Testfahrt im ersten E-Auto der Stadtverwaltung
Mit „Warp“ durch Stadt und Natur

Drensteinfurt -

Es ist kompakt und fast geräuschlos, dafür aber ziemlich kräftig: Mit Bürgermeister Carsten Grawunder starteten die WN zu einer Testfahrt im ersten E-Auto der Stadtverwaltung.

Donnerstag, 18.04.2019, 23:52 Uhr
Vorsicht: Strom! Genauer gesagt: Ökostrom. Gemeinsam mit Bürgermeister Carsten Grawunder testeten die WN den ersten Elektro-Flitzer der Stadt, der alsbald auch vermietet werden soll.
Vorsicht: Strom! Genauer gesagt: Ökostrom. Gemeinsam mit Bürgermeister Carsten Grawunder testeten die WN den ersten Elektro-Flitzer der Stadt, der alsbald auch vermietet werden soll. Foto: Dietmar Jeschke

Ein sanfter Druck auf den „Start-Stopp-Knopf“. Ein kleiner Zug am Automatikwahlhebel – und schon geht es los. Und das beinahe geräuschlos, obwohl das neue Fahrzeug der Stadtverwaltung dies eigentlich grundsätzlich ist. Wäre da nicht das dezente, künstlich erzeugte Summen, das ein wenig an den berühmten „Warp-Antrieb“ aus der Star-Treck-Saga erinnert.

Bis Tempo 30 – dann macht das Summen bei leicht geöffnetem Fenster dem Fahrtwindrauschen Platz. „Das Geräusch dient dem Schutz von Fußgängern und Radfahrern. Damit sie merken, dass sich ein Fahrzeug nähert. Das wurde gerade bei den ersten E-Fahrzeugen stark kritisiert“, erklärt Bürgermeister Carsten Grawunder, während er den Blinker setzt und abbremst. Ein kurzer Blick über die Schulter, dann geht es nach rechts in den Grentruper Weg, wo der „Warp-Antrieb“ schließlich wieder die akustische Begleitung übernimmt, bis er am Ende der Tempo-30-Zone kurz vor dem Ortsausgang erneut verschwindet.

Grawunder tritt ein wenig auf den sprichwörtlichen „Pinn“ – und den erstaunten Fahrgast, der um eine unverbindliche Probefahrt im neuesten Spross des städtischen Fuhrparks gebeten hatte, drückt es schon spürbar ins gut konturierte Sitzpolster. 70, 80, 90 km/h, dann heißt es: Bremsen vor der scharfen Rechtskurve am Hof Schulze Pellengahr. Wenig weiter dann wieder nach links, noch einmal nach rechts, und nach wenigen Minuten ist das erste Etappenziel erreicht: Das Windrad an der Ortsgrenze in Richtung Albersloh.

100 Prozent Ökostrom

Für die Stadt und für den neuen Renault „Zoe“ der Verwaltung hat der alternative Energieerzeuger schon eine besondere symbolisch Bedeutung. Denn schließlich steht er für das, was den 92-PS starken, strahlend-weißen Kompaktwagen antreibt: 100 Prozent Ökostrom. Und das ganz egal, wo der Akku bei Bedarf aufgeladen wird. Damit das auch tatsächlich funktioniert, gibt es ein spezielles, internetgestütztes Modul innerhalb des Ladekabels.

Steckt der Stecker im dafür vorgesehenen Ladeanschluss unterhalb der typischen Renault-Raute am Kühlergrill und wird das Kabel mit einer beliebigen Ladestation gekoppelt, sorgt das integrierte Abrechnungsgerät dafür, dass sich bei den Stadtwerken Ostmünsterland die sprichwörtliche „Zapfsäule“ dreht. Und zwar zum Ökostromtarif, den der Versorger über den „Strom-Pool“ mit dem jeweils tatsächlichen Lieferanten abrechnet. Das ist sauber und dazu bequem für den Nutzer, weil bargeldlos: Die Abrechnung erfolgt digital über den herkömmlichen Bankweg.

Fahrerwechsel

Nach dem Fotostopp und einiger Fachsimpelei, für die der Bürgermeister seinen für die Beschaffung der kommunalen Fahrzeuge zuständigen Mitarbeiter Frederik Müller aus dem Fachbereich „Personal, Steuerung und Zentrale Dienste“ mitgebracht hat, heißt es schließlich „Fahrerwechsel“. Der neugierige Passagier, dessen letztes E-Fahrzeug-Erlebnis mit einem dreirädrigen Kabinenroller bereits knapp 30 Jahre zurückliegt, darf endlich selbst ans Steuer.

