Down-Syndrom
„Wir möchten darüber reden“

Nottuln -

Der Lokale Teilhabekreis hat sich in seinem Kampf gegen den pränatalen Bluttest auf Trisomie als Regelleistung der Krankenkassen an den Gemeinderat gewandt. Der soll an den Bundestag appellieren.

Dienstag, 04.06.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 04.06.2019, 18:42 Uhr
Eine Medizinisch-technische Assistentin mit der Blutprobe einer schwangeren Frau. Es gibt Tests, die anhand einer Blutprobe der Mutter die Trisomien 21, 18 und 13 beim ungeborenen Kind ausschließen oder bestätigen können.
Eine Medizinisch-technische Assistentin mit der Blutprobe einer schwangeren Frau. Es gibt Tests, die anhand einer Blutprobe der Mutter die Trisomien 21, 18 und 13 beim ungeborenen Kind ausschließen oder bestätigen können. Foto: Patrick Seeger/dpa

Der Lokale Teilhabekreis Nottuln kämpft dagegen, dass ein pränataler Bluttest auf Trisomie 21 (Down-Syndrom) in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen und als Regelleistung der Krankenkassen bezahlt wird ( wir berichteten ). Nach verschiedenen Informationsangeboten und einer Unterschriftensammlung schaltet der Teilhabekreis nun auch den Nottulner Gemeinderat ein.

Der Teilhabekreis, der bei seinem Anliegen vom Teilhabebeirat und vom Teilhabebeauftragten der Gemeinde unterstützt wird, hat einen Bürgerantrag bei der Gemeinde eingereicht. In diesem heißt es: „Der Rat der Gemeinde Nottuln appelliert an die Mitglieder des Deutschen Bundestages, die neu entwickelten pränatalen Bluttestverfahren zur Früherkennung von Trisomie oder gegebenenfalls auch von anderen zu erwartenden Behinderungen eines Kindes nicht in den Regelleistungskatalog der Krankenkassen aufzunehmen.“

Reihenuntersuchungen seien nicht zulässig

In der Antragsbegründung erläutert der Teilhabekreis, dass im gemeinsamen Bundesausschuss von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen aktuell geprüft wird, ob der Test als Regelleistung der Krankenkassen bezahlt werden soll. „Wenn es dazu kommen sollte, würde zukünftig ein solcher Test im Rahmen der Vorsorge generell von den Krankenkassen bezahlt. Das heißt, dieser Test würde als sogenannte Reihenuntersuchung standardmäßig durchgeführt werden. Nach unserem bestehenden Gendiagnostikgesetz sind solche Reihenuntersuchungen aber nicht zulässig“, schreibt der Lokale Teilhabekreis.

„Des Weiteren muss darauf hingewiesen werden, dass bereits heute schon Tests auf andere genetisch bedingte Erkrankungen und Behinderungen auf dem Markt sind. Sicherlich kann davon ausgegangen werden, dass dann auch für diese Tests die Erwartung entstehen wird, sie seien von den Krankenkassen zu finanzieren.“

Betroffene Menschen miteinbeziehen

Der Lokale Teilhabekreis ist sehr besorgt, „dass durch die standardmäßige Durchführung solcher Tests zukünftig Menschen mit Beeinträchtigungen in unserer Gesellschaft als ‚vermeidbar‘ und nicht willkommen angesehen werden.“ Deshalb fordert der Kreis eine politische Debatte über ethische, moralische und rechtliche Aspekte der Nutzung aller Möglichkeiten der Pränataldiagnostik, heute und mit zukünftigen Möglichkeiten. „Dabei darf eine solche Debatte nicht über die Köpfe der davon betroffenen Menschen hinweg geführt werden. Sie sind zwingend mit einzubeziehen – in Nottuln und darüber hinaus.“

Der Lokale Teilhabekreis hat die Begründung im Übrigen auch in einfacher Sprache verfasst und dem Antrag beigegeben. Dann hört sich das so an:

„In einem Ausschuss (Gesprächskreis) arbeiten Ärzte, Krankenkassen und Krankenhäuser zusammen. Sie sprechen über einen neuen Test für schwangere Frauen. Dieser Test kann im Blut der Frauen feststellen, ob das Baby eine Behinderung – das Down-Syndrom – hat. Viele möchten, dass dieser Test von den Krankenkassen bezahlt wird. Es gibt sogar jetzt schon weitere Tests, mit denen andere Behinderungen festgestellt werden können. Der Lokale Teilhabekreis will nicht, dass alle schwangeren Frauen denken, dass sie diese Tests machen müssen. Wir haben Angst, dass Menschen mit Beeinträchtigungen in unserer Gesellschaft bald nicht mehr willkommen sind. Deshalb möchten wir mit vielen Menschen darüber reden!“

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