Ärztliche Versorgung im Tecklenburger Land
Werden bald neue Kardiologen zugelassen ?

Westerkappeln/Tecklenburger Land -

Drei kardiologische Facharztpraxen gibt es im Tecklenburger Land. Reicht das angesichts der demografischen Entwicklung ? Dr. Steffen Grüner, Facharzt für Allgemeinmedizin in Westerkappeln, meint Nein. „Die Bedarfsberechnungen stammen noch aus den 1990er Jahren.“ Doch bei der fachinternistischen Versorgung ist etwas im Fluss.

Freitag, 07.06.2019, 06:00 Uhr
 
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„Es gibt eine Anpassung der Bedarfsberechnung“, bestätigt Vanessa Pudlo, Pressesprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe.

Die Bedarfsberechnung ist eine komplizierte Angelegenheit: Sie soll eine ausreichende flächendeckende Versorgung mit niedergelassenen Ärzten gewährleisten sowie eine Fehlversorgung vermeiden.

Grundlage der Bedarfsplanung ist die Bedarfsplanungs-Richtlinie, die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) erlassen wird. „Der Gemeinsame Bundesausschuss ist das wichtigste Organ in der ärztlichen Selbstversorgung“, erläutert die KV-Sprecherin.

Insgesamt werden auf Basis der Bedarfsplanung 22 Arztgruppen in vier verschiedene Versorgungsebenen zusammengefasst: die Hausärzte, die allgemeinen Fachärzte wie Gynäkologen oder Kinderärzte, drittens spezialisierte Mediziner wie Kardiologen oder Radiologen und schließlich gesonderte Arztgruppen, unter anderem Laborärzte und Neurochirurgen. „Jede Versorgungsebene hat ihre eigenen Planungsbereiche“, so Pudlo weiter. Bei Hausärzten wird die Relation von Ärzten und Patienten und damit der Versorgungsgrad nachvollziehbarerweise für einen kleineren Bezirk berechnet, bei Kardiologen und anderen Spezialisten wird ein größerer Radius gezogen, um es vereinfacht auszudrücken.

Stimmt das Verhältnis von Arzt und Patienten in einer Region mit der gesetzlichen Vorgabe überein, so beträgt der Versorgungsgrad genau 100 Prozent. „In der fachärztlichen Versorgung gilt ab unter 50 Prozent Unterversorgung und ab über 110 Prozent Überversorgung“, erklärt Pudlo. Dann werde die Region für Neuzulassungen gesperrt.

Die fachinternistische Versorgung durch Kardiologen oder beispielsweise auch Onkologen und Rheumatologen wird für die Raumordnungsregion Münster berechnet, wozu auch der Kreis Steinfurt gehört. Der Versorgungsgrad liege aktuell bei 184,7 Prozent. Die hiesige Raumordnungsregion sei damit für die Niederlassung weiterer Fachinternisten im Moment gesperrt, berichtet die KV-Sprecherin.

Aber: Die jetzt aktualisierte Bedarfsplanungs-Richtlinie des G-BA sehe unter anderem eine Absenkung der Verhältniszahlen auch für Fachinternisten vor, da hier ein grundsätzlicher Mehrbedarf an Ärzten festgestellt worden sei. Zudem sollten Mindest- und Maximalquoten für einzelne Fachinternisten festgelegt werden, die bei Zulassung und Nachbesetzung von Arztsitzen nicht überschritten werden dürften. „Für die Arztgruppe der Kardiologen wurde ein Höchstanteil von 33 Prozent beschlossen. Das bedeutet, dass rund ein Drittel der gesetzlich vorgesehenen Arztsitze für Fachinternisten in einer Region an Kardiologen vergeben werden dürfen“, betont Pudlo.

Die angepasste Richtlinie tritt voraussichtlich am 1. Juli in Kraft. Dass sich am Ende mehr Kardiologen im Tecklenburger Land niederlassen dürfen kann sein, muss aber nicht. Die KV müsse die Vorgaben des G-BA umsetzen. „Was diese Änderungen genau für die Versorgungssituation in Westfalen-Lippe bedeuten, steht noch nicht fest“, so Pudlo. Den Landesausschüssen der Ärzte und Krankenkassen in den einzelnen KV-Regionen obliege nun die Aufgabe, die neuen Regelungen zu beschließen und umzusetzen. „Wann dies geschieht, kann ich aktuell noch nicht sagen.“

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