Gericht ordnet Unterbringung in Psychiatrie an
Brutale „Ausraster“ eines 31-Jährigen

Münster/Lengerich -

Als eine Gefahr für die Allgemeinheit hat eine Gutachterin einen 31-jährigen Mann bezeichnet, der an einer paranoiden Schizophrenie erkrankt ist. Mehrfach hat er Straftaten begangen – die schwerwiegendste in Lengerich – , mit denen sich nun das Landgericht Münster befasste. Das entschied, den Angeklagten in die Psychiatrie einzuweisen.

Freitag, 10.05.2019, 12:42 Uhr aktualisiert: 10.05.2019, 12:50 Uhr
 
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Um den Fall eines 31-jährigen Mannes, der an einer paranoiden Schizophrenie erkrankt ist, ging es am Mittwoch vor der Achten Große Strafkammer am Landgericht in Münster. Mehrfach kam es in der Vergangenheit bei dem Emsdettener zu „Ausrastern“. Nun wurde die endgültige Unterbringung des Beschuldigten in eine Psychiatrie angeordnet.

Er stelle für die Allgemeinheit eine deutliche Gefahr dar, gleich gelagerte Straftaten könnten sich jederzeit wiederholen, konstatierte ein Gutachter während des Prozesses. Dieser Einschätzung folgten Gericht und Staatsanwaltschaft. Auch der Verteidiger erkannte das Gefahrenpotenzial, das von seinem Mandanten offenbar ausgeht.

Die Straftaten erstreckten sich von Zechbetrug über Drohungen, Verbrechen zu begehen, bis hin zu einer Serie massiver körperlicher Übergriffe. Tatorte waren Lengerich, Emsdetten, Rheine und Münster.

Fußtritt in den Rücken

Die schwerwiegendste Attacke ereignete sich im Juli 2018. Im Wartebereich des Krankenhauses in Lengerich schlug der 31-Jährige einem Patienten grundlos und völlig überraschend mit einer Gehstütze zweimal ins Gesicht. Dabei erlitt das 26-jährige Opfer eine Fraktur des Nasenbeins und eine Platzwunde an der Unterlippe. Einem hinzueilenden Krankenpfleger versetzte der Beschuldigte mit der Gehstütze einen Hieb gegen den Kiefer. Dabei brachen Zähne ab, weitere wurden nach oben verschoben.

Ein Ereignis, das anscheinend auch psychische Spuren hinterließ. „Mir könnten heute noch die Tränen kommen“, sagte der 54-jährige Krankenpfleger aus. Immer noch leide er unter den Folgen der Tat.

Im Januar dieses Jahres schlug der 31-Jährige in einem Krakenhaus in Rheine erneut zu. Unter Alkoholeinwirkung und grundlos sprang er einem ahnungslosen 36-Jährigen von hinten mit einem Fußtritt in den Rücken. Einen Beamten bedrohte er unter anderem mit den Worten: „Heute Nacht stirbst du.“

Mit der Faust auf die Anklagebank geschlagen

Bei seinen Eltern in Emsdetten kam es zudem zu körperlichen Übergriffen auf Familienangehörige. Seine Mutter schloss er ein und drohte ihr, sie umzubringen. Auch in einer Unterkunft in Münster hinterließ er seine Visitenkarte. Mit einer Eisenstange schlug er einem Mitbewohner ins Gesicht und gegen den Oberkörper.

Im Prozess machte der Beschuldigte keine Angaben zur Sache und zu seiner Person. Offenbar war er dazu auch nicht in der Lage. Auffällig waren seine Verhaltens- und Bewegungsanomalien. Zeugen bedrohte und beleidigte der 31-Jährige mit Ausdrücken tief unter der Gürtellinie. Wie gefährlich der Beschuldigte werden kann, bekamen die Prozessbeteiligten hautnah mit. Ohne offenkundigen Anlass schlug er plötzlich mehrfach und massiv mit der Faust auf die Anklagebank und schrie den Vorsitzenden Richter mit den Worten „Halt die Fresse, du“ an. Weil er sich auch nach einer Unterbrechung nicht beruhigen konnte, wurde er von der weiteren Verhandlung ausgeschlossen.

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