Fehlende Unterstützung für Behinderte
Mutter appelliert an Politiker: Deckelung der Wohnheimplätze aufheben

Kreis Warendorf -

Ihr Appell war ein einziger Hilferuf. Claudia Elkmann sucht seit drei Jahren ein Wohnheim für ihren erwachsenen Sohn, der schwere und mehrfache Behinderungen hat. Aber im Kreis Warendorf stehen derzeit etwa 100 Hilfebedürftige auf der Warteliste. Deswegen wandte sich die Sassenbergerin an den Behindertenbeirat.

Donnerstag, 04.07.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 05.07.2019, 07:07 Uhr
Claudia Elkmann hofft auf Unterstützung durch die Politik: „Man sollte uns Eltern nicht so hängen lassen.“
Claudia Elkmann hofft auf Unterstützung durch die Politik: „Man sollte uns Eltern nicht so hängen lassen.“ Foto: Beate Kopmann

Aus Sicht von Elkmann liegt die Verantwortung für die Misere beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Dieser ist seit 2003 als überörtlicher Träger der Sozialhilfe zuständig und wäre, so die Mutter, verpflichtet gewesen, den Bedarf zu ermitteln und Abhilfe zu schaffen. „Stattdessen deckelt der Landschaftsverband solche Plätze, da ,ambulant vor stationär‘ die weitaus günstigere Alternative ist. Nur nicht für jeden geeignet.“

Derzeit müsse erst ein Bewohner sterben, bevor ein Platz frei werde. „Ich finde es unmöglich zu deckeln. Es geht hier um keine Mietpreisbremse.“

Ich finde es unmöglich zu deckeln. Es geht hier um keine Mietpreisbremse.

Claudia Elkmann

Still war es im Ausschusszimmer, als Elkmann hinzufügte: „Man sollte uns Eltern nicht so hängen lassen.“ Skeptisch reagierte sie auch auf eine Mail, die LWL-Sozialdezernent Matthias Münning ihr geschickt hatte. Das Schreiben enthielt den Hinweis, dass „das Recht der Eingliederungshilfe ab dem Jahr 2020 keine Stationären Einrichtungen mehr kenne.“ Die Leistungen, die der Einzelne benötige, sollen dann passgenauer durch ein Modul-System gewährt werden. Elkmann fragte in die Runde, ob dahinter das Kalkül stehe, die Plätze solange zu deckeln, bis es offiziell keine stationären Einrichtungen mehr gebe? Von einem „guten Angebot an stationären Plätzen“, das Münning gegeben sieht, könne jedenfalls nicht die Rede sein. Bei den genannten Projekten gehe es oft nur um Umverteilen. „Und aus Erfahrung weiß ich, dass selbst abgenickte Projekte bis zum Einzug gut und gerne vier bis fünf Jahre dauern.“

Nicht alle 100 Menschen auf der Wartelisten wollen sofort einen Heimplatz.

Marion Martin (LWL)

Marion Martin, Vertreterin des LWL, gab Elkmann in diesem Punkt recht. Es werde einige Jahre dauern. Trotzdem seien derzeit Angebote in Planung. In Freckenhorst etwa sollen 22 Plätze entstehen. „16 dieser Plätze sind neu, darunter acht für Rollstuhlfahrer“, informierte Martin. Die LWL-Mitarbeiterin gab ferner zu bedenken, dass von den 100 Menschen auf der Warteliste nicht jeder sofort einen Heimplatz wünscht.

Susanne Solms, die die Sitzung des Beirates leitete, guckte zum Schluss in die Runde und betonte: „Die politischen Vertreter haben ihren Auftrag verstanden und nehmen ihn bitte mit.“

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