„Wir machen das hier nicht zum Spaß“
Fridays-for-Future-Gruppen im Münsterland

Rheine/Münster -

Von 15 auf 6000 Teilnehmer: Die Klima-Demos in Münster haben im letzten halben Jahr enorm an Zulauf gewonnen. Aber auch in anderen Städten und Gemeinden im Münsterland haben sich „Fridays-for-Future”-Gruppen gebildet. Die Initiatoren bekommen dabei zu spüren, dass es gar nicht so einfach ist, die Menschen auf die Straße zu bekommen.

Montag, 08.07.2019, 17:15 Uhr aktualisiert: 08.07.2019, 18:22 Uhr
„Wir machen das hier nicht zum Spaß“: Fridays-for-Future-Gruppen im Münsterland
Vorarbeit für den Schulstreik: Jugendliche in Nottuln erstellen Plakate und Infotafeln für künftige Aktionen. Foto: Hugo Schmidt

Susanne Bien-Ahrens ist aufgeregt. Auf dem Tisch vor ihr liegen Stifte, Wassermalfarbe, Pappe und Stoffe. Gleich kommen die letzten Kurzentschlossenen vorbei, um Plakate zu malen. Es sind die letzten Vorbereitungen für die erste Demonstration der Schüler-Initiative „Fridays for Future“ in Rheine. Bien-Ahrens ist eine der Initiatorinnen.

Seit gut einem halben Jahr demonstrieren europaweit Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz. Auch im Münsterland haben sich in dieser Zeit eigene Ortsgruppen in den Städten und Gemeinden gebildet. Am längsten engagieren sich bereits die Aktivisten aus Münster, in den umliegenden Städten befinden sich viele Gruppen noch in der Aufbauphase – genauso wie in Rheine.

Wochenlange Vorbereitung

Wochenlang bereiteten sich Bien-Ahrens und ihr Team auf die Veranstaltung vor: Artspaces, Absprachen mit dem FfF-Mitgliedern aus Münster, Werbeaktionen – das waren nur ein paar ihrer Aufgaben. Der Aufwand hat sich am Ende gelohnt: Etwa 20 Kinder und Jugendliche sowie 30 Erwachsene kamen zur ersten Rheiner Mahnwache. Mit verschiedenen Rednern, bunten Plakaten und skandierten Klimaschutz-Parolen richteten sie sich nach dem Vorbild der Demos in den Großstädten.

„Fridays for Future“-Gruppen im Münsterland

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  • Foto: Johanna Nickell
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  • Foto: diverse
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  • Münster: Momentan bereiten 20 bis 30 Leute aktiv die Veranstaltungen der „Fridays for Future“-Gruppe in Münster vor. Dabei geht es unter anderem um Mahnwachen und die monatlichen Großdemos, aber auch um die Bestellung von Flyern. Zurzeit arbeitet die Gruppe an ihren Forderungen an die kommunale Politik. Die Organisatoren treffen sich jeden Samstag. Wer mitmachen oder sich informieren möchte, kann die Ortsgruppe bei Demonstrationen oder Mahnwachen ansprechen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ahlen: Aktuell gibt es in der Ortsgruppe drei Planungsmitglieder. Sie veranstalten alle zwei Wochen Demonstrationen vor Ort und schicken außerdem Delegierte zu den Großdemos in der Umgebung. Kontaktieren können Interessierte die Ortsgruppe am Besten über Instagram , WhatsApp  oder per E-Mail an fridaysforfuture.ahlen@gmail.com.

