EHEC-Fälle bei Kindern in Telgte?
Zwei Neuerkrankungen im Kreis Warendorf bestätigt

Telgte/Kreis Warendorf -

In verschiedenen Elternforen macht das Gerücht die Runde, es gebe derzeit zwei oder sogar mehr EHEC-Fälle in der Emsstadt, bei denen kleine Kinder ernsthaft betroffen seien. Entsprechend groß ist stellenweise die Verunsicherung. Der Kreis bestätigt lediglich zwei Krankheitsfälle, aber nicht den Ort.

Mittwoch, 12.06.2019, 19:30 Uhr
Eine Laborantin vergleicht auf diesem Foto im Robert-Koch-Institut in Wernigerode multi-resistente EHEC-Keime.
Eine Laborantin vergleicht auf diesem Foto im Robert-Koch-Institut in Wernigerode multi-resistente EHEC-Keime. Foto: Matthias Bein/dpa

Die Aufregung bei vielen Eltern mit kleinen Kindern ist derzeit in Telgte und Westbevern groß. Denn in verschiedenen Elternforen macht das Gerücht die Runde, es gebe derzeit zwei oder sogar mehr EHEC-Fälle in der Emsstadt, bei denen kleine Kinder ernsthaft betroffen seien. Entsprechend groß ist stellenweise auch die Verunsicherung.

„Ich kann lediglich bestätigen, dass wir derzeit zwei Krankheitsfälle im Kreis Warendorf haben“, sagt Kreissprecher Thomas Fromme. Aus Datenschutzgründen dürfe die Behörde aber keine konkreten Orte oder das Alter der Betroffenen benennen.

Vorsichtsmaßnahmen

Folgende Vorsichtsmaßnahmen schützen vor einer Infektion mit EHEC-Bakterien:

► Empfohlen wird häufiges Händewaschen, gerade auch bei Kindern. Dies gilt vor allem nach dem Toilettengang, vor dem Essen und vor der Zubereitung von Essen.

► Wenn Kinder Streichelzoos besuchen oder Bauernhoftiere streicheln, sollten sie nichts essen und auch nicht die Finger in den Mund stecken.

► Nach dem Besuch ist gründliches Händewaschen wichtig.

► Gemüse und Salate sollten gründlich gewaschen werden. Rohe Milch gehört nicht auf den Speiseplan. Kindern sollte man nur pasteurisierte oder abgekochte Milch geben.

► Rohes Fleisch getrennt von anderen Lebensmitteln aufbewahren und vor dem Verzehr ausreichend durchgaren.

(Quelle: Tropeninstitut)

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Patienten nicht in Lebensgefahr

Zwei Dinge hebt der Behördensprecher aber in diesem Zusammenhang hervor: Zum einen bestehe in beiden Fällen keine Lebensgefahr, zum anderen sei die Entwicklung keinesfalls besorgniserregend. Es handelt sich nach Angaben des Kreises um die EHEC-Erkrankungsfälle fünf und sechs in diesem Jahr. Im vergangenen Jahr habe das Kreis-Gesundheitsamt insgesamt 17 Fälle registriert.

In den entsprechenden Elternforen in Telgte wird auch behauptet, die Übertragung sei angeblich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Verzehr von Erdbeeren zurückzuführen. Auch dazu gibt es nach Aussage des Kreis-Gesundheitsamtes keine konkreten Anhaltspunkte. Generell, so Thomas Fromme, gebe es verschiedene Übertragungswege und im Nachhinein sei nicht mehr eindeutig beweisbar, auf welche Art und Weise die Ansteckung erfolgt sei. Er warnt daher vor übertriebenen Reaktionen.

EHEC-Infektionen

Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) kommen natürlicherweise im Darm von Wiederkäuern vor und werden mit dem Kot der Tiere ausgeschieden.

Sie können direkt oder indirekt vom Tier auf den Menschen übertragen werden und Krankheiten auslösen. EHEC-Infektionen treten weltweit auf. In Deutschland werden durchschnittlich pro Jahr etwa 900 Erkrankungen gemeldet, die durch EHEC-Bakterien ausgelöst werden. Das sind deutlich weniger Fälle als beispielsweise durch Salmonellen verursacht werden.

EHEC-Infektionen können mit einem schweren Krankheitsverlauf verbunden sein und zu lebenslangen Spätschäden (zum Beispiel Bluthochdruck oder Niereninsuffizienz) mit möglicherweise tödlichem Ausgang führen.

(Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung)

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