Umfrage unter Gastronomen
Kostenloses Leitungswasser gehört zum Service

Lüdinghausen -

Wer in Lüdinghauser Gaststätten nach Leitungswasser fragt, muss dafür nichts bezahlen. Für die meisten Gastronomen gehört das zum Service. Das ist jedoch nicht überall selbstverständlich.

Mittwoch, 17.04.2019, 06:00 Uhr
Kostenloses Leitungswasser gehört für Christian Blazevec (2.v.r.) und seine Kollegen im „Café Extrablatt“ ebenso zum Service wie für viele andere Gastronomen in Lüdinghausen.
Kostenloses Leitungswasser gehört für Christian Blazevec (2.v.r.) und seine Kollegen im „Café Extrablatt“ ebenso zum Service wie für viele andere Gastronomen in Lüdinghausen. Foto: Bastian Becker

Für Mene Uhlenkott vom „Hotel zur Post“ gehört es „irgendwo zum Service“, für Marko Scheer, Wirt des „sCheers Amadeus“, ist es gar „eine Frage der Menschlichkeit“: Leitungswasser kostet in Lüdinghauser Gaststätten nichts. Das ist das Ergebnis einer kleinen Umfrage unter Lüdinghauser Gastronomen anlässlich der unlängst verabschiedeten EU-Trinkwasserrichtlinie, in der die EU-Kommission vorschlägt, Trinkwasser in Restaurants künftig generell kostenfrei auszuschenken.

„Wir servieren es gratis, entweder als Beigabe zu anderen Getränken oder auch alleine“, erklärt Hase Bajric, Inhaber der Tapas-Bar „Caribello“. Allerdings hat die Großzügigkeit gewisse Grenzen, wie Xhevat Bajraktari vom „Mezzomar“ klarmacht: „Einige Gläser sind okay, aber man sollte nicht den ganzen Tag nur Leitungswasser bestellen.“ In einer „Mezzomar“-Filiale in einem anderen Ort habe eine Gruppe etwa eine Flasche Wein und drei bis vier Karaffen Leitungswasser bestellt, was nicht sonderlich gut angekommen sei. „Wenn sich Leute nur hinsetzen und kostenloses Wasser bestellen, müsste ich dagegen vorgehen“, schränkt auch Scheer ein, letztlich müsse man auf die Wirtschaftlichkeit achten.

Der einzige Aufwand für den Gastronomen ist das Spülen des Glases.

Mene Uhlenkott

In Bezug auf eine mögliche flächendeckende Umsetzung der EU-Richtlinie sind die Reaktionen dann auch gemischt: „Wenn das durch die Medien publik wird, wird die Nachfrage steigen. In kleineren Betrieben wie bei uns ist das kein Problem, in größeren muss man dann vielleicht einen zusätzlichen Mitarbeiter beschäftigen, der Leitungswasser ausschenkt“, überlegt Christian Blazevec vom „Café Extrablatt“. „Zu viele Leute könnten das ausnutzen und sparen wollen“, befürchtet „Mezzomar“-Betreiber Bajraktari. „Der einzige Aufwand für den Gastronomen ist das Spülen des Glases. Warum sollte man Geld dafür nehmen?“, meint dagegen Uhlenkott.

Grundsätzlich kein Problem mit der kostenlosen Regelung hat auch Bajric: „Leitungswasser könnte dann das stille Wasser ersetzen.“ Vielleicht sollte Til Schweiger mal vorbeischauen. Der Schauspieler und Regisseur war 2017 in die Schlagzeilen geraten, weil er in seinem Hamburger Restaurant einen Liter aufbereitetes Leitungswasser für 4,20 Euro verkauft hatte. In Lüdinghausen ist die Gratisabgabe dagegen „selbstverständlich“ (Blazevec).

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