Trockenheit wird zur Gefahr
Ernte und Wälder sind akut von Dürre gefährdet

Münster/Bonn -

Kein Niederschlag, zu warm - schon wieder wird die anhaltende Dürre zum Problem für die Natur und den Wald. Auch der Verbraucher dürfte die Trockenheit schon bald zu spüren bekommen.

Dienstag, 23.04.2019, 15:53 Uhr
Die Borkenkäfer haben sich stark vermehrt und greifen den heimischen Wald an. 
Die Borkenkäfer haben sich stark vermehrt und greifen den heimischen Wald an.  Foto: dpa

Knochentrockene Böden, sterbende Wälder – kaum haben Land- und Forstwirte in NRW die Dürreschäden des vergangenen Sommers einigermaßen überstanden, kündigt sich neues Unheil an. „Der wenige Niederschlag im Winter reicht nicht im Ansatz aus, um die Trockenheit des vergangenen Jahres auszugleichen. Jetzt warten alle schon wieder auf Regen“, sagt Uwe Spangenberg, Sprecher der Landwirtschaftskammer in Münster.

Besonders kritisch ist die Lage im Münsterland. Grund sind die in der Region weit verbreiteten Sandböden. Durch den Wind wird dort der Staub aufgewirbelt, greift die Pflanzen an. Bedroht ist neben der Getreideernte auch der Kartoffel-, Zwiebel- und Spinatanbau. „Wir bräuchten 30 bis 40 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, am besten 50 Liter.“ Die Verbraucher dürften diese Folgen schon bald an der Supermarktkasse zu spüren bekommen.

Schnelles Handeln gefragt

Auch die Situation im heimischen Wald ist katastrophal. „Der Borkenkäfer hat in NRW bereits über zwei Millionen Festmeter Fichtenholz befallen“, sagt Baron Heereman, Vorsitzender des Waldbauernverbandes NRW, unserer Zeitung. „Die lange Trockenheit wird auch zu einem Absterben von Laubbäumen wie Buche und Eiche führen.“

Durch die Trockenheit und das Sturmtief Friederike fanden die Borkenkäfer fast schon ideale Vermehrungsbedingungen vor. Baron Heereman: „Mehrere Käfergenerationen in einem Jahr haben die Anzahl der Käfer in astronomische Höhen anwachsen lassen.“ Schon jetzt – Ende April – haben einige Forstämter in Ostwestfalen die ersten Borkenkäfer entdeckt. Umso dringender ist für die privaten Waldbauern schnelle finanzielle, steuerliche und tatsächliche Hilfe.

„Wir müssen jetzt handeln und den Borkenkäfer effektiv bekämpfen. Hier ist nicht nur die finanzielle Hilfe, sondern eine unbürokratische Umsetzung durch die Landesregierung gefragt, um noch größere Schäden in unseren Wäldern zu verhindern“, so Heereman weiter. Die Hilfsgelder würden „Eins-zu-eins“ in den Wald fließen, verspricht Heereman.  

Kommentar

Was noch zu retten ist

Die Agrarminister von Bund (Julia Klöckner) und Ländern (darunter aus Nordrhein-Westfalen Ursula Heinen-Esser) haben bereits bei der Konferenz in Bad Sassendorf vor einem halben Jahr die Notlage der Landwirte anerkannt. Und während es einen – allerdings mit hohen bürokratischen Hürden versehenen – allgemeinen Hilfsfonds für Ernteausfälle gibt, warten die Waldbauern in NRW weiter auf konkrete Hilfen.

Angesichts der Gefahr durch den Borkenkäfer, die sich durch das anhaltend warme Wetter verschärft, muss diese Hilfe allerdings schnell kommen – in finanzieller, steuerlicher und tatsächlicher Form. Es geht hier nicht darum, Steuergeld für einige wenige Privilegierte zweck zu entfremden, sondern unseren Wald zu retten. Zu bewahren als Erholungs- und Rückzugsort für jedermann, zu bewahren als überlebenswichtigen CO² Speicher und als Garant für Wertschöpfung und Beschäftigung.

Der Gefahr durch Trockenheit und Dürre müssen alle in der Verantwortung Stehenden begegnen. Ohne erhobenen Zeigefinger auf politische Rendite schielend, sondern pragmatisch und schnell bevor die Rechnung für den toten Wald unbezahlbar wird.

von Frank Polke

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