Vielversprechender Wirkstoff
Impfstoffkandidat gegen Schweinepest entwickelt

Münster -

Spanische Forscher haben einen Impfstoff gegen die Afrikanische Schweinepest entwickelt. In Versuchen immunisierte dieser 92 Prozent der untersuchten Wildschweine gegen das Virus. Noch gibt es allerdings Hürden bis zur Marktzulassung.

Dienstag, 04.06.2019, 16:00 Uhr
Ein Wildschwein auf der Suche nach Futter.
Ein Wildschwein auf der Suche nach Futter. Foto: dpa

Hoffnung im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP): Ein spanisches Forscherteam hat nun einen Impfstoff­kandidaten vorgestellt, der bei Versuchen bis zu 92 Prozent der untersuchten Wildschweine gegen das Virus immunisierte. Bei dem Prototyp handelt es sich um ein Mittel, das oral über Köder oder durch Futter verabreicht wird.

Wissenschaftler am ­VISAVET-Zentrum der Universität Complutense in Madrid haben darüber hinaus nachgewiesen, dass auch nicht geimpfte Tiere, die engen Kontakt zu den ­geimpften Artgenossen hatten, immunisiert werden. Dadurch könnten mit geringem Aufwand ganze Populationen geschützt werden. Für den Impfstoff haben die Forscher das Virus einem ­erlegten Tier im Baltikum entnommen und es abgeschwächt.

Weitere Tests stehen noch aus

Eine Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) warnt jedoch davor, von einem Durchbruch im Kampf gegen die ASP zu sprechen. Zwar handle es sich um einen vielversprechenden Wirkstoffkandidaten, ein kurzfristiger Einsatz komme aber nicht infrage. „Es fehlen noch genaue Daten zur Schutzwirkung und Verträglichkeit.“ Daher gelte es zunächst, durch weitere fundierte Tests und Beobachtungen unter anderem chronische Krankheitsverläufe bei den geimpften Tieren auszuschließen.

Afrikanische Schweinepest auf dem Vormarsch

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  • Die Gefahr einer Einschleppung der Afrikanischen Schweinpest (ASP) nach Deutschland ist angesichts neuer Fälle in Polen und Tschechien weiterhin hoch.

    Foto: Carsten Rehder, dpa
  • Die Seuche ist über Georgien und Russland in die EU eingeschleppt worden, inzwischen wurde sie in sechs Mitgliedstaaten nachgewiesen. 

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  • Das Risiko der Einschleppung durch den direkten Kontakt zwischen infizierten Wildschweinen schätzen Fachleute als mäßig ein. Besondere Gefahr geht hingegen vom Menschen aus. So könnte die Seuche sehr schnell durch kontaminierte Essensreste, die an Raststellen entsorgt werden, nach Deutschland eingetragen werden. 

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  • Da reicht beispielsweise schon ein achtlos weggeworfener Rest von Wildschweinsalami aus betroffenen osteuropäischen Beständen, der dann von einem hiesigen Wildschwein gefressen wird. 

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  • Der Erreger ist für den Menschen ungefährlich. Laut Landestierärztekammer Mecklenburg-Vorpommer birgt selbst der Verzehr von infiziertem Schweinefleisch kein gesundheitliches Risiko.

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  •  Bei Schweinen verläuft die Erkrankung hingegen in fast allen Fällen tödlich.

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  • Es gibt keinen Impfstoff gegen die Seuche. Eine Einschleppung in Zuchtbetriebe könnte deshalb zu großen wirtschaftlichen Schäden führen.

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  • Seit mehreren Monaten bereiten sich Bund und Länder auf den „worst case“ eines möglichen Ausbruchs der Seuche in Deutschland vor.

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  • Die Jagd auf Schwarzkittel wurde intensiviert, so auch entlang der A2 bei Bielefeld. Die Autobahn gilt als Hauptverkehrsachse von Osteuropa über Berlin nach Nordrhein-Westfalen.

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  • Ist ein Tier nachweislich an der ASP erkrankt oder gestorben, greifen mehrere Maßnahmen (hier das Bild einer Übung). Um den Standort des Betriebes, dessen Bestand komplett getötet werden muss, wird ein Sperrbezirk eingerichtet, in dem ein Verbot der Freilandhaltung von Hausschweinen gilt.

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  • Außerdem dürfen Gras, Heu und Stroh aus dem gefährdeten Gebiet nicht in Hausschweinbestände geliefert werden – und das alles für sechs Monate. Zudem gelten für das erweiterte Umfeld des Sperrbezirks strenge Handels- und Transportverbote.

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  • Während in der Kernzone unmittelbar um den Fundort der Schwerpunkt der Bekämpfung auf dem Absammeln von Kadavern liege, würden vor allem in der äußeren Pufferzone Wildschweine intensiv bejagt.

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  • Die Forscher gehen davon aus, dass eine massive Reduktion der Wildschweinpopulation um mehr als 70 Prozent erforderlich ist, um eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. 

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  • Dennoch ist es bislang keinem von ASP betroffenen Land gelungen, die Seuche auszumerzen.

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Zähe Zulassungsverfahren

Bisher stelle sich das Virus als äußerst widerstandsfähig heraus. „Es verhält sich wie ein Kampfschiff, das uns immer wieder vor hohe Herausforderungen stellt“, sagt die Sprecherin des Forschungsinstituts. Zudem könne sich – nachdem entsprechende Daten vorlägen – ein Zulassungsverfahren über mehrere Jahre hin­ziehen. „Und dann gilt es, noch eine weitere wichtige Frage zu beantworten: Ist es möglich, den Impfstoff in der benötigten Menge zu akzeptablen Preisen herzustellen?“

Während sich das Virus derzeit in großen Teilen Asiens, in Südbelgien und im Osten Polens immer rasanter ausbreitet, sind die Hürden für einen effektiven Kampf gegen die ASP damit weiterhin hoch.

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