    Foto: Peter Schniederjürgen
  • Borken: 20 Leute engagieren sich im Organisations-Team der Ortsgruppe. Sie organisieren Demonstrationen, Fahrradtouren, Kleidertauschpartys und diverse Vernetzungstreffen. Außerdem stehen sie im Austausch mit der Stadtverwaltung und der Kommunalpolitik. Die Organisatoren treffen sich einmal wöchentlich. Kontakt per WhatsApp , Instagram  oder E-Mail (borken@fridaysforfuture.de)

    Foto: Fridays for Future Borken
  • Nottuln: Die Ortsgruppe in Nottuln ist gerade neu gegründet, hat aber bereits über 50 Mitglieder. Sie helfen Schülern, zu den Mahnwachen und Demonstrationen in Münster zu kommen, planen Aufräumaktionen in Nottuln und nehmen an den Gemeinde-Ausschusssitzungen teil. Kontaktieren kann man sie am besten über ihre Instagram-Seite .

    Foto: Hugo Schmidt
  • Rheine: Die Gruppe in Rheine befindet sich ebenfalls in der Gründungsphase. Es gibt drei Organisatoren, in einer Info-Gruppe befinden sich allerdings schon 100 Mitglieder. Die Gruppe hat gerade ihre erste Demonstration in Rheine organisiert und plant Teilnahmen an Demonstrationen in Münster sowie Gespräch mit der kommunalen Politik. Kontakt per WhatsApp  oder Instagram .

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Steinfurt: Die „Fridays for Future“-Ortsgruppe besteht aus 18 Mitgliedern. Die meisten Mitglieder nehmen an den Mahnwachen in Münster oder an internationalen Demonstrationen im Umkreis teil. Allerdings arbeitet die Gruppe gerade ebenfalls im Aufbau. Wer sich engagieren möchte, kann die Gruppe am besten per WhatsApp kontaktieren.

    Foto: Anna Spliethoff
  • Warendorf: Das Organisationsteam besteht aus zehn Leuten. Momentan bestehen ihre Aufgaben aus Planungen, Recherchearbeit, Social-Media-Arbeit sowie Teilnahme an Demonstrationen. Die Gruppe arbeitet zudem an einem Forderungskatalog für Warendorf. Kontakt zur Gruppe gibt es am Besten über Facebook  und Instagram .

    Foto: Joachim Edler

Für die Zukunft hoffen die Initiatoren, dass noch viel mehr Rheinenser mitmachen werden: „Wir haben einen Tipp aus Münster bekommen: Sie selbst seien mit 15 Leuten angefangen, wir sollten uns also nicht entmutigen lassen“, sagt Bien-Ahrens.

Von 15 auf 6000 Teilnehmer in Münster

Denn aus den 15 Leuten, die damals bei der ersten FfF-Mahnwache in Münster dabei waren, sind bereits regelmäßige Groß-Demos mit bis zu 6000 Leuten geworden. Philipp Schröder aus Münster war bei der ersten Mahnwache bereits dabei: „Ich war damals echt enttäuscht, dass so wenige Leute dabei waren“, sagt er im Rückblick. Aufgegeben habe er aber nicht. Mit der Zeit kamen immer mehr Leute zu den Veranstaltungen.

Weltweiter Klimastreik am 24. Mai 2019

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  • Weltweit streiken am 24. Mai 2019 junge Menschen für eine konsequente Klimapolitik.

    Foto: Oliver Werner
  • In Münster versammelten sie sich um 10 Uhr auf dem Prinzipalmarkt.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Polizei nannte zuerst eine geschätzte Teilnehmerzahl von 2000,...

    Foto: Oliver Werner
  • ...korrigierte sie aber später auf 6000.

    Foto: Oliver Werner
  • Vom Prinzipalmarkt aus zogen die Demonstranten über Universitätsstraße, Aegidiistraße, Weseler Straße und Moltkestraße zum Ludgerikreisel, um von dort über die Ludgeristraße zum Ausgangspunkt zurückzukehren.

    Foto: Oliver Werner
  • Sehen Sie im Folgenden weitere Bilder der Protestveranstaltung.

