Berufungsprozess vorm Landgericht
Anklage lautet auf Vergewaltigung

Münster/Epe -

Für das Amtsgericht Ahaus war der Fall bereits klar: Im März 2018 verurteilte dort ein Richter einen heute 46-jährigen Eperaner wegen Vergewaltigung zu zwei Jahren und vier Monaten Haft. Nun wird der Fall als Berufungssache vorm Landgericht in Münster aufgerollt.

Mittwoch, 08.05.2019, 18:38 Uhr aktualisiert: 08.05.2019, 18:42 Uhr
Das Landgericht Münster 
Das Landgericht Münster  Foto: Klaus Möller

Für das Amtsgericht Ahaus war der Fall bereits klar: Im März 2018 verurteilte dort ein Richter einen heute 46-jährigen Eperaner wegen Vergewaltigung zu zwei Jahren und vier Monaten Haft. Nun wird der Fall als Berufungssache vorm Landgericht in Münster aufgerollt. Schwerpunkte des ersten Verhandlungstags waren die Zeugenaussagen des mutmaßlichen Opfers und des Ehemanns der Frau sowie der „Antrag auf Vernehmung eines sachverständigen, präsenten Zeugen“ (nach Paragraf 245 Strafprozessordnung) durch die Verteidigung.

Aus Sicht der Zeugin, einer heute 41-jährigen Frau aus Gronau, haben sich die Ereignisse im Februar 2017 so zugetragen: Sie war mit Freunden in einer Gaststätte und traf dort zufällig einen Bekannten aus ihrer Clique. In der Nacht machten sich die beiden gemeinsam auf den Heimweg. Als der Bekannte hätte abbiegen müssen, habe er aber darauf bestanden, sie nach Hause zu begleiten. Sie habe unwillig zugestimmt. Zuhause angelangt habe sie schnell die Tür aufgeschlossen und sei direkt auf die Toilette gegangen. Plötzlich habe der Bekannte den Raum betreten und sei derart übergriffig geworden, dass der Tatbestand einer Vergewaltigung erfüllt gewesen sei.

Nur zögerlich und mit einigen Tagen Abstand habe sie sich zunächst einer guten Freundin und dann ihrem Mann anvertraut, der zum Zeitpunkt der Tat im Skiurlaub war. Dieser habe den gemeinsamen Bekannten zur Rede gestellt. Der habe im Wesentlichen alles abgestritten beziehungsweise behauptet, sich an nichts erinnern zu können. Was folgte, sei ein Spießroutenlauf gewesen. Die Mitglieder der gemeinsamen Clique hätten sich „weggedreht“, teilweise sei ihr vorgeworfen worden, sie sei eine Ehebrecherin und habe die Ehe des Angeklagten zerstört. Diverse Male habe sie die peinliche Geschichte erzählen müssen, bei der Polizei, bei Krankenkassen und Versicherungen, in der Familie und beim Arbeitgeber. Sie habe ambulanter und stationärer psychischer Betreuung bedurft, um die Tat zu verarbeiten.

Ihr Mann formulierte es so: „Meine Frau war immer ein fröhlicher Mensch, hat immer gestrahlt. Doch danach war das Strahlen erloschen.“ Auch er sei total überfordert gewesen, als seine Frau ihm von der Tat berichtet habe. Schließlich entschloss sich das Paar sogar, das Haus zu verkaufen und wegzuziehen. Die Gästetoilette, wo sich die Vergewaltigung ereignet habe, habe die Frau weitestgehend gemieden. Außerdem sei es schwer ertragbar gewesen, dass der Angeklagte regelmäßig in der unmittelbaren Nachbarschaft verkehrt habe.

Der Angeklagte wollte sich am Mittwoch nicht zur Sache äußern, einer seiner Verteidiger kündigte dies aber für den zweiten Verhandlungstag an. Der Anwalt trug eine Stunde lang einen Antrag vor. Darin ging es um das Gutachten einer Diplom-Psychologin als sachverständige Zeugin. Diese hatte im Auftrag des Anwalts sämtliche Aussagen des mutmaßlichen Opfers analysiert und war zu dem Schluss gekommen, es sei nicht nachweisbar, dass diese Aussagen erlebnisbasiert seien. Auch gebe es Widersprüche und Ungereimtheiten, die Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussagen begründen würden. Der Anwalt betonte, dass die Gutachterin keine Sachverständige der Verteidigung sei, sondern ein „präsentes Beweismittel“.

Der Vorsitzende Richter ordnete an, die Sachverständige zuzulassen. Der Staatsanwalt nannte diesen Teil der Beweisaufnahme „spannend“. Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt.

Nachrichten-Ticker