Am Ende doch Lehrerin
Zwischen Kartoffelhof und Hörsaal

Bochum  -

Sie hatte ihr Lehramtsstudium für die Grundschule absolviert. Aber aus dem Referendariat wurde nichts: Angela Buhne und ihr Mann übernahmen einen Kartoffelhof in Warendorf. Jetzt hat sie noch einen Lehrauftrag an der FOM in Bochum.

Dienstag, 30.04.2019, 23:40 Uhr aktualisiert: 02.05.2019, 12:00 Uhr
Angela Buhne im heimischen Kartoffelschälbetrieb.
Angela Buhne im heimischen Kartoffelschälbetrieb.

Der Berufsweg von Angela Buhne erinnert an einen Zickzack-Lauf. Und doch zeigt er sehr deutlich, dass Flexibilität eine wichtige Voraussetzung dafür ist, das eigene berufliche (und in diesem Fall auch private) Glück zu finden.

„Ich bin in Münster aufgewachsen und habe nach dem Abitur das Lehramtsstudium für die Grundschule absolviert. Aus dem Referendariat wurde dann aber nichts mehr, weil sich meine private Situation um 180 Grad gewendet hatte“, erinnert sich Angela Buhne schmunzelnd: das Angebot eines kinderlosen Ehepaares zur Übernahme eines Kartoffelhofs in Warendorf. „Mein damaliger Freund und heutiger Mann hatte Landwirtschaft studiert – dieses Angebot war die Chance seines und damit auch meines Lebens.“

Unser Tag beginnt gegen vier in der Früh.

Angela Buhne

Wie sich das auf dem Land gehört, wurde erst einmal geheiratet. Statt als Referendarin Kinder zu unterrichten, ging Angela Buhne selbst wieder unter die Lernenden: In ihrer Ausbildung zur Agrar-Bürofachkraft – und als Mitbetreiberin des Kartoffelhofes – erfuhr sie alles über die Buchhaltung und Organisation eines landwirtschaftlichen Betriebs.

Nach der Geburt ihres Sohnes und ihrer Tochter stellten Buhnes fest, dass Personalgewinnung und -führung auch in der Landwirtschaft neue Qualität erfordert. Sie schrieb sich an der FOM in Münster für den Master in Wirtschaftspsychologie ein. Doch da sie im Erststudium keine BWL studiert hatte, musste sie zunächst eine Klausur bestehen. Die Auszeit zum Lernen auf Borkum zahlte sich aus. Sie schaffte es.

Auszeit auf Borkum für Vorbereitung aufs zweite Studium

Was ein berufsbegleitendes Studium für einen Menschen, der in der Landwirtschaft selbstständig ist, bedeutet, können viele nur erahnen. Angela Buhne: „Unser Tag beginnt gegen vier in der Früh. Wochenenden ohne Arbeit gibt es nicht. Die schöne Idee einer Work-Life-Balance existiert in der Landwirtschaft nicht, weil Arbeit und Privatleben hier einfach nicht zu trennen sind.“ Die Herausforderung gelang aber „ mit der fantastischen Unterstützung meiner ganzen Familie und der Dozenten“.

Was das Studium für den Hofalltag gebracht habe? „Da gibt es so vieles. Allen voran wenden wir unglaublich viel im Personalbereich an. Alles in allem achten wir viel mehr darauf, wen wir für welche Aufgaben einsetzen und wie wir Kompetenzen bei unseren Angestellten fördern können.“

Für ihre Master-Thesis beschäftigte sich Buhne konsequenterweise mit einem Thema der Landwirtschaft. „Ich habe erforscht, ob es das Burnout-Problem auch in der Landwirtschaft gibt und mit welchen Lösungsansätzen man dem entgegenwirken könnte.“ Sie interviewte zahlreiche Bauern und stellte erschüttert fest: „Die Anzahl an Burnout erkrankter Landwirte steigt stetig an und auch Suizid in Folge eines Burnouts ist keine Seltenheit mehr.“

Es macht mir unglaublich viel Spaß, mein Wissen weiterzugeben.

Buhne über ihren zusätzlichen Beruf

Damit sie ihre Leidenschaft für die Wirtschaftspsychologie weitergeben kann, hat Angela Buhne jetzt einen Lehrauftrag an der FOM in Bochum übernommen. „Ich lehre Differentielle Psychologie und es macht mir unglaublich viel Spaß, mein Wissen weiterzugeben – vor allem das, was ich mir selbst hart erarbeiten musste, wie etwa die Statistik.“

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