Traktorfreunde Nienborg
Wenn der Trecker Eier kochen kann

Nienborg -

Wenn Theo Alte-Epping und seine Vereinskameraden zur Tour aufbrechen, wird es laut in Nienborg. 17 historische Traktoren waren dabei, als sich die Traktorfreunde Nienborg am Wochenende zu ihrer Zweitages-Tour auf den Weg machten. Geräuschkulisse inklusive.

Montag, 03.06.2019, 18:38 Uhr aktualisiert: 06.06.2019, 19:08 Uhr
Das Ölkännchen gehört auch für Hermann Haget zur Grundausstattung. Vor dem Start kontrolliert der Nienborger noch einmal seinen Allgaier, Baujahr 1951.
Das Ölkännchen gehört auch für Hermann Haget zur Grundausstattung. Vor dem Start kontrolliert der Nienborger noch einmal seinen Allgaier, Baujahr 1951. Foto: Falko Bastos

„Wir sind eine kleine Gruppe, die sich für Trecker und Landmaschinen interessiert“, sagt Alte-Epping. Regelmäßig trifft sich der Verein zum Stammtisch und zweimal im Jahr zur Tour. Mindestens 30 Jahre alt müssen die Traktoren sein, um mitfahren zu können. Einige Modelle sind schon deutlich älter.

Der Allgaier von Hermann Haget stammt aus dem Jahr 1951 – und verlangt seinem Fahrer einiges ab. „Der hat einen Verdampfermotor und keinen Anlasser. In dem Verdampfer kann man Eier kochen.“ Zum Start muss Haget kräftig kurbeln. Wie die anderen steckt Haget viel Zeit in sein Hobby. Und wie die anderen schätzt er an den alten Maschinen, dass der Schrauber hier noch selbst anpacken kann. „Da braucht man keinen Laptop für.“

Über 117 Kilometer geht die Tour, erstmals über die Grenze hinaus. Planung und Organisation der Tour gehen im Verein reihum. Diesmal ging es in der Kolonne zunächst über Ahaus nach Lünten. Besichtigungen in einer Stahlfirma und einem Milchbetrieb standen auf dem Programm. Anschließend fuhr der Traktor-Tross über Wennewick über die Grenze, um im Nachbarland durch schöne Alleen zu tuckern. Nach einer Übernachtung in Zwillbrock ging es nach Winterswijk-Meddo und zum Flugplatz Wenningfeld, bevor die Gruppe über Ottenstein, Wessum und Ahle wieder in die Heimat zurückkehrte.

Trotz des fortgeschrittenen Alters der Fahrzeuge gab es noch keine Ausfälle. „Wir haben aber immer eine Abschleppstange dabei“, sagt Bernhard Roters. Auch der Sprit geht ihnen so schnell nicht aus. „Die brauchen ganz wenig, ein bis zwei Liter die Stunde“, so Alte-Epping. „Meiner braucht mehr Wasser als Diesel“, sagt Hermann Haget. So muss schon mal am Bach Wasser nachgefüllt werden.

Theo Alte-Epping ging mit seinem Fendt von 1964 auf Jungfernfahrt. Den hatte er defekt gekauft und drei Monate daran rumgeschraubt, um ihn wieder flottzumachen. „Ununterbrochen.“ Dabei gehe es immer nur darum, den Original-Zustand herzustellen. „Viele legen Wert auf Originalität, technisch und optisch“, sagt er. Ganz günstig sei das Projekt aber nicht gewesen. „Die Zeiten, dass irgendwelche Schätze in den Scheunen schlummern und günstig zu haben sind, sind vorbei.“ Denn längst gibt es eine Sammlergemeinde, die es auf einzelne Modelle abgesehen hat. „Der Fendt ist jetzt in Euro so viel Wert, wie damals neu in D-Mark.“

Woher kommt die Faszination für die alten Landmaschinen? „Das weckt Kindheitserinnerungen“, sagt Theo Alte-Epping. „Die meisten der Traktoren sind ja ungefähr unser Baujahr. Als kleine Jungs vom Hof waren wir begeistert, wenn neue Modelle rauskamen.“ Lange Zeit habe er das Thema gar nicht mehr weiterverfolgt. Erst in den 80ern sei dann das Interesse an den Treckermodellen seiner Jugend wieder aufgeflammt. „Da waren die noch nicht so teuer, da habe ich einiges an Land gezogen.“

Wie viele Traktoren er inzwischen besitzt, will er nicht verraten. „Auf jeden Fall mehr als einen.“ Denn: „Wenn man einmal vom Virus befallen ist, neigt man zu mehr.“

Vom Virus befallen ist auch Sophia Haget. Ihr Vater Hermann legte ihr die Traktor-Begeisterung in die Wiege. „Seit ich sitzen konnte, bin ich mitgefahren“, sagt die 17-Jährige. Inzwischen fährt sie selbst und zwar auf dem größten Traktor der Kolonne. Sechs Zylinder, 85 PS. Als junge Frau weiß sie sich in der Männerdomäne zu behaupten. Beim „Trecker Treck“ in Alstätte trat sie als einzige Frau gegen 82 Männer an und belegte Platz drei.

Und auch der Jüngste steht schon in den Startlöchern. Der dreijährige Lasse darf auch mal auf Sophia Hagets Traktor klettern – und ist schwer begeistert von dem lärmenden Ungetüm. Der Virus geht weiter um in Nienborg.

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