Berufung vor dem Landgericht
Bewährungsstrafe dank Formfehler

Münster/Eggerode -

Eine gefährliche Körperverletzung zog im Oktober 2016 einen tiefen Graben durch Eggerode. Das Amtsgericht Ahaus hatte einen Mann 2017 zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten verurteilt. Nun obsiegte der Angeklagte vor dem Landgericht Münster mit seinem Berufungsverfahren. Das Gericht sah eine positive Sozialprognose und setzte die Strafe zur Bewährung aus. Dies war jedoch nur wegen eines Fehlers bei der Gesamtstrafenbildung in der ersten Instanz möglich.

Dienstag, 09.07.2019, 07:00 Uhr
Das Landgericht Münster musste jetzt in einem Berufungsverfahren über eine Bewährungsstrafe für einen Eggeroder entscheiden.
Das Landgericht Münster musste jetzt in einem Berufungsverfahren über eine Bewährungsstrafe für einen Eggeroder entscheiden. Foto: dpa

So verbietet die Strafprozessordnung ein Aussetzen zur Bewährung, wenn die Freiheitsstrafe zwei Jahre übersteigt. Wegen eines Datierungsfehlers wurde eine weitere Tat jedoch zu Unrecht mitabgegolten. Die ursprüngliche Gesamtstrafe musste in zwei aufgeteilt werden, sodass zwei bewährungsfähige Strafen entstanden. In dem Verfahren vor dem Landgericht ging es folglich nur um die persönlichen Umstände des Angeklagten, konkret ob ihm eine positive Prognose bezüglich der Bewährung erteilt werden kann.

„Es gibt nicht so viel, was für Sie spricht“, sagte der Vorsitzende Richter angesichts des langen Vorstrafenregisters sowie der Tatsache, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt noch unter Bewährung stand. Natürlich fiel auch das brutale Ausmaß der Körperverletzung, dem ein langer Nachbarschaftsstreit vorausging, schwer ins Gewicht.

Auf das am Boden liegende Opfer hatte der 50-Jährige noch eingetreten. Eine Woche lag der Geschädigte im Krankenhaus und weitere sieben Monate war er krankgeschrieben. Das Opfer fühlt sich noch immer nicht sicher und lehnte eine Entschuldigung seines Peinigers ab: „Es ist nicht einfach, mit so einem Menschen zusammenzuleben, und ob er sich ändert, ist fraglich.“

Positiv wertete das Landgericht, dass der Angeklagte seine Berufung allein auf das Strafmaß beschränkte und die Tatsachen aus dem ersten Urteil anerkannte. Da er sich vor dem Amtsgericht noch nicht vollkommen geständig gezeigt hatte, war diese Beschränkung als Eingeständnis zu werten.

Außerdem überzeugte der 50-Jährige mit seinem reuigen Auftreten. Vor dem Amtsgericht hatte er ein Video von der Tat gesehen, was eine Zäsur in seinem Leben bedeutet habe: „Was ich angerichtet habe, tut mir mehr als leid. Wenn ich könnte, würde ich es rückgängig machen. Aber das geht nicht.“

Ausschlaggebend für die positive Sozialprognose war, dass sich der Angeklagte seit drei Jahren in einer Gewaltberatung befindet und für diese selbst aufkommt. Als Auflage sprach das Gericht eine Zahlung von 5000 Euro an den Geschädigten aus.

Nachrichten-Ticker