Der erste Eindruck stimmt zufrieden. Das Volant wirkt hochwertig. Ebenso wie die digitale Schaltzentrale, die neben Tacho, Navigationsgerät, Rückfahrkamera und Soundsystem auch eine Reichweitenanzeige bietet. Wohl das Wichtigste in einem E-Auto, sollte man meinen. Oder vielleicht nicht? Immerhin stehen noch 238 von nominell 316 Kilometern zur Verfügung. Im reinen Stadtverkehr sollte das also wohl mindestens eine Woche lang reichen.

Drehmoment satt

So, nun aber los. Startknopf gedrückt, Handbremse lösen, Automatikschalter auf „D“ wie „Dauerbetrieb“ – und schon schnurrt der kleine Franzose mit „Warp-Antrieb“ von der Wiese in Richtung Landesstraße. Ein Blick nach links: Kommt nix. Also: Gas, oder besser gesagt „Saft“ geben. Und der fließt spürbar. Ohne jegliche Schaltunterbrechung beschleunigt der Kompaktwagen mit enormem Drehmoment direkt aus der leichten Kurve hinaus. Turbo oder Achtzylinder? Nein, die dürften es kaum besser können.

Die Tachonadel schnellt beinahe unbemerkt nach oben. Aber: Die Landesstraße 585 ist nun einmal nicht der Nürburgring. Also, besser artig den Fuß vom Gas, schließlich herrscht in der „Kronshage-Schikane“ ein Tempolimit, auch wenn es ein wenig abenteuerlich ausgeschildert ist. Zeit für ein wenig „Small Talk“. „Wäre das ein Auto für sie?“, will der temporäre Chauffeur des Bürgermeisters wissen. „Ich könnte mir gut vorstellen, den meiner Frau unter das Carport zu stellen. Aber sie traut dem Braten noch nicht so richtig“, schmunzelt das Stadtoberhaupt. Na, dann sollte sie es vielleicht einfach einmal ausprobieren.

Ausleihen per Handy-App

Das kann sie übrigens schon ziemlich bald tun. Ebenso wie alle anderen interessierten Drensteinfurter. Denn das erste E-Fahrzeug der Stadt soll in Form eines Car-Sharing-Modells prinzipiell allen Bürgern zur Verfügung stehen. Derzeit, so Grawunder, laufen Gespräche mit dem Anbieter „Teil Auto“, der eine entsprechende und selbst per Handy-App zu bedienende Plattform anbietet, über die entsprechende Fahrzeuge tage- oder stundenweise gebucht und ausgeliehen werden können.

Damit dann auch genug „Saft“ auf dem Akku ist, soll in Kürze auf dem Parkplatz der Volksbank eine weitere Ladestation installiert werden – bislang gibt es lediglich eine öffentliche am Bahnhof. Die Stadt ist dazu bereits dabei, ein baugleiches Modell für den eigenen Betrieb anzuschaffen. Hinzu kommen drei E-Transporter für den Bauhof, dessen Mitarbeiter künftig – wo es eben möglich ist – gleichfalls umweltfreundlich unterwegs sein sollen.

26 000 Euro zuzüglich Akku-Miete

Der Renault „Zoe“, den die Stadt als erstes E-Fahrzeug vor wenigen Tagen angeschafft hat, kostet rund 26 000 Euro. Hinzu kommt eine monatliche Akku-Miete von etwa 120 Euro, die allerdings gewährleistet, dass der Stromspeicher immer mindestens 75 Prozent seiner Nennleistung behält. Ist das nicht mehr der Fall, wird die Batterie getauscht. Als reines E-Fahrzeug ist der „Zoe“ zehn Jahre lang steuerbefreit. Seine Nennreichweite beträgt 316 Kilometer. Ein Teil des verbrauchten Stroms wird bereits während der Fahrt zurückgewonnen – und zwar durch die Nutzung der Bremsenergie, ähnlich, wie es bei Formel-Eins-Autos der Fall ist. Das Laden dauert etwa sechs bis sieben Stunden. Die Leistung des Fahrzeugs beträgt 68 KW oder 92 PS.

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