Investor zieht Vorhaben zurück
Kein Einkaufszentrum am Osnabrücker Neumarkt

Osnabrück -

Der Plan eines Einkaufszentrums am Osnabrücker Neumarkt ist Geschichte. Am Freitagmorgen informierte die Stadt in einer Pressemitteilung darüber, dass der Investor Unibail Rodamco Westfield (URW) von diesem Vorhaben Abstand genommen habe.

Freitag, 14.06.2019, 17:28 Uhr aktualisiert: 14.06.2019, 17:35 Uhr
Vorerst wird sich dieser Anblick am Osnabrücker Neumarkt wohl nicht wesentlich verändern.
Vorerst wird sich dieser Anblick am Osnabrücker Neumarkt wohl nicht wesentlich verändern. Foto: Gert Westdörp

Die Idee des Centers an der Stelle des leerstehenden Gebäudekomplexes wurde seit vielen Jahren diskutiert, hat jedoch bis zuletzt keine konkreteren Formen angenommen. Noch vor einem Jahr hatten sich Stadt und Investor URW optimistisch gezeigt: Damals reichte das Unternehmen den Bauantrag für das Projekt im Rathaus ein, Ende 2020 sollte das Shopping-Center eröffnet werden, so sagte der Investor.

Nun der Rückzieher von URW. In einem Telefongespräch sei er am Donnerstag darüber informiert worden, dass das geplante Shopping-Center nicht realisiert werde, wird Oberbürgermeister Wolfgang Griesert in der Mitteilung zitiert. Als Begründung für den Abbruch verweise URW auf gestiegene Preise in der Baubranche – durch Mieteinnahmen seien diese Kosten aus Sicht des Investors unmöglich wieder hereinzuholen. Bis jetzt habe der Konzern bereits eine mittlere zweistellige Millionensumme in das Vorhaben gesteckt, so Griesert.

Neuer Bebauungsplan

„Leider bestätigen sich mit dieser Entscheidung meine frühzeitigen Zweifel an der Realisierung des Centers, für deren Grundstücke der Rat schon vor fünf Jahren den Bebauungsplan Nr. 600 beschlossen hat“, äußerte der Oberbürgermeister. Nun sei jedoch nicht der richtige Zeitpunkt für Kritik, sondern es gelte, in die Zukunft zu blicken.

Erschwert wird die Lage dadurch, dass die entsprechenden Grundstücke nach wie vor URW gehören. Griesert dazu: „Wir müssen nun also sehr kurzfristig mit der Eigentümerin darüber sprechen, was auf und mit diesen zentralen Flächen in Osnabrück geschehen soll. Dazu wird der Rat dann auch einen neuen Bebauungsplan aufstellen müssen.“ Aus formalen und rechtlichen Gründen müsse man sich darauf einstellen, dass die alten Gebäude für zwei bis drei Jahre nicht abgerissen werden dürfen.

Reaktionen aus der Politik 

Einige der Osnabrücker Ratsfraktionen verschickten am Freitag Stellungnahmen zu den geplatzten Neumarkt-Plänen. Einig sind sie sich weitgehend in einer Sache: Die neue Situation bietet eine Chance für neue, konstruktive Ideen.

Die CDU-Fraktion sieht sich in ihrer ursprünglichen Skepsis gegenüber dem Großkonzern bestätigt. „Jetzt gilt es aber, den Blick nach vorne zu richten. Es bleibt keine Zeit für Streitereien und Gezanke“, heißt es aus der CDU. Vorstellbar seien verschiedene Nutzungen der Flächen, von Wohnungen über Universität bis hin zu Dienstleistungen und Handel.

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Volker Bajus äußerte sich verärgert darüber, dass der Investor nicht früher für Klarheit gesorgt hatte, hob jedoch ebenso die Chancen hervor: „Aus Grünen-Sicht gibt es jetzt für die Stadt die Riesenchance, selber die Initiative zu ergreifen und auf der Fläche Projekte zu entwickeln, die sich positiver auf die Innenstadtentwicklung auswirken, als es ein Einkaufscenter getan hätte.“

Ralph Lübbe, Fraktionsvorsitzender des Bundes Osnabrücker Bürger (BOB), hob in einer Mitteilung ebenfalls die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten hervor und sprach sich dafür aus, den geplanten verkehrstechnischen Umbau des Neumarkts zu überdenken: „In der aktuellen Planung wurden vorauseilend Forderungen des Investors aufgegriffen, die einer zukünftigen Bebauung und Nutzung nicht mehr gerecht werden.“

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