Ausbau der Bundesstraße 51 zwischen Telgte und Münster
Von Skepsis bis Ablehnung

Telgte -

Beim geplanten Ausbau der B 51 zwischen Telgte und Münster scheiden sich die Geister. Befürworter und Gegner haben sich bereits formiert. In der kommenden Woche soll es weitergehende Infos zum Ausbau geben. Die WN haben die Vorsitzenden der Ratsfraktionen nach der Position ihrer Partei befragt.

Freitag, 05.07.2019, 20:00 Uhr
Ein allmorgendliches und -nachmittägliches Bild auf der B 51: Pkw und Lkw stauen sich insbesondere vor der Ampelanlage am Gartencenter in Handorf. Nicht selten reicht der Rückstau bis zum Jägerhaus.
Ein allmorgendliches und -nachmittägliches Bild auf der B 51: Pkw und Lkw stauen sich insbesondere vor der Ampelanlage am Gartencenter in Handorf. Nicht selten reicht der Rückstau bis zum Jägerhaus. Foto: Flockert

Im Straßenausbauplan des Bundes ist die B 51 zwischen Telgte und Münster als vierspurige Kraftfahrtstraße vorgesehen. Die Ausbaupläne von Straßen.NRW werden immer konkreter. Eine Bürgerinitiative macht aus vielerlei Gründen inzwischen gegen die Planungen mobil. Am kommenden Mittwoch, 10. Juli, findet ab 18 Uhr eine Bürgerbeteiligung von Straßen.NRW Regionalniederlassung Münsterland mit der Unterstützung des Büros „Dialog Basis“ im Bürgerhaus statt. Die WN baten die im Telgter Rat vertretenen Fraktionen um eine Stellungnahme, wie sie zu dem Projekt stehen.

Für die CDU-Ortsunion und die Fraktion stellt Christoph Boge klar, dass die Notwendigkeit der Verbesserung der Verkehrsanbindung zwischen Telgte und Münster für Pkw und Lkw unstrittig sei. „Der jetzige Status quo ist nicht bedarfsgerecht und muss dringend verbessert werden“, so Boge. Er werde den Mobilitätsanforderungen der Bürger und der Unternehmen nicht gerecht. Endgültig festlegen möchten sich Boge und die CDU allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nicht, ob sie sich für einen Ausbau aussprechen. „Die endgültige Meinungsbildung soll erst nach der Infoveranstaltung am kommenden Mittwoch erfolgen.

Von der Veranstaltung erwarten die Christdemokraten, dass der Landesbetrieb Klarheit über den tatsächlichen Flächenverbrauch der Maßnahme und über die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für Ökologie und Artenschutz schafft. Zudem werde die anvisierte Kraftfahrtstraßenlösung erhebliche Probleme für den gesamten landwirtschaftlichen verkehr mit sich bringen. Deshalb werde diese Variante abgelehnt. „Auch nach dem Ausbau muss der landwirtschaftliche Verkehr die B 51 nutzen können“, so Boge weiter. Auch in Sachen Radwege- und Busverbindungen dürfe sich nichts verschlechtern. Fußgänger müssten die Straße problemlos überqueren können, um die Haltepunkte erreichen zu können.

Auch wenn sich die Grünen von der Infoveranstaltung mehr Detailinformationen von Straßen.NRW erhoffen, ist ganz klar, wie sich die Partei positionieren wird. „Wir setzen auf die Reduktion des Verkehrs und nicht auf den Ausbau“, sagte Fraktionschefin Sabine Grohnert. Schon vor zwei Jahren habe ihre Partei eine Resolution gegen den Ausbau eingebracht. Leider sei der im Rat nicht durchgegangen. Sabine Grohnert und die Telgter Grünen kritisieren, dass das vor mehr als 30 Jahren erstellte Konzept „sehr überholt“ sei. „Die Klimaveränderungen werden immer deutlicher. Da müssen wir doch den Verkehr reduzieren und nicht die Straßen weiter ausbauen“, so die Fraktionsvorsitzende.

