Messerstecher-Prozess am Landgericht
Versuchter Mord: 31-Jähriger muss neun Jahre ins Gefängnis

Münster/Rheine -

Am 29. Dezember des vergangenen Jahres hat ein 31-jähriger Mann in einer Pizzeria in Rheine mit einem Messer auf zwei Menschen eingestochen. Das Landgericht Münster hat ihn jetzt wegen versuchten Mordes verurteilt.

Montag, 01.07.2019, 15:51 Uhr aktualisiert: 01.07.2019, 16:15 Uhr
Messerstecher-Prozess am Landgericht: Versuchter Mord: 31-Jähriger muss neun Jahre ins Gefängnis
Mehrere Menschen hatte der 31-jährige Angeklagte in Rheine mit einem Messer attackiert, unter anderem auch in der Pizzeria "Ali". Foto: Sebastian Kröger

Urteil im Messerstecher-Prozess: Der 31-Jährige, der Ende Dezember im „Kenjoy“ und in der Pizzeria „Ali“ an der Kolpingstraße mehrere Menschen attackiert hat, muss für neun Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Münster hat ihn wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung sowie gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Eine mutmaßliche dritte Attacke, bei der ein Mann leicht verletzt wurde, fiel bei diesem Urteil nicht ins Gewicht: Sie war zuvor vom Verfahren abgetrennt worden.

„Ich war immer der Beschützer“

Der Angeklagte bedauerte zum Abschluss des Prozesses die Tat: „Ich kann mir bis heute nicht erklären, wie ich dazu gekommen bin. Ich denke jeden Abend darüber nach. In der Vergangenheit habe ich mir kleine Strafsachen zuschulden kommen lassen, aber nie Gewalt ausgeübt. Ich war immer der Beschützer. Es tut mir sehr leid“, sagte Joschka O. in seinem Schlusswort.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Haftstrafe von zehn Jahren. Der Verteidiger blieb deutlich unter der Forderung plädierte auf zweifache gefährliche Körperverletzung, weil sein Mandant trotz der im Video deutlich sichtbaren Brutalität keine Tötungsabsicht gehabt hätte.

3,02 Promille Alkohol im Blut

Der Angeklage O. hatte in der Pizzeria „Ali“ in der Nacht vom 28. auf den 29. Dezember 2018 nach Ansicht der Kammer zwei Personen heimtückisch angegriffen und schwer verletzt. Anschießend griff er auch im benachbarten „Kenjoy“ einen Mann an. Diese Tat war aber nicht mehr Gegenstand der Gerichtsverhandlung, weil das Opfer „wenig Interesse an einer Strafverfolgung erkennen lassen hat“ und die Tat für die Gesamtbeurteilung wenig ins Gewicht fällt.

Die Brutalität des Angriffs machte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer deutlich: „Ohne ein Wort zu sagen“, habe er auf die beiden Opfer eingestochen.

Bei beiden habe das Messer mehrere Winterkleidungsschichten durchdringen müssen, in einem Fall sei es acht Zentimeter tief – und damit fast bis zum Griff – in den Körper eingedrungen. Dass bei den wehrlosen Opfern lebenswichtige Organe verfehlt wurden und sie überlebten, sei reines Glück gewesen. Zur Tatzeit hatte Joschka O. etwa 3,02 Promille Alkohol im Blut.

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