    Foto: Oliver Werner
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Seit gut sechs Monaten engagieren Philipp Schröder und Sophia Kegel sich in der münsterischen Ortsgruppe. 20 bis 30 Schüler engagieren sich darin aktiv – und stecken einen Großteil ihrer Zeit in die Bewegung: „Ich glaube, ich hatte bereits öfter eine 40 Stunden Woche ohne Bezahlung. Arbeit gibt es echt immer“, sagt Philipp. Aber der Aufwand lohne sich: „Wir sind ja alle größtenteils minderjährig und können nicht wählen. Das hier ist also unsere Chance, etwas zu verändern“, ergänzt Sophia. Und sie wollen so lange streiken, bis wirklich etwas verändert wird. „Wir machen die ganze Arbeit ja nicht zum Spaß.“

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Sophia Kegel und Philipp Schröder aus Münster versuchen, „Fridays-for-Future”-Gruppen in anderen Orten zu motivieren. Foto: Jürgen Christ

Deshalb wollen sie andere weiterhin motivieren, sich zu engagieren. „Wir brauchen mehr Leute, die aktiv mitmachen, und freuen uns natürlich, wenn es mehr Ortsgruppen in der Umgebung gibt“, schildert der 15-Jährige. „Viele davon sind noch in der Gründungsphase, die versuchen wir dann zu motivieren, da weiter voranzugehen.“

„Die Bereitschaft ist da“

In Rheine wollen die Klimaaktivisten definitiv weitermachen – dann aber in anderer Besetzung. „Eigentlich wollte ich den Jugendlichen in Rheine nur ein wenig Starthilfe bieten“, sagt Susanne Bien-Ahrens lachend. „Ich bin ja schon Oma, das ist eine Bewegung für junge Leute.“ Während einer Kampagne für die Europawahl ist sie aber auf den Geschmack gekommen und setzte sich mit einer Gruppe Jugendlicher für die erste Demo in Rheine ein. Jetzt will sie sich aber zurückziehen: „Das sollen die jungen Leute übernehmen.“ Im Hintergrund arbeitet sie allerdings schon an einer „Parents for Future“-Gruppe in Rheine.

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Susanne Bien-Ahrens will das Feld in Rheine jetzt Jüngeren überlassen. Foto: Wilfried Gerharz

Der 15-jährige Linus Walter will die Arbeit jetzt fortsetzen. Für ihn ist es an der Zeit, dass sich auch in Rheine eine aktive Ortsgruppe bildet. „Es hat zwar schon Versuche gegeben, eine Gruppe zu etablieren, aber die sind immer wieder eingeschlafen“, berichtet der Rheinenser. Jetzt gibt es die nächste Chance: „Die Demo war als erster Impuls echt interessant“, sagt Linus Walther im Rückblick. Das Interesse in Rheine sei groß – ohne Scheu vor der Arbeit: „Die Bereitschaft ist da“, sagt Walter. Er plant am Freitag, 12. Juli, bereits die nächste Demo in der Emsstadt.

„Fridays for Future“ von Montag bis Freitag

„Fridays for Future“ geht auch an anderen Wochentagen: In Köln hat am Montag die erste mehrtägige Schüler-Demo für Klimaschutz begonnen. Sie soll bis Freitag dauern und mit einer großen Demo durch die Innenstadt enden. Auch nachts soll im Schichtbetrieb weitergestreikt werden –  anders als zuerst geplant, allerdings erst ab Dienstagabend. Die demonstrierenden Schüler, Studenten und Auszubildenden mussten am Montag zunächst auf den Bahnhofsvorplatz ausweichen, weil nach der Christopher-Street-Day-Parade vom Sonntag in der Altstadt noch abgebaut wurde. Am Montagmorgen versammelten sich über 70 Demonstranten. Ein Sprecher der Bezirksregierung Köln wies darauf hin, dass auch in der letzten Woche vor den Sommerferien Schulpflicht bestehe. Ob montags oder freitags gestreikt werde, sei egal. „Schulpflicht besteht bis zum letzten Schultag. Wir sind da der langweiligste Part, wir sind da an das Gesetz gebunden.“

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