Novellierung der Düngeverordnung
Bauern gehen auf die Straße

Tecklenburger Land -

Sie wollen einen gemeinsamen Weg. Einen, der die Belange der Landwirtschaft mit denen von Umwelt- und Gewässerschutz in den Einklang bringt. Doch die erneut angestrebte Novellierung der Düngeverordnung veranlasst Landwirte nun, auf die Straße zu gehen.

Mittwoch, 03.04.2019, 06:00 Uhr
Albert Rohlmann auf dem Feld: Er sieht die aktuellen politischen Entwicklungen im Bezug auf die Landwirtschaft bedenklich.
Albert Rohlmann auf dem Feld: Er sieht die aktuellen politischen Entwicklungen im Bezug auf die Landwirtschaft bedenklich. Foto: Anika Leimbrink

Am 4. April findet vor dem Dom in Münster eine Kundgebung vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) und dem Rheinischen Landwirtschaftsverband (RLV) statt. An die 5000 Teilnehmer werden erwartet, darunter auch Landwirte aus dem Tecklenburger Land.

Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Albert Rohlmann, Vorsitzender des Steinfurter WLV-Kreisverbandes, was die Bauern auf die Straße treibt. „Es wird Zeit, dass wir so eine Kundgebung starten.“

Die Landwirtschaft sei in den vergangenen Jahren immer mehr an den Pranger gestellt worden. Nun brächte die erneute Debatte um die Düngeverordnung, angestoßen durch die Kritik der Europäischen Kommission, das Fass zum Überlaufen. „Auch für uns hat der Gewässerschutz oberste Priorität“, versichert Rohlmann. Die Landwirte hätten nicht nur bereits vieles gemacht, sie arbeiteten auch weiter am Gewässer- und Umweltschutz.

Rohlmann nennt die 2017 verabschiedete Novelle zur Düngeverordnung, jene, die nun erneut novelliert werden soll. Die darin enthaltenen Forderungen hätten die Landwirte umgesetzt. Aber „das kommt nicht von heute auf morgen,“ sagt Rohlmann zur Dauer, bis aussagekräftige Ergebnisse vorliegen.

„Wir verlassen die Ebene der Fachlichkeit,“ meint der WLV-Kreisverbandsvorsitzende und bezieht sich dabei auf die angestrebte Novellierung. „Die Kunst der Landwirtschaft ist es, die Nährstoffe an die Pflanze heranzubringen,“ erläutert der Hörsteler. Die Basis für den Erfolg seien Technik und Wissen, was immer weiter vertieft und ausgereift werde – natürlich unter dem Aspekt der geltenden gesetzlichen Vorgaben und dem Schutz von Umwelt und Gewässer.

Jetzt aber stehe die Forderung im Raum, dass in Gebieten mit hoher Nitratbelastung die Sollwerte für die Düngebedarfsermittlung 20 Prozent niedriger liegen sollten als bislang. „Damit können wir die Pflanzen nicht mehr ernähren“, betont Rohlmann. Die Folge seien weniger Erträge.

Rohlmann bringt noch einen anderen Gesichtspunkt mit ein. „Wir sind hier eine starke Veredelungsregion,“ erklärt er. Das bedeute: Es gibt hier viel Stall- und Viehhaltung, ergo, auch viel Mist und Gülle. Wenn die Landwirte diese nun in Gebiete mit weniger Nitratbelastung oder anderweitig fachlich korrekt verbringen müssten, entstünden extreme Kosten – wiederum zum Nachteil für die Betriebe. Die Konsequenz, wenn es wirklich alles so gesetzmäßig komme: „Die Höfe machen die Türen zu.“

Regionale Produkte wären dann zukünftig ein Relikt der Vergangenheit. Zudem „stoßen wir unserer jungen Generation vor den Kopf“, ist sich Rohlmann sicher. Fachlich an Universitäten, Fachhochschulen und Landwirtschaftsschulen mit dem neusten Wissen ausgebildete junge Menschen würden den Schritt Richtung Landwirtschaft nicht mehr gehen. Der Mut fehlt unter solchen Voraussetzungen.

Die Landwirte streben einen gemeinsamen Weg mit Politik und Gesellschaft an. Sie wollen Umwelt,- Natur- und Gewässerschutz im Einklang mit der Landwirtschaft halten und durch so ein Gesetz nicht einen gesellschaftlichen Strukturwandel weg von der Landwirtschaft. Doch Rohlmann weiß, dass der angestrebte gemeinsame Weg nicht einfach zu erreichen ist: „Die Stimmung ist zurzeit so schwierig, wie ich sie noch nie empfunden habe.“

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