Heimat als Streitobjekt
„Wir müssen keine Konkurrenten sein“

Münster -

Der Westfälische Heimatbund will seine Arbeit besser mit dem NRW-Heimatministerium koordinieren. Dessen Hausherrin Ina Scharrenbach geht aber anscheinend lieber eigene Wege.

Montag, 06.05.2019, 08:00 Uhr
Unter intensiver Zusammenarbeit verstehen NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach und der Vorsitzende des Westfälischen Heimatbundes, Matthias Löb, augenscheinlich ganz unterschiedliche Dinge.
Unter intensiver Zusammenarbeit verstehen NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach und der Vorsitzende des Westfälischen Heimatbundes, Matthias Löb, augenscheinlich ganz unterschiedliche Dinge. Foto: Gunnar A. Pier/Montage: Lisa Stetzkamp

Zwischen der Spitze des Westfälischen Heimatbundes und dem NRW-Heimatministerium knirscht es. Grund: Der Heimatbund – Dachverband von 560 Heimatvereinen mit immerhin 130.000 Mitgliedern sowie 700 ehrenamtlichen Kreis-, Stadt- und Ortsheimatpflegern – fühlt sich von der Ministerin Ina Scharrenbach (CDU) ausgebootet. „Wir ar­beiten auf dem gleichen Feld und das nicht gegeneinander“, sagt der Vorsitzende des Westfälischen Heimatbundes (WHB), der Chef des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Matthias Löb. „Da könnten wir auch mehr zusammenarbeiten.“

Dass Löb das Heimat-Engagement der CDU/FDP-Landesregierung grundsätzlich lobt, liegt auf der Hand. Es sei „klasse, dass das Thema auf der Landesebene angekommen ist“, sagt er. Und dass Schwarz-Gelb bis zum Ende der Legislaturperiode 150 Millionen Euro für die Heimatförderung zur Verfügung stellt, sei „unglaublich“. Beim „Wie“ aber wird der Chef des WHB schmallippig.

Koordiniertes Vorgehen erforderlich

Löb und die Geschäftsführerin des Heimatbundes, Silke Eilers, vermissen ein „abgestimmtes Vorgehen“, eine „intensivere Kommunikati­on“ und die „dauerhafte Förderung von Projekten mit Langzeitwirkung“. Deutlich wird: Mit dem Heimatministerium ist 2017 ein neuer Player auf den Markt gekommen, der sein eigenes Ding macht.

Der WHB sieht sich als politisches Sprachrohr seiner Mitglieder und als deren Service-Dienstleister. Heimatvereine hätten einen Gestaltungsauftrag. „Wir wollen die Menschen dabei unterstützen, diesen Auftrag mit Leben zu füllen“, sagt der Vorsitzende. Folglich müsse „vom Ehrenamtler aus gedacht werden“. Die zentrale Frage sei doch: „Was hilft den Menschen vor Ort?“ Und da sei ein strukturiertes und vor allem koordiniertes Vorgehen hilfreich.

Das Ministerium geht hingegen eigene Wege und setzt auf eigene Strukturen. Heimatvereine können seit August 2018 sogenannte Heimat-Schecks in Höhe von jeweils 2000 Euro für ihre Ar­beit beantragen. 550 bewilligte Anträge hat die Ministerin in ihrem im Februar veröffentlichen Bericht zum Thema Heimatförderung dokumentiert.

Einen Nerv getroffen

Inhaltlich reicht die Palette von der „Anschaffung ei­nes Faltpavillons für Heimat- und Brauchtumsveranstaltungen“ bis zur „Installation von Hard- und Software zur Digitalisierung der Bestände des Dorfarchivs“. Das Ministerium wertet die Resonanz als Erfolg. Täglich kämen positive Rückmeldungen. Sie „zeigen, dass die Landesregierung einen Nerv getroffen hat. Und sie zeigen, dass es richtig war, mit der Heimatpolitik das zu fördern, was den gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort stärkt“. Das sieht der WHB sicherlich auch so. Er wäre nur gerne beteiligt worden.

Doch irgendwie kommen der Heimatbund in Münster und das Ministerium in Düsseldorf nicht zusammen. „Wir müssen keine Konkurrenten sein“, sagt Löb. Genau danach sieht es derzeit aber aus.

So macht Düsseldorf nicht nur bei der Vergabe der Fördermittel sein eigenes Ding. Es schafft auch neue Strukturen. Mit einem neuen Heimatpreis, der neben den etablierten des Heimatbundes tritt. Und einer neuen Heimatakademie, die parallel zu den Seminar- und Bildungsangeboten des WHB antritt. Kooperation geht irgendwie anders.

Wertschätzung für das Ehrenamt

Scharrenbach selbst bezeichnet die Zusammenar­beit mit dem Westfälischen Heimatbund als gut. Potenziale, die Kooperation zu intensivieren, sieht sie offenbar nicht. „Ganz wichtig ist mir die Wertschätzung, die die Ehrenamtlichen erfahren sollten“, erklärte sie auf Nachfrage. Sie brächten das kostbare Gut Zeit ein, um in ihrem Lebensumfeld Verbesserungen umzusetzen. „Das sollte die Richtschnur des Handelns sein. Ich bin ständig im Land unterwegs, um Verbesserungsvorschläge auf- und umzusetzen. Das gilt für alle Anregungen.“

Noch hat Löb die Hoffnung nicht aufgegeben, mit dem Ministerium einen Modus Vivendi zu finden, der kooperativ und nicht konfrontativ ist. Schließlich sei dem Westfälischen Heimatbund die Heimat schon seit über 100 Jahren eine Herzensangelegenheit.

Heimatkongress in Münster

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