Die Wülfings sind zurück in Amerika
„Willi“ schnurrt wie ein Kätzchen

Drensteinfurt -

Die beiden Abenteurer Karolin und Philipp Wülfing sind zurück in Amerika. Im Gepäck hatten sie einen neuen Motor für ihren 27 Jahre Alten Landrover namens „Willi“.

Mittwoch, 10.04.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 10.04.2019, 19:56 Uhr
Geschafft: Nach zwei Monaten harter Arbeit hat der 27 Jahre alte Landrover, den Karolin und Philipp Wülfing auf den Namen „Willi“ getauft hatten, einen neuen Motor. Das „Abenteuer Amerika“ kann damit weitergehen.
Geschafft: Nach zwei Monaten harter Arbeit hat der 27 Jahre alte Landrover, den Karolin und Philipp Wülfing auf den Namen „Willi“ getauft hatten, einen neuen Motor. Das „Abenteuer Amerika“ kann damit weitergehen. Foto: Wülfing

Etwas über zwei Jahre ist es nun her, dass ihr Abenteuer begonnen hat. Seitdem ist viel passiert. Und wie es nun einmal bei Abenteuern so üblich ist, erlebten Karolin und Philipp Wülfing auf ihrem Trip im mittlerweile 27 Jahre alten Landrover mit Namen „Willi“ quer durch den amerikanischen Kontinent so manche Überraschung. Samt eines defekten Motors, der das Duo zu einer unfreiwilligen Pause zwang. Nun geht es jedoch wieder los.

„Wir sind nach einem halben Jahr Willi-Abstinenz, endlich wieder bei unserem Defender in Vancouver angekommen. Mitte Mai vergangenen Jahres hatten wir ihn in die Hände von Aart, einem Landrover-Mechaniker in Vancouver gegeben und sind zurück nach Deutschland geflogen“, berichtet Karolin Wülfing. „Die Pause vom Reisen haben wir jedoch sinnvoll genutzt. Wir haben einen neuen Motor organisiert und diesen mit Hilfe eines Mechanikers überholt.“ Zusammen mit weiteren Anbauteilen wie Schnorchel, Staubox, Durchlauftank und einer Wasserstandheizung wurde schließlich alles in zwei Kisten verstaut und per Schiff nach Vancouver transportiert.

Zurück in Amerika

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    Foto: Philipp Wülfing

In Kanada angekommen, mussten sich die Wülfings aber noch etwas gedulden, ließen die heiß ersehnten Teile doch stolze drei Wochen auf sich warten. Doch dann war der Tag gekommen. „Wir bekamen die E-Mail, dass wir unsere Kisten bei der Spedition abholen konnten. Unsere Vorfreude wurde aber schlagartig gedämpft, als wir die Kisten in Empfang nahmen Eine Seite war komplett aufgebrochen und unsere Teile ragten uns entgegen. Irgendwer muss die Kiste mit einer Brechstange aufgebrochen haben“, so Wülfing.

Ab in die Werkstatt

Mit den eingesammelten Teilen ging es schließlich in die Werkstatt, wo sie sorgfältig ausgepackt und mit der Inventarliste von abgeglichen wurden. „Zum Glück fehlt noch nicht einmal die kleinste Schraubenpackung, und die Brechstange hatte auch keinen Schaden angerichtet. Wir sind mit dem Schrecken davongekommen“, so die Drensteinfurterin.

Die folgenden zwei Monate verbrachte das Paar mit ölverschmierten Händen in der Werkstatt. „Alle Teile, die uns die letzten 60 000 Kilometer Kopfschmerzen bereitet hatten, wurden von uns auseinandergebaut, repariert oder ersetzt. Danach kamen die neuen Anbauteile an die Reihe. Wir frästen Löcher in ,Willi‘, mal stehend, mal liegend, und fügten Schrauben und Muttern zusammen. Wir verwarfen Pläne und schmiedeten wieder neue“, erzählt Philipp Wülfing. „Nicht nur einmal haben wir ordentlich geflucht.“

