Zeit zum Leben gewinnen
Mettinger Familie sammelt Spenden für den letzten Weg ihres todkranken Sohnes

Mettingen -

Moritz wenigstens noch ein bisschen Lebensqualität schenken durch besondere Erlebnisse, das wollen seine Eltern und sammeln dafür Spenden. Denn der 14-jährige Schüler hat einen Tumor im Kopf, der sich nicht mehr therapieren lässt.

Mittwoch, 10.04.2019, 16:06 Uhr aktualisiert: 10.04.2019, 16:55 Uhr
Moritz Steinkamp traf in Frankfurt seinen Lieblings-Youtuber und Nintendo-Spezialisten Domtendo alias Dominik Neumeyer. Mit dabei war auch Moritz` Bruder Falko.
Moritz Steinkamp traf in Frankfurt seinen Lieblings-Youtuber und Nintendo-Spezialisten Domtendo alias Dominik Neumeyer. Mit dabei war auch Moritz` Bruder Falko. Foto: privat

Das Treffen mit Domtendo in Frankfurt war für Moritz Steinkamp eine tolle Abwechslung. Der begeisterte Nintendo-Spieler aus Mettingen hat von dem bekannten Youtuber Dominik Neumeyer, der sich unter anderem auf die Videospielreihe „Super Smash Bros.“ spezialisiert hat, beim „Mario-Smash-Turnier“ ein paar wertvolle Tipp bekommen.

Für Moritz war das eines jener tollen Erlebnisse, die den 14-Jährigen ein bisschen von seinem schweren Schicksal ablenken sollen. Zumindest für eine Zeit. Denn der Schüler hat einen Tumor im Kopf, der sich nicht mehr therapieren lässt. Für seine Eltern René und Yvonne Steinkamp geht es nach dieser niederschmetternden Diagnose darum, ihrem Sohn für die ihm bleibende Zeit nach zwei schweren Hirnoperationen und mehr als 13 Chemotherapien wenigstens ein bisschen Lebensqualität zu schenken. Sie wollen für Moritz Zeit zum Leben gewinnen.

Spendenkampagne über Crowdfunding

Deshalb hat René Steinkamp über Facebook eine Spendenkampagne auf einer Crowdfunding-Plattform gestartet. Durch diese Form der Gruppenfinanzierung sammeln Menschen Geld, unter anderem um Familien, die von Schicksalsschlägen gebeutelt sind, zu helfen. „Moritz` letzter Weg“, heißt die Aktion.

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Die Spendenaktion ist unter www.gofundme.com/moritz-letzter-weg zu finden.

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Denn finanziell sind die Steinkamps in einem Dilemma, wie der Familienvater erklärt: Als Eisenbahner ist René Steinkamp bei der Beihilfekasse seines Arbeitgebers versichert. Die zahlt – wie bei solchen Modellen üblich – 80 bis 90 Prozent der Kosten bei ambulanten Behandlungen und für die Medikamente. Den Rest muss Steinkamp zuzahlen. Eine private Zusatzversicherung habe er für Moritz nicht abschließen können, erläutert er. Sein Sohn habe als Säugling Probleme mit der Niere gehabt. Deshalb sei er von allen Privatversicherungen abgewiesen worden.

Das bringt die Familie in finanzielle Nöte. Denn die Zuzahlungen betragen in manchen Monaten bis zu 2500 Euro, sagt Steinkamp. Und die Kosten steigen, weil er sich mit den Ärzten auf Bestrahlungen für Moritz verständigt hat.

Damit könne das Wachstum des Tumors zumindest etwas aufgehalten werden. Allerdings seien diese Behandlungen nur ambulant möglich und bedeuten damit Zuzahlungen. Für Moritz sind die Bestrahlungen wichtig. „Eine Verzögerungstaktik“, sagt René Steinkamp. Damit sein Sohn noch etwas erleben kann. Der Junge hat Träume wie jeder 14-Jährige. „Mal im Windkanal schweben“, spricht Moritz über einen seiner Wünsche.

„Es gibt gute und schlechte Tage“

Die Nebenwirkungen von Behandlung und Tabletten sind nach wie vor enorm. Moritz ist häufig übel, er hat motorische Störungen und sitzt zeitweise im Rollstuhl. Zur Schule gehen kann er nicht mehr. Zu stark schwankt sein Gesundheitszustand.

Die Tabletten gegen die Übelkeit nehme er inzwischen mitten in der Nacht, schildert der Vater. Damit ist seinem Sohn zumindest nicht sofort mit Tagesbeginn schlecht. Steinkamp: „Es gibt gute und schlechte Tage.“ Deshalb seien weit im Voraus geplante Termine unmöglich. Es könne immer passieren, dass Moritz Ausflüge nicht antreten kann. Um so wichtiger ist es für die Familie, die guten Tage zu nutzen.

Wie am vergangenen Wochenende: Ein Besuch im Miniatur-Wunderland in Hamburg steht auf dem Programm. Moritz freut sich schon sehr. Denn er ist Eisenbahnfan. Das verrät nicht zuletzt der Lego-Güterzug, der im heimischen Mettingen auf dem Wohnzimmertisch seine Runden dreht.

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