Wettbewerb „Fahrradfreundliche Stadt“
Eine Promenade allein reicht nicht

Düsseldorf -

Auch wenn Münster den vielleicht wertvollsten Titel als fahrradfreundlichste Großstadt in Deutschland verloren hat: Das Münsterland schneidet im Wettbewerb um ideale Bedingungen für Fahrradfahrer insgesamt gut ab. Insbesondere kleinere Städte und Gemeinden aus der Region schafften es bundes- und landesweit an die Spitze des Fahrradklimatests 2018, den der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) am Dienstag in Düsseldorf vorgestellt hat. 

Dienstag, 09.04.2019, 20:06 Uhr aktualisiert: 09.04.2019, 20:29 Uhr
Radfahren auf der Promenade in Münster kann zwar ein Genuss sein. Aber Münster hat den Titel „fahrradfreundlichste Stadt“ trotzdem verloren. Dafür sind viele andere Kommunen im Münsterland bundesweit Spitzenreiter.
Radfahren auf der Promenade in Münster kann zwar ein Genuss sein. Aber Münster hat den Titel „fahrradfreundlichste Stadt“ trotzdem verloren. Dafür sind viele andere Kommunen im Münsterland bundesweit Spitzenreiter. Foto: Matthias Ahlke

Für das Ranking von mehr als 680 Städten, darunter 169 NRW-Kommunen, sammelt der Verband rund 170.000 Bewertungen, etwa 41.000 kamen aus NRW. Die Radfahrer zeigen sich vielerorts unzufrieden mit ihrem Stellenwert, der Sicherheit, dem Komfort oder der Infrastruktur. NRW als Land bekommt nur noch die Note 4,1.

Erstmals hat der ADFC nach Familienfreundlichkeit gefragt: Bundesweit „leuchtendes Vorbild“ ist Wettringen. In den meisten Kommunen ist dieser Aspekt problembehaftet: „Insgesamt haben drei Viertel der Befragten angegeben, dass man Kinder nur mit schlechtem Gewissen alleine Fahrrad fahren lassen kann“, sagte ADFC-Sprecherin Christina Wolff.

Erstmals hat der ADFC die Größen-Kategorien neu gefasst. Dazu gehören die Metropolen mit mehr als 500.000 Einwohnern. NRW schneidet hier eher schlecht ab, mit einer dürftigen Note 4,23 steht Düsseldorf auf Rang neun noch am besten da, Köln (4,38) ist Schlusslicht auf Position 14.

Münster entthront: Das Ergebnis eines langen Trends

Unter den Großstädten mit 200.000 bis 500.000 Einwohnern bleibt Münster (3,25) landesweit die fahrradfreundlichste, wurde aber im Bund durch Karlsruhe vom Thron vertrieben – Ergebnis eines langen Trends. „Das haben die Verantwortlichen in Münster sehenden Auges geschehen lassen“, rügte der ADFC-Landesvorsitzende Thomas Semmelmann. „Die Infrastruktur ist der wachsenden Menge an Radfahrerinnen und Radfahrern nicht mehr gewachsen.“ Bielefeld (4,06) erreicht Rang zwölf. Unter den Städten mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern schafft es in NRW nur Hamm (3,8) bundesweit unter die Top Ten.

Von den Städten forderte Semmelmann durchgehende und sichere Radtrassen sowie ein entschiedenes Vorgehen gegen Autofahrer, die Radwege zuparken. „Politik und Verwaltung tun zu wenig, um das Radfahren attraktiv und alltagstauglich zu machen.“ Und mit den E-Scootern drohe großes Konfliktpotenzial auf engen Geh- und Radwegen.

Blick ins Münsterland

Bocholt bleibt mit Note 2,39 unangefochten die bei Radlern beliebteste Kleinstadt (50.000 bis 100.000) in Deutschland. Rheine (3,63) bleibt auf Rang 14, Ibbenbüren (3,66) sackt auf 16. Mit 311 Kommunen ist die Gruppe zwischen 20.000 und 50.000 Einwohnern die größte. Dülmen (3,05) erreicht in puncto Fahrradfreundlichkeit Platz fünf. In der Kategorie sind drei NRW-Vertreter unter den ersten zehn.

Die noch kleineren Kommunen dominiert das Münsterland mit Reken (1,97), Wettringen (1,98) und Heek (2,38) auf den ersten drei Plätzen sowie Olfen (2,62) auf dem fünften, Schöppingen (2,81) auf dem achten und Rhede (2,82) auf dem neunten Platz.

Nachrichten-Ticker