Sechs Waldohreulen nutzten eine Weide im Garten
Neugieriger Nachwuchs fasziniert die Sabes

Ascheberg -

Was ist das nur für eine Wolldecke im Baum – und vor allem wie ist sie dort hingekommen? Diese Frage stellte sich Werner Sabe an einem Samstag im Mai reichlich verwundert, als er in seinen Garten kam und die vermeintliche Decke dort entdeckte. Eine Decke, die wenig später in Bewegung geriet.

Sonntag, 09.06.2019, 10:00 Uhr
Neugierig und wachsam zu gleich. Familie Sabe hatte ungewöhnlichen Besuch im Garten: Insgesamt sechs junge Waldohreulen.
Neugierig und wachsam zu gleich. Familie Sabe hatte ungewöhnlichen Besuch im Garten: Insgesamt sechs junge Waldohreulen. Foto: tani

Dann auch noch Laute von sich gab „und sich als sechs junge Waldohreulen entpuppte“, erinnert sich Karin Sabe noch ganz genau. Wirklich sehr seltene Gäste im heimischen Garten, aber welche, die für einige Tage irgendwie auch das Familienleben mitbestimmten.

Denn die Sabes nahmen Rücksicht, hielten sich nicht mehr so oft im Garten auf, um den kleinen tierischen Gästen die nötige Ruhe zu gönnen. Stattdessen nahmen Werner und Karin Sabe die Rolle der Beobachter ein. „Und wurden oft genug selbst beobachtet“, erzählt Karin Sabe lachend. Von wem? Von den jungen Waldohreulen. Denn die hatten ihren Lieblingsplatz schnell gefunden. In der Weide machten sie es sich gemütlich. Schließlich hatte man von dort freie Sicht auf den Esstisch der Familie. „Ja, tatsächlich, die kleinen Waldohreulen sind recht neugierig und vor allem sehr interessiert“, konnte die Aschebergerin feststellen. Tagsüber war von dem tierischen Besuch eher weniger zu sehen und noch viel weniger etwas zu hören. Denn mit ihren langgezogenen Rufen – an denen Karin und Werner Sabe sie auch nach eingehender Recherche einwandfrei identifizieren konnten – unterhielten sie prompt die gesamte Nachbarschaft und machten so auf sich aufmerksam. „Ja, abends, da wurden sie munter, je später der Abend, je wacher die kleinen Eulenkinder“. Denn Waldohreulen sind nachtaktiv. Ab 22 Uhr beginnen sie mit Angriffen auf Blätter, Tannenzweige und Kirschen. Sie sind schnell. Kein Wunder, denn ausgewachsene Tiere bringen es auf eine Flügelspannweite bis zu 95 Zentimeter. Karin Sabe vermutet, dass die Elterntiere am Tennisplatz gebrütet haben, „Denn mit sechs Jungen werden sie nicht so weit geflogen sein, um sie aufzuziehen.“ Mit langgezogenen Pieptönen kündigte das Sextett seinen Hunger an. „Und eben diese Futterrufe hat die gesamte Nachbarschaft gehört“, erzählt Karin Sabe.

Sie und ihr Mann haben sich sehr über diesen ungewöhnlichen Besuch gefreut. Vor allem darüber, dass er auf seine eigene Weise Kontakt mit ihnen aufgenommen hat. Den großen gelben Augen entging wenig. „Ja, sie sind wachsam und interessiert.“ Was Karin Sabe am meisten faszinierte, war die Gelassenheit, die die Eulenkinder ausstrahlten. „Und diese Beweglichkeit, schau mal“, weist sie auf eine der jungen Eulen, die gerade ihren Kopf nach hinten dreht. „Die können ihren Kopf fast um 270 Grad drehen, Wahnsinn, oder?“ Als Künstlerin interessierte die Aschebergin vor allem die Mythologie der Waldohreule. Und überhaupt, würde sie, wenn sie die Waldohreulenkinder irgendwann einmal auf Papier bannt, das in ihrer ganz eigenen Weise tun.

Es war eine unterhaltsame und lehrreiche Zeit im Garten der Sabes. Nun ist wieder Normalität eingekehrt, denn die „vermeintliche Wolldecke aus dem Baum“, die ist mittlerweile ausgeflogen.

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