals nur mit Rangiermanövern möglich ist“, hat er im vergangenen Sommer geschrieben. Einen Anlass zum raschen Handeln sieht er bisher aber nicht. Er verweist auf die Planungen für eine Umgehungsstraße, über die allerdings auch schon seit Jahrzehnten geredet wird – bislang ohne greif­bares Ergebnis.

2000 Unterschriften gesammelt

Die Bürger im Dorf haben die Nase längst gestrichen voll. Einige von ihnen haben bei der Straßenverkehrs­behörde des Kreises Warendorf „wegen besonderer Gefahrenlagen“ Anträge auf Schutzmaßnahmen nach § 45 der Straßenverkehrsordnung gestellt. Antworten gibt es noch nicht. Andere haben sich zusammengetan, um im rund 4000-Einwohner-Dorf innerhalb weniger Wochen 2000 Unterschriften zu sammeln. Selbst ältere Menschen sind mit Rolla­toren von Haus zu Haus gezogen und haben für die Unterzeichnung geworben.

Mit den Listen sind die Initiatoren zunächst bei Landrat Dr. Olaf Gericke vorstellig geworden. Der hat angekündigt, den Verkehr – erneut – zu zählen und die Verkehrsströme in der Umgebung von Albersloh zu beobachten. Zu mehr reicht es einstweilen beim Kreis nicht.

Doch das reicht eben auch den Bürgern nicht. Am Dienstag wurde eine Abordnung von Regierungspräsidentin Dorothee Feller zu einem offenen Gespräch empfangen. Ob das etwas bringt, wird sich zeigen.

Ab Mai löst sich das Lkw-Problem übrigens für rund ein Jahr fast von alleine. ­Wegen großer Straßen- und Kanalbauarbeiten wird die Ortsdurchfahrt für Brummis großräumig gesperrt.

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