Versuchsfeld fürs Fleckenpflaster
Probe-Putzen auf dem Mini-Markt

Ahlen -

Fiese Flecken auf frischem Pflaster! Die Stadt Ahlen reagiert und experimentiert. Deshalb gibt‘s den Marktplatz jetzt auch im Miniformat. Auf einem Versuchsfeld wird vorsätzlich verschmutzt und gründlich gereinigt. So weit die Theorie. Die Praxis ist allerdings noch eine andere.

Dienstag, 28.05.2019, 20:00 Uhr
Ihr Versuchsfeld: Matthias Krätzig und Robert Reminghorst simulieren Marktplatz-Verschmutzungen auf einem Versuchsfeld auf dem Gelände des Baubetriebshofs.
Ihr Versuchsfeld: Matthias Krätzig und Robert Reminghorst simulieren Marktplatz-Verschmutzungen auf einem Versuchsfeld auf dem Gelände des Baubetriebshofs. Foto: Ulrich Gösmann

Schmier- und Pressfett, Diesel, Benzin und Altöl – all das hat der Portugiesische Granit in Ahlens frisch gepflasterter Stube seit dem „Ahlener Advent“ schon schlucken müssen. Gleiches landet jetzt auch auf der Versuchsfläche im Hinterhof des Baubetriebshofes. „Wir simulieren unterschiedliche Verschmutzungen“, sagt Robert Reminghorst, stellvertretender Leiter der Ahlener Umweltbetriebe. Die wollen es nun selbst wissen – und nicht wohlklingendem Jahrmarktgeschrei erliegen, denn: „Es gibt Unmengen an Herstellern, die ihr Mittelchen verkaufen wollen“, hat Reminghorst erfahren dürfen. Jedes sei das Beste.

Das Original nicht verhunzen

Ahlens Fleckenforscher haben sich nach Vorabstudie für drei Produkte entschieden. Und für Wasser aus dem Hochdruckreiniger. „Es klappt mal besser und mal schlechter“, sagt Robert Reminghorst. Größtes Pro­blem: „Verunreinigungen auf Ölbasis gehen nicht so gut weg. Man sieht immer noch Rückstände.“ Dagegen habe sich Mayonnaise gut lösen lassen. Allerdings mit Nebenwirkungen: Der Stein blühte gelb aus. „Darum machen wir die Versuche auch nicht auf dem großen Marktplatz.“ Vorsicht, betont der Koordinator, sei geboten, um das Original nicht zu verhunzen.

Verunreinigungen auf Ölbasis gehen nicht so gut weg. Man sieht immer noch Rückstände.

Robert Reminghorst

Auch das haben die ersten Versuche gezeigt: „Was super reagiert hat, sitzt auf dem Marktplatz fest, weil es eingezogen ist“, lässt Reminghorst wissen. Mit dem Hochdruckreiniger, der an der kleinen Straßenkehrmaschine installiert ist, sei es zwar gelungen, den Versuchsstein blank zu bekommen. In dieser Woche auf dem Marktplatz getestet, blieben allerdings dunkle Flecken zurück. Die abgesprühten Steine heben sich jetzt hell ab.

Marktplatz Ahlen

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Was machen andere Städte? Matthias Krätzig, Einsatzleiter Straßenreinigung, weiß von Köln: Die Domplatte habe ein ähnliches Problem. „Hier gibt es ein Verbot für Fahrzeuge, die Öl und Fette verlieren können.“

Warum die Stadt nicht auf dunklere Steine setzt

Dass die neue Weststraße auf den ersten Blick sauberer rüber kommt, macht Robert Reminghorst am Stein fest. Dort Beton, hier Natur. Der Granit bringe mitunter schon natürliche Flecken aus Portugal mit. Natürlich hätte es den auch dunkler geben können. Allerdings gegen einen deutlichen Aufschlag. Die fremdverschuldeten Fleckenerscheinungen hätte aber auch der nicht weggeblendet. Dunklere Steine seien in dem Dreier-Mix doch schon mit verbaut. In den Ablaufrinnen etwa. Und siehe da: auch dort sichtbare Flecken. Dass das hellen Platzpflaster dominieren, sei bewusst so gewählt worden: „Der Marktplatz sollte heller und freundlicher erscheinen.“ Dunkle Steine heizten im Sommer stärker auf.

Wir sind dran. Kein Grund zur Panik.

Robert Reminghorst

Fazit: „Wir sind dran. Kein Grund zur Panik“, beruhigt Robert Reminghorst. Die Suche nach dem richtigen Mittel laufe. Und auch die nach dem Reinigungsverfahren. Gegebenenfalls mit einer Maschine, die in anderen Bereichen eingesetzt werden könnte. Denn: „Jede Woche drei Stunden mit zwei Leuten schrubben, das kann nicht das Ziel sein.“ Die einst diskutierte Alternative, das alte Marktpflaster glatt zuzufräsen und neu zu verlegen, wäre nicht die bessere Lösung gewesen. „Wir hätten das gleiche Problem in Grün gehabt“, sagt Robert Reminghorst. In fünf Jahren sei hier alles nachgedunkelt. Insofern bringe selbst eine Versiegelung nichts. Ganz im Gegenteil: Dann sehe man dem Pflaster genau an, wo gefahren und gelaufen werde – und wo nicht.

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