Kirche Handarpe jetzt geschlossen
Tränen in vielen Augen

Westerkappeln -

In einem emotionalen Zentralgottesdienst hatten die Gläubigen Gelegenheit, sich von der Kirche Handarpe zu verabschieden. Das Gotteshaus wird geschlossen. Über die weitere Nutzung wird Ende des Jahres entschieden.

Sonntag, 07.07.2019, 16:50 Uhr
Das war‘s: Die Besucher verlassen die Kirche nach dem letzten Gottesdienst.
Das war‘s: Die Besucher verlassen die Kirche nach dem letzten Gottesdienst. Foto: Dietlind Ellerich

„Das ist mein Haus, das wird mir nicht genommen“, kündigte Gerda Miete am Ende des letzten Gottesdienstes in der Handarper Kirche am Sonntagmittag an, dass sie trotzdem mal wiederkommen werde. Und nicht nur die frühere hauptamtliche Küsterin selber hatte bei ihren Worten einen Kloß im Hals und Tränen in den Augen. Gut, dass sie sich der Verstärkung durch Ehemann Friedrich, Tochter Nadine und Sohn Marco gewiss sein konnte, als ihr die Pastoren Olaf Maeder und Angelika Oberbeckmann für ihren Einsatz dankten. Gerda Miete hatte sich in den vergangenen zwölf Jahren ehrenamtlich und mit jeder Menge Herzblut im Amt der Küsterin verdient gemacht.

So lange ist es schon her, dass die kleine Kirche im Süden Westerkappelns zum ersten Mal auf der Kippe stand und ein Förderverein es sich auf die Fahne schrieb, mit unermüdlichem Engagement und der Organisation eines bunten Straußes von Veranstaltungen wenigstens die Betriebskosten zu stemmen (WN berichteten).

Nachdem das Presbyterium Anfang Mai dieses Jahres seine Entscheidung, die Kirche endgültig zu schließen, bekanntgegeben hatte, war Ende Mai in Handarpe der letzte turnusgemäße Gottesdienst gefeiert worden. Das Versprechen eines Zentralgottesdienstes, in dem alle Gläubigen von ihrem Gotteshaus Abschied nehmen können, lösten die Pastoren und das Leitungsgremium nun ein. Mehr als 80 Kinder, Frauen und Männer waren dabei, als Angelika Oberbeckmann und Olaf Maeder in einer Dialogpredigt die letzten Jahre Revue passieren ließen.

Kirche in Handarpe wird geschlossen: Zentralgottesdienst als Abschluss

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Das Lied „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“ zog sich als roter Faden durch die Worte der Geistlichen, die immer wieder deutlich machten, dass sie sich die Entscheidung nicht leicht gemacht hatten und ebenfalls traurig seien, sie haben treffen zu müssen. Nicht nur die finanzielle Situation mache es unmöglich, wie bisher weiterzumachen, auch die Mannschaft, die das Schiff auf seiner weiteren Fahrt aufs Meer hätte begleiten können, sei nach und nach kleiner geworden – und von vielen Engagierten zu Beginn auf ein „kleines Häuflein“ zum Schluss zusammengeschrumpft.

Der demografische Faktor lässt grüßen, denn auch im Pfarrberuf, in der Kirchenmusik und der Gemeindepädagogik fehle der Nachwuchs, betont Maeder

Den Vorwurf, sie seien „visionslos“ und schauten bequem zu, „wie alles den Bach hinuntergehe“, mochten die Pastoren nicht so stehenlassen. „Unsere Vision ist, uns von Gottes gutem Geist mitreißen zu lassen“, sagten sie mit Blick auf die beiden evangelischen Kirchen im Ortskern und in Hambüren mit ihren Gemeindehäusern und ihrem bunten, vielfältigen Gemeindeleben, für das sich viele mit aller Kraft einsetzten.

Dennoch, und auch wenn Gebäude weniger wichtig seien als Menschen, „sind wir traurig, wenn die Kirche in Handarpe nicht mehr existiert“, gab Olaf Maeder zu, dass es „ein bisschen wie Sterben“ sei.

Traurig waren am Sonntag nicht nur die vielen Erwachsenen, die sich für den Erhalt der Kirche stark gemacht hatten, sondern auch Julia Fliehe und Rebekka Harte. Die Katechumeninnen hatten seit dem Sommer des vergangenen Jahres den Dienst mit dem Klingelbeutel übernommen und im und nach den Gottesdiensten Kollekten gesammelt.

Ein großes Dankeschön ging auch an Peter Schwarz, der in den vergangenen Jahren als Vorsitzender des Fördervereins einige schlaflose Nächte hatte, sowie an Helga Wahlbrink für die langjährige Ausrichtung des Kaffeeklatsches immer am letzten Sonntag im Monat.

Die Zukunft des Gebäudes ist noch nicht endgültig geklärt. Ob es sinnvoll sei, es zu einem Kolumbarium umzubauen, werde durch einen Gutachter geprüft, erklärte Olaf Maeder am Sonntag. Falls daraus nichts werde, stehe der Abriss des Gotteshauses an. „Die Entscheidung fällt Ende dieses Jahres.“

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