Kirchenstreik
Frauen wollen Veränderungen

Ahlen -

„Maria 2.0“: Die Protestbewegung der Frauen in der katholischen Kirche spricht auch die Ahlenerinnen an. Sie fordern jetzt zum Kirchenstreik auf. Und wollen das System von innen verändern.

Dienstag, 30.04.2019, 23:58 Uhr aktualisiert: 01.05.2019, 00:00 Uhr
Zahlreiche kfd-Frauen trafen sich am Montagnachmittag im Pastoralbüro, um die organisatorische Durchführung des Kirchenstreiks zu besprechen. Auch die Pfarrer Dr. Ludger Kaulig (l.) und kfd-Präses Hubert Schöning unterstützen die Aktion.
Zahlreiche kfd-Frauen trafen sich am Montagnachmittag im Pastoralbüro, um die organisatorische Durchführung des Kirchenstreiks zu besprechen. Auch die Pfarrer Dr. Ludger Kaulig (l.) und kfd-Präses Hubert Schöning unterstützen die Aktion. Foto: Ralf Steinhorst

In der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Münster wurde der Grundstein für die Protestbewegung „Maria 2.0“ gelegt. Inzwischen hat die Welle nicht nur die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) in Ahlen erreicht, sondern zieht bundesweit Kreise. Mit ei­nem Kirchenstreik vom 11. bis 18. Mai wollen katholische Christen Veränderungen in ihrer Kirche einfordern.

Schon am 12. Dezember 2018 hatte die kfd mit ihrer bundesweiten Aktion „#MachtLichtAn“ zur Erneuerung der Kirche aufgerufen. Sie will sich aber weiterhin öffentlichkeitswirksam für Frauen in allen kirchlichen Ämtern, die Entlassung von Missbrauchstätern und Vertuschern, die Aufhebung des Pflichtzölibats und eine Erneuerung der Sexualmoral in der Kirche einsetzen.

Damit die Protestwelle nicht an Schwung verliert, hat der Lesekreis der Gemeinde Heilig Kreuz in Münster die Initiative „Maria 2.0“ gegründet, die Kirchenaustritte nicht als Lösung ansieht, sondern vielmehr Reformen in der katholischen Kirche erreichen will. Gerade die Frauen wollen da Vorreiter sein, sich nicht mehr den Mund verbieten lassen, was eine Bilderserie der Münsteranerin Lisa Kötter deutlich symbolisiert. Sie hat 72 Frauengesichter gemalt, deren Mund allesamt zugeklebt sind. „Wir wollen uns das nicht länger gefallen lassen“, plädiert Barbara Portmann-Gawer für Veränderungen.

Dazu gehört auch, dass Frauen endlich auch verantwortliche Ämter bekleiden können. „Es gibt Frauen, die haben das Zeug zum Bischof“, zeigte Barbara Portmann-Gawer als Beispiel auf. Mit dem Kirchenstreik, an dem gerne auch männliche Katholiken teilnehmen dürfen, soll auch öffentlichkeitswirksam gezeigt werden, wie es aussieht, wenn Frauen in der Kirche fehlen. Denn vom 11. bis 18. Mai sind sie aufgerufen, die Kirchen nicht zu betreten, allerdings sollen nicht-ehrenamtliche Kräfte und die Gottesdienste zur Erstkommunion, Beerdigungen oder Hochzeiten davon ausgenommen sein. Ob die Bewegung Erfolg haben kann? „An den Fall der Mauer hat auch niemand geglaubt“, gibt sich Maria Dückinghaus kämpferisch.

Gleichwohl sehen die Initiatoren den Protest nicht als Verpflichtung für alle, vielmehr als gute Gelegenheit zu zeigen, dass die Männerdomäne Kirche einer Reform bedarf. Deshalb wird es am Samstag, 11. Mai, ab 10 Uhr einen Infostand auf dem Marienplatz geben, wo auch eine Petition an Papst Franziskus unterschrieben werden kann. Zusätzlich wird nach den Gottesdiensten am Wochenende des 4. und 5. Mai mit Flyern zum Kirchenstreik aufgerufen. Auch Pfarrer Dr. Ludger Kaulig und kfd-Präses Hubert Schöning unterstützen den Protest. „Es ist eine richtige Aktion“, macht Schöning den Frauen Mut.

 

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