Raubserie auf Discounter
Eine Episode mit Ausnahme-Charakter

Ascheberg -

Die Raubserie auf Discounter in Ascheberg, Drensteinfurt und Hamm war sogar in Aktenzeichen XY zu sehen. Dort gab es die entscheidenden Hinweise auf die Täter. Jetzt liegt ein erstes Urteil vor.

Dienstag, 02.07.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 02.07.2019, 19:19 Uhr
Am Überfall auf den Aldi in Herbern war der 23-Jährige beteiligt.
Am Überfall auf den Aldi in Herbern war der 23-Jährige beteiligt. Foto: iss

Dieses Urteil werden die Opfer wahrscheinlich nicht verstehen: Nach vier bewaffneten Raubüberfällen auf Supermärkte in Ascheberg und Umgebung muss ein 23-jähriger Azubi aus Lünen nicht ins Gefängnis. Das Dortmunder Landgericht hat am Dienstag zwei Jahre Jugendhaft auf Bewährung verhängt. Für den Angeklagten war das Urteil eine Erlösung.

Er macht zurzeit eine Lehre zum Banker, trainiert außerdem eine Fußballmannschaft. Die unfassbare Serie begann am 14. Januar 2017 mit einem Überfall auf einen Netto-Markt in Lünen. Knapp vier Monate später war der Aldi in Herbern an der Reihe. Der Angeklagte und sein noch nicht verurteilter Komplize waren kurz vor Ladenschluss im Discounter an der Münsterstraße aufgetaucht. Der 23-Jährige spielte zunächst die Rolle eines ganz normalen Kunden. Er schob einen Einkaufswagen durch den Markt, legte die Ware scheinheilig aufs Kassenband.

Mildes Urteil dank Geständnis 

Dann ging alles ganz schnell. Sein Partner zückte eine Pistole, alle Mitarbeiter wurden ins Büro dirigiert. Einer der Angestellten wurde getreten, alle mussten sich auf den Boden legen. Die Beute aus dem Tresor belief sich am Ende auf rund 6500 Euro. Später kamen auch noch zwei Überfälle auf Supermärkte in Hamm hinzu. Die Folgen für einige der Mitarbeiter waren dramatisch. Zwei Frauen konnten fast ein Jahr lang nicht arbeiten, leiden noch heute unter Angstzuständen.

Warum das Urteil so milde ausgefallen ist, erklärten die Richter unter anderem mit dem umfassenden Geständnis des Angeklagten. Außerdem habe er selbst keine Gewalt ausgeübt, sein Tatbeitrag sei im Vergleich zu seinem Komplizen eher untergeordnet gewesen. Was ebenfalls besonders zählte: Der heute 23-Jährige sei vorher und nachher nie wieder straffällig geworden. „Es war eine Episode mit Ausnahme-Charakter“, sagte Richter Ulf Pennigbei der Urteilsbegründung.

Den damals arbeitslosen Angeklagten habe zwar das „schnelle Geld“ gereizt, er sei aber von seinem Komplizen „verführt“ worden. Das sei ein „jugendtümliches Fehlverhalten.“ Die Gesamtbeute belief sich auf rund 20.000 Euro, wovon der Angeklagte fast die Hälfte erhalten hat. Das Geld wurde verzockt oder für Kleidung ausgegeben.

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