Außerdem vermuten die Grünen, dass die dem Konzept zugrundeliegenden Zahlen nicht richtig sind. Der Verkehr auf der B 51 sei rückläufig und nehme nicht, wie immer wieder propagiert, zu. Zudem gehen die Grünen davon aus, dass der Flächenverbrauch noch zu niedrig dargestellt sei, um die neue Straße und die ganzen Anbindungen zu bauen. Auch dazu erhofft sich Sabine Grohnert weitergehende Informationen.

Wenn überhaupt etwas gebaut wird, dann könnte sich die Fraktionsvorsitzende vorstellen, eine zusätzliche Busspur einzurichten, um den öffentlichen Personennahverkehr zu verbessern.

Auch den Sozialdemokraten fehlen für eine endgültige und umfassende Positionierung noch entscheidende Informationen zum Umfang des Ausbaus und die genauen Wegestrecken im Verlauf der B 64 bis Rheda-Wiedenbrück. Warum muss der Ausbau der B 51 zwischen Handorf und Telgte überhaupt vierspurig erfolgen? Ist die Planung angesichts der veränderten Verkehrszahlen auf der Strecke Telgte-Münster und der zu erwartenden Umbrüche im Verkehr – Stichworte: Selbstfahrende Autos, Umstellung vieler Pendler auf E-Bikes auf dem Weg zur Arbeit – seit der letzten Bedarfsfeststellung angepasst worden? Wird nicht an der Kreuzung am Kiebitzpohl bei einem geplanten Übergang von vierspurig auf zweispurig ein neues Stauproblem entstehen? Antworten auf diese und auf weitere Fragen erhoffen sich der Fraktionsvorsitzende Klaus Resnischek und seine Kollegen von der Ratssitzung am kommenden Dienstag und von der Infoveranstaltung einen Tag später.

Mit der Bürgerinitiative B 51 hat die SPD verabredet, dass diese an der ersten Fraktionssitzung nach der Sommerpause teilnehmen wird, um ihre Argumente in die Diskussion mit einfließen zu lassen. Für die endgültige Positionierung wird es im Herbst eine Basisentscheidung aller Mitglieder der SPD in Telgte/Westbevern im Rahmen einer Mitgliederversammlung geben.

Die FDP-Fraktion stehe dem vierspurigen Ausbau der B 51 von Handorf nach Telgte kritisch und in Teilen ablehnend gegenüber, berichtet die Fraktionsvorsitzende Karin Horstmann. Dies gelte insbesondere deshalb, weil sich für die Fraktion die Frage stelle, ob die vor Jahrzehnten auf den Weg gebrachten Planungen den heutigen und zukünftigen Bedürfnissen der Menschen im Bereich der Mobilität noch gerecht würden. „Denken wir nur beispielhaft an schnelle Velorouten, an die verstärkte Nutzung von E-Bikes, an den avisierten Halb-Stundentakt der Bahn, an vermehrte Möglichkeiten des Home-Office auch in Folge des Breitbandausbaus. Dies kann dazu führen, dass wir in der nahen Zukunft völlig andere Verkehrsströme haben, als wir es heute denken“, so Horstmann weiter. „Darüber hinaus sind wir den nachfolgenden Generationen verpflichtet, mit den natürlichen und begrenzten Ressourcen verantwortungsbewusst umzugehen.“ Bei einem vierspurigen Straßenausbau müsse allen klar sein, dass dies zu ganz erheblichen Eingriffen in die Natur führe: unter anderem das Fällen von Hunderten Bäumen und die Versiegelung großer, bisher grüner Flächen. Die FDP befürchtet einen massiven Eingriff in die Natur auch in Telgte. Auch die FDP fragt sich, wie die Landwirte mit ihren Fahrzeugen bei einer ausgebauten B 51 zurechtkommen sollen.

„Wir halten es für zwingend, zunächst den Ausbau der Kreuzung Handorf/Gartencenter und die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Verkehrsfluss abzuwarten, bevor auch nur ein Baum auf der Strecke zwischen Telgte und Handorf gefällt wird“, erklärt Horstmann. Möglicherweise, und das sei sicher nicht ausgeschlossen, erweise sich dann der geplante Ausbau bis nach Telgte als nicht notwendig.

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