Kniffeliger Einbau

Doch auch der kniffelige Einbau der neuen Teile hatte schließlich ein Ende, und so ging es endlich an die wichtigste Aufgabe: den Tausch des Motors. „Wir trennten die Kabel und Schläuche. Das ging recht fix. Dann hoben wir mit einem Kran den Motor raus“, so Philipp Wülfing. „Der Motortausch fand unter Aarts wachsamen Augen statt. Seine Anweisungen und Hilfestellungen halfen uns auch, den neuen Motor innerhalb von zwei Tagen wieder anzuschließen.“

Probefahrt mit Tücken

Die Spannung stieg. Funktioniert der frisch überholte Motor aus Deutschland auch? „Wichtig beim ersten Starten ist, dass der Motor danach direkt 20 Minuten lang eingefahren wird. Es darf nicht gestoppt werden, da sich die Kolben und Ringe setzen müssen“, so Wülfing. „Wir bekamen von Aart noch mal die wichtigsten Verhaltensregeln gesagt, und dann drehte Philipp den Schlüssel im Schloss um. Und siehe da: ,Willi‘ sprang ohne Murren direkt an“, schildert Karolin Wülfing. „Dann hieß es: losfahren, denn wir durften nicht stoppen. Die Route für unsere kleine Tour hatte ich vorher herausgesucht, damit wir an so wenig Ampeln und Stoppschildern wie nur möglich vorbeikamen. Zum Glück wohnt Aart auf dem Land, somit war die Strecke schnell gefunden.“

Als der Landrover-Oldie schließlich tatsächlich rollte, konnten die beiden Abenteurer ihr Glück kaum fassen. „Dass unsere Freude nur kurz anhalten sollte, konnten wir da noch nicht wissen. Denn nach knapp drei Kilometern bemerkte Philipp plötzlich, dass sich unser Motor überhitzt“, so Wülfing. „Die Nadel der Anzeige im Armaturenbrett war plötzlich im roten Bereich. Sollten wir also anhalten? Aart hatte doch mehrfach erwähnt, wie wichtig es ist, nicht zu stoppen. Doch wir konnten nicht anders.“ Und so hielten sie schließlich, denn mit einem überhitzten Motor weiterzufahren, hat meistens einen Zylinderkopfschaden zur Folge.

Dann konnte es nur der Sensor am Motorblock sein.

Philipp Wülfing

Als sie die Motorhaube öffneten, sah eigentlich alles ganz normal aus. Und der Motor fühlte sich auch nicht besonders heiß an. Schließlich startete Philipp Wülfing das Aggregat erneut – und es ging schleunigst zurück zur Werkstatt. „Dort angekommen, stellte Aart ziemlich schnell fest, dass sich unser Motor nicht überhitzt hatte“, so Karolin Wülfing. Und so ging es dem Thermostat an den Kragen, denn bei der kurzen Tour hatte es sich anscheinend nicht geöffnet.

Das Thermostat muss raus

„Wir bauten das Thermostat aus und legten es in einen Topf voller Wasser. Mit einem einfachen Thermometer schauten wir, ob es sich öffnet. Und das tat es genau bei 88 Grad. „Dann konnte es nur der Sensor am Motorblock sein, denn der misst die Temperatur und gibt sie an unsere Anzeige weiter“, so Philipp Wülfing. „Das zweite Experiment zeigte uns, was wir kaum glauben konnten. Der neu eingebaute Sensor hatte einen zu kleinen Widerstand. Daher zeigte er einen übertrieben hohen Wert an. Was für ein Glück, denn dieses Problem konnte leicht behoben werden. Wir bauten den Sensor aus dem alten Motor aus und in unseren Neuen ein.“

Jetzt geht´s in den Schnee

Wenig später hieß es dann: Probefahrt, die Zweite. „Nervös saßen wir nebeneinander im Auto, doch es passierte absolut nichts und wir fingen an, uns zu entspannen. Alle Anzeigen zeigten an, was sie sollen, und unser Motor schnurrte dabei wie ein Kätzchen“, so Karolin Wülfing. „Wir hatten es geschafft. Die Probefahrt war nach dem großen Schreck doch geglückt und unsere erste kleine, richtige Tour kann starten. Es geht nach Whistler, in den Schnee. Doch davon das nächste Mal mehr.“  

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