„Seenotrettung ist Pflicht“
Westfälische Landeskirche sorgt sich um Flüchtlinge

Hamm -

Die Evangelische Kirche von Westfalen fordert eine neue EU-Rettungsmission für Flüchtlinge im Mittelmeer. „Seenotrettung ist eine staatliche Aufgabe“, betonte der Theologische Vizepräsident der viertgrößten deutschen Landeskirche, Ulf Schlüter, vor Journalisten in Hamm. Beim Thema Kirchenasyl will sich die Kirche außerdem nicht von staatlichen Stellen einschüchtern lassen.

Dienstag, 09.07.2019, 16:40 Uhr aktualisiert: 09.07.2019, 16:50 Uhr
Die Bilder von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer lassen die Evangelische Landeskirche nicht kalt.
Die Bilder von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer lassen die Evangelische Landeskirche nicht kalt. Foto: dpa

Bilder von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer und die Querelen um blockierte private Rettungsschiffe beunruhigen die Evangelische Kirche von Westfalen zutiefst: Sie fordert daher eine neue EU-Rettungsmission. „Seenotrettung ist eine staatliche Aufgabe“, betonte der Theologische Vizepräsident der mit über zwei Millionen Gläubigen viertgrößten deutschen Landeskirche, Ulf Schlüter, vor Journalisten in Hamm.

Man lässt keinen ertrinken, der in Not ist.

Präses Annette Kurschus

Die Europäische Union müsse die Rettung von Flüchtlingen auf See wieder aufnehmen. Präses Annette Kurschus fügte hinzu, Seenotrettung sei nicht nur ein Akt der Nächstenliebe, „sondern eine Menschen- und Bürgerpflicht“. „Man lässt keinen ertrinken, der in Not ist“, betonte die stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Ob sich die westfälische Kirche an einem Rettungsschiff eines Bündnisses der EKD und zivilgesellschaftlicher Gruppen beteiligen wird, ist noch nicht geklärt. Laut Kurschus will sich der Rat der EKD im September mit dem Thema befassen.

Notwendigkeit des Kirchenasyls

Von der Flucht zum Asyl: Vizepräsident Schlüter verteidigte erneut die Notwendigkeit des Kirchenasyls in Härtefällen. Allerdings habe er das Gefühl, dass das Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) dieses Kirchenasyl und die Gemeinden, die sich mit entsprechenden Dossiers an das Amt wenden, „auf kaltem Wege ins Leere laufen lässt“. Endeten früher rund 80 Prozent der Kirchenasylfälle mit einem Verbleib in Deutschland, so liege diese Quote zuletzt nur noch bei 1,4 Prozent. Es entstehe der Eindruck, dass nur noch pauschal und mechanisch geprüft werde und das Ergebnis von vornherein feststehe.

Sexuelle Gewalt in den eigenen Reihen

Auch die Landeskirche hat es derzeit mit rund 20 bis 30 Fällen sexueller Gewalt in ihren Reihen zu tun. Präses Kurschus setzt auf neue Verhaltens- und Schutzkonzepte. Zentrale Ansprechpartnerin ist seit einem halben Jahr Kirchenrätin Daniela Fricke.

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