Leiche aus Brunnenschacht obduziert
Sohn wieder auf freiem Fuß

Neuenkirchen/Münster -

Nach der Obduktion einer toten 80-Jährigen in Neuenkirchen ist der verdächtige Sohn wieder aus der Haft entlassen worden. Es mangele an einem dringenden Tatverdacht, teilten die Behörden am Donnerstag mit.

Donnerstag, 27.06.2019, 17:06 Uhr aktualisiert: 27.06.2019, 19:43 Uhr
Leiche aus Brunnenschacht obduziert: Sohn wieder auf freiem Fuß
Während am Mittwoch eine Mordkommission umfangreiche Spuren ­sicherte, wurde am Donnerstag der Leichnam der verstorbenen Frau in der Rechtsmedizin der Universität Münster obduziert. Foto: Nord-West-Media TV/dpa

Nach dem Fund einer Leiche in einem Brunnenschacht auf dem Gelände einer Gärtnerei in Neuenkirchen wurde am Donnerstag bekannt, dass es sich um die 80-jährige Besitzerin der Gärtnerei handelt. Nach einer Obduktion in der Rechtsmedizin der Universitätsklinik Münster steht fest, dass die Frau in dem Brunnen ertrunken ist. Ihr 54-jähriger Sohn war am Mittwoch zunächst festgenommen worden, wurde jedoch mangels dringenden Tatverdachts, der Voraussetzung für den Erlass eines Haftbefehls ist, am Donnerstag wieder freigelassen.

Fremdverschulden nicht nachzuweisen

Nach ersten Ermittlungen der Mordkommission gab es zunächst einen „Anfangsverdacht“ gegen den Mann, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Aber: „Die Obduktion erbrachte keinen eindeutigen Hinweis auf ein Fremdverschulden“, erläuterte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt am späteren Nachmittag in Münster. „Fest steht nun, dass die 80-jährige Frau aus Neuenkirchen ertrunken ist.“

Die Polizei hatte am Körper der Leiche mindestens ein Hämatom (Bluterguss) festgestellt, hieß es in einer ersten Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Münster, der Kreispolizeibehörde Steinfurt und des Polizeipräsidiums Münster. Ob dies wirklich ein Indiz für Fremdverschulden war, sei aber zunächst unklar gewesen: „Ursächlich für die Verletzung können ein Unfallgeschehen oder der Einsatz stumpfer Gewalt sein. Ein Fremdverschulden kann derzeit nicht ausgeschlossen werden“, hieß es noch am Donnerstagmorgen.

Zwei Meter tiefes Wasser im Brunnen

Am Nachmittag vermeldete die Polizei dann eine neue Lage: „In dem Brunnenschacht lag der Wasserstand zum Auffindezeitpunkt bei etwa zwei Metern. Das Hämatom kann durch einen Sturz, durch Rettungsmaßnahmen oder doch durch Fremdeinwirkung entstanden sein“, resümierte der Kommissionsleiter, Kriminalhauptkommissar Joachim Poll. „Die Mordkommission ermittelt deshalb weiterhin in jede Richtung.“

Der 54-jährige Sohn sei aber wieder entlassen worden. Wie Oberstaatsanwalt Botzenhardt erklärte, äußerte sich der Mann aber bislang nicht zu den Vorwürfen. Wie berichtet, wurde am Mittwoch gegen 11.20 Uhr auf dem Gelände der Gärtnerei der Leichnam der Frau in einem Brunnenschacht aufgefunden. Neben der Polizei rückte auch die Freiwillige Feuerwehr zur technischen Hilfe aus. Das Grundstück wurde weiträumig abgesperrt.

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