Anzeigen & Verwarngelder
Brückenspringen am Kanal: Verstöße werden konsequent verfolgt

Ladbergen/Tecklenburger Land -

Das Schwimmen im Kanal ist laut Wasserschutzpolizei verboten. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Rheine toleriert hingegen das Baden in den Kanälen und verbietet nur das Schwimmen in besonders gefährlichen Bereichen wie vor Schleusen, Brücken und Wehren. Verboten ist zudem das Springen von Brücken, das Anzeigen und Verwarngelder zur Folge hat.

Sonntag, 30.06.2019, 20:50 Uhr aktualisiert: 01.07.2019, 14:14 Uhr
Das Springen von Brücken in die Kanäle ist strengstens verboten, laut Wasserschutzpolizei ebenso das Schwimmen. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Rheine zeigt jedoch Verständnis für das Baden und verbietet dieses nur in besonders gefährlichen Bereichen.
Das Springen von Brücken in die Kanäle ist strengstens verboten, laut Wasserschutzpolizei ebenso das Schwimmen. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Rheine zeigt jedoch Verständnis für das Baden und verbietet dieses nur in besonders gefährlichen Bereichen. Foto: Matthias Ahlke

Die ersten so richtig warmen Tage des Jahres sind vorüber. Und sie haben einen Vorgeschmack auf das gegeben, was die nächsten Monaten bringen könnten: 1A-Badewetter. Und dann wird es auch wieder im Dortmund-Ems-Kanal und im Mittellandkanal voll sein.

Auf der Homepage des Wasser- und Schifffahrtsamtes Rheine findet sich die Aussage: „Weil wir Verständnis haben und Rücksicht nehmen möchten auf das natürliche und menschliche Bedürfnis, sich im Wasser zu bewegen, tolerieren wir das Baden in den Kanälen. In besonders gefährlichen Bereichen wie vor Schleusen, Brücken und Wehren ist das Baden jedoch verboten.“

Blick ins Landeswassergesetz

Nun gibt es in der Vielzahl der Gesetze aber auch so etwas wie das Landeswassergesetz. Dort findet sich in Paragraf 19, Absatz 1: „Jede Person darf natürliche oberirdische Gewässer zum Baden ... benutzen ....“ Aber keiner der beiden Kanäle ist ein natürliches Gewässer. Die Wasserschutzpolizei in Duisburg, für den Dortmund-Ems-Kanal zuständig, teilt auf Anfrage unserer Zeitung mit: „Grundsätzlich ist das Baden in künstlichen Gewässern, wie zum Beispiel im Dortmund-Ems-Kanal, verboten. Insbesondere in Bereichen wie Schleusen, Brücken, Wehren, Hafeneinfahrten, Liegestellen oder Anlegestellen für Fahrgastschiffe ist das Schwimmen äußerst gefährlich, und Verstöße werden konsequent verfolgt.“

Das haben die Beamten im vergangenen Jahr auch reichlich getan. 16 Ordnungswidrigkeitenanzeigen und sechs Verwarngelder wurden zum Beispiel im Zuständigkeitsbereich der Wasserschutzpolizeiwache Bergeshövede erhoben. Zum Vergleich: 2016 waren es sechs Anzeigen und 15 Verwarngelder. Interessant: Bei den geahndeten Delikten wurde ausschließlich das Springen von Brücken festgestellt. „Glücklicherweise wurden keine Unfälle mit Brückenspringern registriert“, so die Wasserschutzpolizei.

Extrem gefährlich

Springen von Brücken ist mordsgefährlich – darauf weist die Polizei auch hin. Es drohen zum Beispiel Knochenbrüche, wenn man auf einem plötzlich unter der Brücke auftauchendem Schiff landet. Auch ein Brett oder eine Plastiktüte im Wasser könnten schon zu schweren Verletzungen führen, denn die Brücken seien oft etwa 15 Meter hoch. Beim Klettern auf den Bogen bestehe zudem Rutschgefahr, so die Polizei.

Auch das Schwimmen unter Brücken sei gefährlich: Binnenschiffe müssen bisweilen ihre Führerhäuser einfahren, wenn sie Brücken passieren. Die Folge: Radarschatten und tote Winkel – Schwimmer würden oft nicht wahrgenommen. Und der Bremsweg eines großen Binnenschiffes kann bis zu einem Kilometer lang sein.

Anschwimmen von Schiffen

Ebenfalls verboten ist das Anschwimmen von Schiffen. Da die Schiffe sehr groß seien, verfügten sie über eine große Maschinenleistung, die ihrerseits für enormen Sog sorge. Das sei gefährlich. Und wenn der Schiffsführer es nicht möchte, erfüllt das An-Bord-Klettern sogar den Tatbestand des Hausfriedensbruchs, teilt die Wasserschutzpolizei mit.

Natürlich gilt das Ganze auch für Eisenbahnbrücken. Gerade beim Sprung von Eisenbahnbrücken kann der Aufenthalt in den Gleisanlagen auf der Brücke tödlich sein. Moderne Züge nähern sich fast lautlos und können je nach Windrichtung erst sehr spät wahrgenommen werden, teilt die Bundespolizei dazu mit. Zusätzlich entstehe beim Klettern auf Brückenträgern eine lebensgefährliche Nähe zum Oberleitungsnetz der Eisenbahn. Das steht unter einer Spannung von 15.000 Volt. Dabei muss man die Oberleitung nicht einmal berühren, bevor ein Lichtbogen überspringen kann.

Die Bundespolizei weist darauf hin, dass, wenn Züge aufgrund von Personen im Gleisbereich eine Schnellbremsung einleiten müssen, der Tatbestand des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr erfüllt sein kann. Dieser kann mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft werden. Ebenfalls wird beim unbefugten Aufenthalt im Gleisbereich ein Bußgeld von 25 Euro bis 900 Euro fällig.

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