Katholische Kirche
Was ein Neupriester zu hören bekommt

Münster/Coesfeld -

Alexander Senk (31) wird am Sonntag in Münster zum Priester geweiht. In einem ersten Leben war er Sozialarbeiter, die Arbeit mit Obdachlosen in Irland brachte die Wende. Ein Entschluss, der unterschiedlichste Reaktionen hervorruft.

Freitag, 07.06.2019, 10:00 Uhr
31 Jahre alt, im ersten Leben Sozialarbeiter, im zweiten Priester: Alexander Senk wird am Sonntag in Münster geweiht.
31 Jahre alt, im ersten Leben Sozialarbeiter, im zweiten Priester: Alexander Senk wird am Sonntag in Münster geweiht. Foto: Gunnar A. Pier

Auf den ersten Blick wirkt Alexander Senk erfrischend locker. Auf den zweiten auch. Der 30-Jährige wird am Sonntag im münsterischen Paulus-Dom zum Priester geweiht. Nein, wirklich nervös sei er nicht, sagt er bei einem Treffen ein paar Tage zuvor. „Noch bin ich relativ gelassen.“

Wer Priester wird, der kriegt was zu hören. Heute mehr als früher, und längst nicht nur Positives. „Einer hat sich mal auf dem Absatz umgedreht, als ich davon erzählt habe“, sagt Senk. Andere wiederum stellten besonders kritische Fragen oder meinen betonen zu müssen, mit der Kirche nichts zu tun zu haben. Mit Blick auf die Skandale, die Missbrauch-Fälle, die unrühmlichen Geschichten der Kirche „kann ich Menschen, die so argumentieren, auch verstehen“, sagt der 31-Jährige. Manchmal liegen Bürde und Berufung eng beieinander.

Darum sei es doppelt schön, wenn er Zuspruch erfahre, ein aufmunterndes Wort hier, ein Schulterklopfen dort. „Es gibt ja auch überraschend viele, die sagen: ,Klasse, dass Du das machst‘“, sagt Senk. Das freut ihn dann.

Stationen im Leben 

Es klingt schon erstaunlich, wenn jemand sagt, schon als Jugendlicher das Gefühl gehabt zu haben, Priester werden zu wollen. Senk erzählt das bei einer Tasse Kaffee in einem münsterischen Café. Und so, wie er es erzählt, klingt es normal, gar nicht besonders und dadurch glaubwürdig. Der zweite Eindruck: Der junge Mann wirkt authentisch.

Ein Leben in Stichworten: Geboren in Coesfeld, aufgewachsen in einer Familie, die den Glauben so hoch hält wie das soziale Engagement, Messdiener, Gruppenleiter, Chorsänger, Orgelspieler, kein Langweiler. Schon als Jugendlicher, mit 16 oder 17, habe er sich die „Priesterfrage“ gestellt, sagt Senk. Er schob sie zunächst zur Seite.

Es folgten: Fachabitur und das Studium der Sozialen Ar­beit in Münster. Auch nah am Menschen, nur anders. Sein Auslandssemester verbrachte er in Irland, dort arbeitete er mit Obdachlosen zusammen und sah sich mit existenziellen Fragen konfrontiert. „Das gab den Ausschlag“, sagt er. Senk studierte Theologie, zog irgendwann ins Priesterseminar – und zwischenzeitlich wieder aus, in eine WG. Er habe den „Raum für die Entscheidung gebraucht“. Eine Art Selbstvergewisserung.

Keine klerikalen Attitüden

Senk ist Optimist. Er sagt Sätze wie: „Die Kirche hat eine großartige Botschaft.“ Oder spricht vom „Angebot, sich auf Gott einzulassen“. Naiv ist der 31-Jährige jedoch nicht.

Die Kirche geht schwierigen Zeiten entge­gen, die neue Antworten fordert. Mehr Laien einbeziehen, verheiratete Männer zum Priesteramt zulassen, die Verwaltungsarbeit Verwaltungsangestellten überlassen, all das ist für ihn Teil der Lösung und nicht etwa ein Problem. In Irland hat er die Anglikanische Kirche kennengelernt und in ihr verheiratete Priester. „Das war überhaupt nicht ungewöhnlich.“

Senk sagt, er möchte ein bodenständiger Priester sein, keiner mit klerikalen Attitüden. Das klingt angenehm normal. Er wisse auch, sagt er, dass sich das Wort „Berufung“ leicht sagt, aber nicht immer leicht lebt. Auch „Berufene“ müssen um ihren Weg kämpfen.

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Fünf Anwärter werden Pfingstsonntag von Bischof Felix Genn geweiht. Auf dem siebenjährigen Weg dorthin sind mehrere abgesprungen. „Irgendwann kommen immer Fragen“, sagt Senk. „Auch später noch.“ Dann sei es hilfreich, wenn die Entscheidung für den eingeschlagenen Weg belastbar sei.

Wieder mehr Neupriester in NRW

Die fünf katholischen Bistümer in NRW erhalten in diesem Jahr 16 Neupriester. Das sind sechs mehr als im Vorjahr. Am Freitag, 7. Juni, empfängt ein Kandidat des Ruhrbistums in Essen die Priesterweihe (2018: 1). Am morgigen Samstag, 8. Juni, werden drei Männer in Paderborn geweiht (2). Auch in der Diözese Aachen gibt es einen Neupriester (2). Im Bistum Münster, das sich zu einem großen Teil auch auf Niedersachsen erstreckt, gibt es fünf Neupriester (2). Im Erzbistum Köln bereiten sich sechs Theologen auf ihre Weihe am 28. Juni vor (3). Hinzu kommt ein Benediktiner-Mönch aus der deutsprachigen Dormitio-Abtei in Jerusalem. Die Priesterweihe in Köln findet traditionell am Herz-Jesu-Fest am dritten Freitag nach Pfingsten statt. Die Zahl der Priesterweihen in den NRW-Bistümern lag in den vergangenen Jahren im unteren zweistelligen Bereich. 2017 belief sie sich auf 18, 2016 auf 17, 2015 auf 13 und 2014 auf 21 Theologen.

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