Insektenstiche und -bisse
Das große Jucken

Münsterland -

Rote Flecken an Knöcheln und Handgelenken. Jucken und Kratzen. Wenn man schon nichts gegen Insektenbisse und -stiche machen kann, wäre es ja immerhin schön zu wissen, von wem sie stammen. Eine kleine Einführung.

Montag, 24.06.2019, 20:20 Uhr
Die Stiche und Bisse von Insekten sind für Laien mühsam zu identifizieren.
Die Stiche und Bisse von Insekten sind für Laien mühsam zu identifizieren. Foto: Prof. Dr. H. Mehlhorn

Von wegen Insektensterben: Seit dem Wochenende leiden viele Münsterländer unter den Stichen und Bissen verschiedener Insekten. Doch was sie genau gestochen hat, ist für viele nicht auszumachen. Experten machen besonders die Kriebelmücke als Ursache für juckende Haut aus. Sie findet gegenwärtig beste Bedingungen, erklärte der münsterische Ökologe und Insektenkundler Robert Bocszki.

Eigentlich sind die Kriebelmücken Nektarsauger. Doch die Weibchen brauchen für die Ei-Entwicklung verschiedene Blutmahlzeiten. Eine Arte saugt gerne an den Ohrmuscheln von Pferden, eine andere bevorzugt die Bauchhaut von Tieren. Sie leben vor allem in feuchteren Gebieten wie der Davert, den Rieselfeldern oder in Fluss- und See-Nähe. Von einem flächendeckenden Phänomen will Bocszki jedoch nicht sprechen. „Das ist allenfalls lokal.“

Der Insektenexperte vermutet, dass die „Unwucht“, die durch den Einfluss des Menschen auf die Tierwelt entstanden ist, viele natürlichen Feinde der Kriebelmücke wie Spinnen, Libellen, Fische und Molchlarven schwächen. Die reagierten empfindlicher etwa auf Pflanzengifte als die Mücken. So sei deren Anstieg zu erklären.

So sehen gängige Insektenstiche und-bisse aus

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  • Im Sommer leiden viele unter Insektenstichen oder -bissen. Doch meist ist es gar nicht so einfach, die Stiche zu identifizieren. Unsere Fotostrecke gibt einen Überblick: So sehen zum Beispiel die Bisse einer Bettwanze aus.

    Foto: Heinz Mehlhorn
  • Das ist der Stich der Pferdebremse.

    Foto: Heinz Mehlhorn
  • So sehen die Bisse der Herbstmilbe im Frühstadium aus.

    Foto: Heinz Mehlhorn
  • Das sind die Bisse der Herbstmilbe im Spätstadium.

    Foto: Heinz Mehlhorn
  • Ein Stich der Aedes-Stechmücke.

    Foto: Heinz Mehlhorn
  • Die Kriebelmücke ist im Münsterland momentan besonders aktiv. So sehen ihre Stiche aus.

    Foto: Heinz Mehlhorn
  • Ist im Sommer ebenfalls aktiv: die Ixodes-Zecke.

    Foto: Heinz Mehlhorn

„Ideale Startbedingungen“ für Mücken

Das vergangene Wochenende hat jeder Mückenart beste Bedingungen geboten: „In NRW ist eine ganze Bandbreite an Mücken anzutreffen“, schildert Doreen Werner vom Leibniz-Zen­trum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF). „Die Mücken hatten ideale Startbedingungen“, sagt Werner. Wie lange sie noch stechen werden, kann die Expertin allerdings nicht sagen: „Das kommt ganz auf das Wetter an.“ Ihr Tipp, wenn man gestochen wurde: „Nicht kratzen“, sagt sie. Vorbeugend könne man wenig machen, da die Mücken von der Luft, die der Mensch ausatmet, angelockt werden.

Nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung in Hamburg bietet das schwül-warme Wetter derzeit ideale Bedingungen für Mücken. „Die Tiere brauchen für die Brutablage feucht-warmes Wetter“, sagte Stiftungssprecherin Jenifer Calvi auf Nachfrage. „In Gegenden, in denen wir eine solche Witterung haben, gibt es derzeit verstärkt Mücken.“ Dort, wo wie beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern längere Trockenperioden vorherrschen, ist die Anzahl der Tiere deutlich geringer.

Härchen schwirren durch die Luft

Doch nicht allein die Mücken haben am Wochenende für Unmut gesorgt. „Für Hautreizungen verantwortlich sind auch die Brennhaare der Eichenprozessionsspinner“, sagte Dr. Michael Klenner vom Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer NRW. Millionen dieser mikroskopisch-kleinen Härchen schwirrten derzeit durch die Luft. Die Haare sind toxisch und können bei empfindlichen Menschen Hautreizungen hervorrufen. „Oftmals sehen die wie Mückenstiche aus.“

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

„Ist halt Sommer“

Karl-Heinz Jelinek, Schmetterlingsexperte beim Nabu, versteht die Aufregung nur mühsam. Der ist den ganzen Tag draußen unterwegs und sagt: „Ist halt Sommer.“ Er hat am Wochenende viele Bremsen beobachtet, erinnert aber daran, dass man sich früher – also vor etwa 50 Jahren – vor den „Viechern“ nicht habe retten können. Das sei nicht mehr der Fall.

Dass sich die Klagen über mehr Mückenstiche häufen, könnte allerdings auch daran liegen, dass am langen Wochenende viele Menschen draußen waren, die sonst in Büros und Wohnzimmern sitzen. Und da können die Insekten nun wirklich nichts für.

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