Alles läuft über das Privat-Handy
Telekom konnte Praxis im Krankenhaus nicht finden

Greven -

Man könnte denken, wie modern ist das denn? Aber der Grund, warum in der Praxis von Dr. Thomas Schulte nur noch mit einem Handy gearbeitet wird, ist ärgerlich. Bei der Umstellung auf eine neue Datenleitung, fand der Telekom-Mitarbeiter die Praxis nicht.

Donnerstag, 18.04.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 18.04.2019, 10:11 Uhr
Michaela Dahl telefoniert mit dem privaten Handy ihres Chefs Dr. Thomas Schulte. Die Praxis hat neun Leitungen – aber nichts läuft.
Michaela Dahl telefoniert mit dem privaten Handy ihres Chefs Dr. Thomas Schulte. Die Praxis hat neun Leitungen – aber nichts läuft. Foto: Günter Benning

Es ist still in der chirurgischen Praxis von Dr. Thomas Schulte. Zu still für einen Facharzt. Am Empfang nimmt Michaela Dahl Patientengespräche per Handy an. Seit einer Woche sind die Daten- und Telefonleitungen tot. Alle Neune. Und der Grund: „Bei der Umstellung auf eine schnellere Leitung konnte uns der Telekom-Techniker nicht finden“, sagt der Chirurg.

Nicht zu finden? Nicht zu fassen! Schultes Praxis ist im Ärztehaus des Maria-Josef-Hospitals gelegen. Zweite Etage, neben dem Haupteingang befindet sich ein großes Hinweisschild mit allen Facharztpraxen im Haus. Lindenstraße 37 lautet seine Adresse.

Wie es zu dem Vorfall kam

Aber der Reihe nach: Schulte betreibt seine Praxis für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie seit elf Jahren im Ärztehaus. Wie viele Fachärzte erhält er Patientendaten und Röntgenbilder per Datenleitung. In seiner Praxis steht dafür ein eigener Server bereit. Doch zunehmend machte die dünne DSL-Leitung mit 16 .000 Megabit pro Sekunde (MBit/s) den Transfer problematisch.

Da kam es gelegen, dass die Telekom in einem Flyer mitteilte, unter der Adresse des Maria-Josef-Hospitals sei eine Bandbreite von 100 .000 MBit/s möglich, per Vectoring-Technik. „Wir haben die Gelegenheit ergriffen“, sagt Schulte, „und über unseren Provider Vodafone eine solche Leitung beantragt.“

Neue Leitung wurde nicht gelegt

Sechs Wochen später stand der Wechsel an. Am 11. April um 8 Uhr morgens kappte die Telekom die bisherige Telefon- und Datenleitung. Telefone, Fax, Computer, Server – alles war damit weg vom Netz. Und obwohl das anders verabredet war, sei die neue Leitung bis zum Mittag nicht geschaltet worden, klagt Schulte. Eine Servicerufnummer der Telekom suchte er vergeblich: „Störungen können nur per Internet angezeigt werden“, sagt er. Wenn man denn Internet hat.

Telefonverkehr läuft über ein privates Handy

Täglich landen in Schultes Praxis an die 100 Telefonate. Dazu kommen die Daten seiner Patienten – seit Tagen herrscht jetzt das Provisorium. Überweisende Kollegen geben den Kranken Daten-Chips mit. Und der Telefonverkehr läuft über ein privates Handy: „Vodafone hat immerhin innerhalb von fünf Minuten die Rufumleitung eingerichtet.“

Das heißt aber nicht, dass Schulte auch Daten per Umleitung bekommen könnte. „Das geht schon aus Datenschutzgründen nicht“, sagt er, „darum haben wir ja auch einen eigenen Server in der Praxis.“ Der nächste Umstellungstermin, der Schulte von der Telekom genannt wurde – 24. April: „Unverbindlich“.

Das Adressen-Tohuwabohu

Thomas Schulte hat von seinem Provider Vodafone bereits den Grund des Unbills erfahren. Um 10.30 Uhr habe der Telekom-Mitarbeiter ins System eingegeben: „Die Adresse der Praxis ist nicht zu ermitteln.“

Offenbar steckt dahinter ein Adressen-Tohuwabohu. Vodafone, so teilt die Telekom-Pressestelle mit, habe wohl eine falsche Anschrift übermittelt: „Das Krankenhaus befindet sich laut unseren Systemen in der Hausnummer 29 A, das Ärztehaus besitzt die Hausnummer 29. Der Monteur ist jedoch wie bestellt zur Hausnummer 37 gefahren und konnte dort den Kunden natürlich nicht finden.“

So kann man sich irren. Denn laut dem Straßenplan Grevens hat das Krankenhaus jede Menge Hausnummern: Genauer gesagt von Nummer 29 bis 37 und von 34 bis 40. Das kann man im Online-Geoportal des Landes einfach nachsehen.

Möglicherweise hat sich aber der Telekom-Techniker bei der Suche nach Schultes Praxis auf Google-Maps verlassen. Der Online-Kartendienst verortet die Lindenstraße 37 genau vor dem Mitarbeiterparkplatz. Eine Ungenauigkeit im Plan.

Meine Service-Kollegen sind jetzt mit Hochdruck an dem Fall dran.

Telekom-Pressesprecher Frank Leibiger

Was geholfen hätte: Mal jemand auf der Straße oder an der Krankenhaus-Rezeption fragen. Die war um 10.30 Uhr besetzt. „Ich weiß mir nicht zu helfen“, klagt Dr. Schulte, „ich habe keine Möglichkeit, meine Patienten oder meine Kollegen zu erreichen.“

Die Telekom verspricht eilige Abhilfe. „Das ist für alle Beteiligten ärgerlich“, so Pressesprecher Frank Leibiger auf Anfrage dieser Zeitung: „Meine Service-Kollegen sind jetzt mit Hochdruck an dem Fall dran.“

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