Computerbetrug
Nachbar räumt das Konto leer

Ladbergen/Ibbenbüren -

Erst hat sich der 51-Jährige das Vertrauen seiner älteren Nachbarin durch kleine Dienste erworben, dann hat er sich am Konto der Frau bedient. Vor dem Amtsgericht Ibbenbüren gab es jetzt die Quittung für diese als Computerbetrug bewerteten Delikte.

Donnerstag, 23.05.2019, 06:30 Uhr aktualisiert: 23.05.2019, 18:04 Uhr
 Das Amtsgericht Ibbenbüren
 Das Amtsgericht Ibbenbüren Foto: Wilhelm Schmitte

Die Anklage im nüchternen Amtsdeutsch lautete auf Computerbetrug. Der Sachverhalt stellte sich aber als menschliche Enttäuschung mit enormen emotionalen Schaden heraus. So beschrieb es der Vorsitzende Richter des Amtsgerichts Ibbenbüren in seiner Urteilsbegründung.

Der 51-jährige Angeklagte hatte sich im Lauf des Jahres 2017 das Vertrauen seiner älteren, gebrechlichen Wohnungsnachbarin erschlichen, wie es das Gericht ausdrückte. Waren es zunächst kleine Hilfestellungen, die der angeklagte Maler und Lackierer leistete, fasste die Geschädigte immer mehr Vertrauen zu ihm. Im Sommer des Jahres überließ sie ihm dann EC Karte und PIN Nummer, damit er Einkäufe für sie tätigen konnte.

Damals begann der Mann damit, zunächst kleinere Beträge von Konto der Frau für eigene Zwecke abzuzweigen. Diese Beträge steigerten sich in den folgenden Monaten immer mehr, bis ein Schaden von 10 405 Euro entstanden war.

Auf die Nachfrage des Richters wofür er das Geld benötigt hätte, antwortete der Angeklagte zunächst, damit hätte er seinen Drogenkonsum finanziert. Auf weitere Nachfragen und nachdem ihm der Richter vorgerechnet hatte, dass sein Drogenkonsum ihn höchstens 300 Euro im Monat gekostet haben dürfte, räumte der Angeklagte ein, das Geld für seinen Lebensunterhalt genommen zu haben.

Zum Schluss musste er eingestehen, dass neben hohen Schulden (100 000 Euro) und einer offensichtlich kostspieligen Freundin, das Geld auch für andere Vergnügen verbraucht wurde. Oder, wie er reumütig in bayrischer Mundart zugab: „Ich hab´s verhurt“.

Nach langer Beratung verurteilte das Schöffengericht den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren wegen gewerbsmäßigem Computerbetrugs. Das vollumfängliche Geständnis und die Einlassungen des Angeklagten bei der Verhandlung wertete das Gericht – neben einer günstigen Sozialprognose – als gewichtig genug, die verhängte Strafe auf Bewährung über einen Zeitraum von vier Jahren auszusetzen.

Der Richter machte aber sehr deutlich, dass der kleinste Verstoß gegen die sehr strengen Bewährungsauflagen einen sofortigen Vollzug des Urteils zur Folge haben werde. Neben den Bewährungsauflagen verurteilte das Gericht den Beschuldigten zu 300 Sozialstunden und – sollte er je dazu in der Lage sein – den der Wohnungsnachbarin entstandenen Schaden von 10 405 Euro ersetzen.

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