Jüdischer Friedhof
Denkmal von besonderem Wert

Burgsteinfurt -

Die Initiative Stolpersteine hat jetzt einen neuen Anlauf gestartet, den Zustand des jüdischen Friedhofs an der Gerichtstraße zu verbessern. 2017 hatte die Politik einen Antrag des Vereins auf Bereitstellung von städtischen Geldern für diesen Zweck abgelehnt. Jetzt setzen die Ehrenamtlichen auf die breite Öffentlichkeit.

Mittwoch, 17.04.2019, 15:30 Uhr aktualisiert: 17.04.2019, 15:36 Uhr
Die Zeit drängt: An vielen der Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof an der Gerichtstraße nagt der Zahn der Zeit. Die Beschädigungen stammen teils noch aus der NS-Zeit.
Die Zeit drängt: An vielen der Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof an der Gerichtstraße nagt der Zahn der Zeit. Die Beschädigungen stammen teils noch aus der NS-Zeit. Foto: rs/Initiative Stolpersteine

Ist eine Restaurierung nicht gewünscht? Sollen die Gräber ebenso wie das menschliche Leben vergehen? Unter anderem vom Fachdienstleiter Tiefbau getätigte Aussagen über die Haltung jüdischer Glaubensvertreter zu alten Grabstätten hatte die Mehrheit des Bauausschusses Ende 2017 dazu veranlasst, einen von der Initiative Stolpersteine Burgsteinfurt eingebrachten Bürgerantrag auf Bereitstellung von städtischen Mitteln zum Erhalt der alten Grabsteine auf dem Friedhof an der Gerichtstraße abzulehnen. Jetzt hat der Verein einen neuen Anlauf gestartet, den Zustand der denkmalgeschützten Begräbnisstätte zu verbessern.

„Wir sind der Meinung, dass aufgrund des zunehmenden Verfalls vieler Steine kein weiterer Aufschub geduldet werden kann und schnell gehandelt werden muss“, sagt Ursula Kunze von der Initiative. Der Friedhof sei das letzte jüdische Denkmal in der Stadt und sollte dementsprechend behandelt werden.

In Rede stehe, so machte Kunze deutlich, nicht eine Komplettsanierung, sondern ein Eingreifen dort, wo unwiederbringlicher Verlust droht. Auch gehe es nicht um die Qualität der Grünpflege, die der städtische Bauhof betreibt. Die sei unstrittig, was auch von Seiten des Landesrabbiners bei Begehungen schon bestätigt worden sei. Es gehe der Initiative vielmehr um das Abwenden eines drohenden Geschichts- und Gesichtsverlusts.

Der Verein hat sich daher jetzt unter Federführung von Ursula Kunze, Oliver Löpenhaus, Barbara Wachsmuth-Ritter und Lina-Sophie Hentzschel mit ihrem Anliegen nochmals an die Stadtverwaltung sowie auch an die Burgsteinfurter Öffentlichkeit gewandt.

Schon im vergangenen Jahr habe es Begehungen mit dem Technischen Beigeordneten Hans Schröder auf dem Friedhof gegeben, berichtet Kunze. Bei dem Gespräch, an dem auch die Denkmalpflegerin Gerlinde Sextro und weitere Mitarbeiter der Verwaltung teilgenommen hätten, habe man positive Signale von Seiten der Stadt wahrgenommen, gibt Ursula Kunze die Essenz des Austausches vor Ort wieder. So sei angekündigt worden, dass sämtliche Grabsteine fotografisch erfasst werden sollen, um so eine Grundlage für eine Beurteilung der fachmännischen Restaurierungsnotwendigkeit zu erhalten. Ob und wie weit eine öffentliche Förderung möglich sei, soll ausgelotet werden. Von Seiten der Stadt sei auch die Möglichkeit einer Spendenaktion in Form eines Crowdfundings ins Gespräch gebracht worden.

Doch nicht nur die positive Haltung der Stadt gegenüber ihrem Anliegen gibt der Initiative Mut, den eingeschlagenen Weg jetzt weiterzugehen. Großen Auftrieb habe auch die Informations- und Diskussionsveranstaltung gegeben, zu der der Verein in der vergangenen Woche Vertreter von Vereinen, Verbänden und Schulen ins Nepomuk-Forum eingeladen hatte. „Dabei ist es uns in erster Linie nicht darum gegangen, Geldgeber zu finden“, betont Lina-Sophie Hentzschel. Der Sinn der Veranstaltung habe vielmehr darin gelegen, öffentliche Unterstützung einzuwerben, die im besten Fall in die Gründung einer Bürgerinitiative für den Erhalt und die Pflege der Grabsteine des Friedhofs mündet, so die Oberstufenschülerin des Gymnasiums Arnoldinum, zugleich jüngstes Mitglied der Initiative Stolpersteine.

Während der Veranstaltung habe man viel Rückhalt erfahren, ergänzt Ursula Kunze. So habe das Hermann-Emanuel-Berufskolleg angekündigt, den Grabsteinbestand digital zu erfassen. Die Realschule Burgsteinfurt plant eine fächerübergreifende Projektwoche zum Thema. Die Freiwillige Feuerwehr habe sich unter anderem bereit erklärt, Unterstützung bei der Anfertigung von Info-Tafeln zu leisten.

Die Vertreterinnen der Stolpersteine-Initiative kündigten an, bald zu einem weiteren Treffen mit einer Begehung des Friedhofes einladen zu wollen.

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