Brennelementekugeln aus Jülich
Zwischenlagersuche - eine unendliche Geschichte

Ahaus/Jülich -

Jülich will sie los werden. Ahaus will sie nicht haben. Die Suche nach einem Zwischenlager für die ausgedienten Brennelementekugeln des einstigen Forschungsreaktors Jülich scheint zu einer unendlichen Geschichte zu werden. 

Montag, 03.06.2019, 11:00 Uhr
Brennelementekugeln aus Jülich: Zwischenlagersuche - eine unendliche Geschichte
Im Forschungs-Zentrum Jülich lagern Castorbehälter. Foto: dpa (Archiv)

Von den drei Optionen, den in 152 Castorbehältern eingeschlossenen Atommüll im Forschungszentrum Jülich (FZJ) erdbebensicher zu lagern, ins Brennelemente-Zwischenlager Ahaus zu transportieren oder in die USA zu bringen, rückt die erste als naheliegendste in weite Ferne: Das eigentlich für den Bau eines erdbebensicheren Zwischenlagers vor Ort reservierte Grundstück will das Forschungszentrum nun zur Expansion nutzen, wie NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) in einer noch unveröffentlichten Antwort auf eine Anfrage der Grünen bestätigt hat. Diese veränderten Rahmenbedingungen hätten die Gesellschafter – 90 Prozent hält der Bund, zehn Prozent das Land - „zur Kenntnis genommen“.

Die vom FZJ und die eigens für die Abwicklung des stillgelegten Forschungsreaktors gegründete Entsorgungsgesellschaft JEN nähmen das in die Prüfung eines möglichen Standorts mit auf. 

Standortprüfung dauert Jahre

Bisher steht dieser Prozess eigentlich unter Zeitdruck, seit das Wirtschaftsministerium 2014 auf den fehlende Nachweis der Erdbebensicherheit die Räumung des aktuell genutzten Zwischenlagers angeordnet hat. Allerdings hat das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit nach JEN-Angaben inzwischen neue Berechnungen zur Erdbebensicherheit akzeptiert. Jetzt werde beantragt, das Zwischenlager vor Ort weiter zu führen.

Der Standortsuche für ein Zwischenlager am FZJ würde das helfen: Pinkwart zufolge wird für jedes mögliche Areal eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung und eine Artenschutzprüfung erforderlich. Das werde einige Jahre beanspruchen. Insgesamt kann ein Neubau gut zehn Jahre dauern.

Grüne: Transport nach Ahaus „immer wahrscheinlicher“

Die Grünen-Umweltexpertin Wibke Brems kritisiert, die Landesregierung nutze ihren Einfluss nicht, um den Neubau eines Zwischenlagers in Jülich zu realisieren. „Die Landesregierung nimmt sehenden Auges ein Sicherheitsrisiko am Forschungszentrum Jülich in Kauf.“

Weil sich in der Sache nichts bewege, „wird es immer wahrscheinlicher, dass der eingelagerte Atommüll aufwendig nach Ahaus transportiert werden muss – gegen de Willen der Stadt und der Menschen vor Ort“, warnt Brems. Offiziell liegen weiter alle drei Optionen auf dem Tisch. Dass tatsächlich 152 Sattelschlepper die Castorbehälter mit Atomkugeln aus Jülich nach Ahaus transportieren, bleibt theoretisch möglich. Ob es realistisch ist, muss noch geprüft werden...

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