Kirchplatz: Baustelle auf ehemaligem Friedhof
Gebeine beim Graben entdeckt

Senden -

Beim Buddeln auf dem Kirchplatz wurden menschliche Knochen entdeckt – Hinterlassenschaft eines Friedhofs, den die Pfarrgemeinde dort betrieben hatte. Die Gebeine werden erneut bestattet.

Mittwoch, 10.07.2019, 17:58 Uhr aktualisiert: 10.07.2019, 18:58 Uhr
An dieser Stelle neben dem Kreuz an der Ostseite der Kirche werden die Gebeine erneut beigesetzt.
An dieser Stelle neben dem Kreuz an der Ostseite der Kirche werden die Gebeine erneut beigesetzt. Foto: di

Die Bauarbeiter, die am Kirchplatz in die Tiefe drangen, machten dabei eine Entdeckung: Sie stießen auf Knochen, teilt die Gemeinde mit. In Absprache mit der Pfarrgemeinde St. Laurentius werden die Gebeine am Samstag (13. Juli) erneut beigesetzt.

Pfarrer Klemens Schneider betont gegenüber den WN, dass ihm diese Geste ein Anliegen ist: „Für mich geht es um die Achtung derer, die vor uns gelebt haben.“ Deswegen sei es wichtig, die Gebeine, die an mehreren Stellen lagen, wieder in den Bereich ihrer ursprünglichen Ruhestätte zu bringen und der Verstorbenen zu gedenken.

Die menschlichen Knochen stammen vom Friedhof der Pfarrgemeinde St. Laurentius, der sich einstmals fast über die Fläche des heutigen Kirchplatzes erstreckte, schildert Karl Schulze Höping. Der zweite Vorsitzende des Heimatvereins Senden, der auch bei Nachtwächterführungen sein Wissen zum Besten gibt, ist sattelfest in der Lokalhistorie.

Bestattungen auf Gottesacker an Kirche bis 1848

Demnach endeten im Jahr 1848 in Senden die Beerdigungen auf dem Gottesacker an der Kirche. Denn: Der damalige Pfarrer Wilhelm Schulz hatte für die damals rund 2500 „Seelen“ umfassende Gemeinde (was der Einwohnerzahl entsprach) den Plan mit Bistum und Gremien geschmiedet, die kleine spätgotische Pfarrkirche durch einen Neubau zu ersetzen. Die Größe des Vorgängerbaus, so Schulze Höping, entsprach in etwa den Säulenreihen in der heutigen Pfarrkirche.1851 wurde Hilger Hertel, Architekt und Diözesanbaumeister in Münster, mit einem Neubau für Senden beauftragt. Der 1870 dann tatsächlich in Angriff genommen worden sei, wie der Lokalhistoriker berichtet. Dafür wurde die Kirche St. Laurentius „alt“ abgerissen, auf deren Fläche der größere Säkularbau entstehen sollte. Eine hölzerne Notkirche stand den Gläubigen gegenüber dem Pastorat zur Verfügung. Die Ruhezeit mancher Gräber verkürzte sich auf 22 Jahre. Auf dem neuen Friedhof auf Wünnings Kämpken, der heutige Laurentius-Friedhof, wurden ab 1848 Beisetzungen durchgeführt. Die Absicht der Pfarre, auf einem zu errichtenden kommunalen Friedhof die Bestattungen durchführen zu lassen, scheiterte an einer Intervention des Bischofs von Münster, lauten weitere Angaben von Schulze Höping. Der Oberhirte habe es als unabdingbar betrachtet, dass katholische Sendener auf einem kirchlichen Friedhof ihre letzte Ruhestätte finden.

Erneute Beisetzung aus Respekt vor Verstorbenen

Respekt vor den Verstorbenen und deren ewige Ruhe ist es, weshalb Pfarrer Schneider am Samstag, 11.30 Uhr, in einer kleinen Zeremonie am Kreuz an der Laurentius-Kirche/Münsterstraße die vielen aufgefundenen Gebeine erneut beisetzt. Gäste sind bei der Feier willkommen. Die Bauarbeiter, so hieß es an der Baustelle, waren nur mäßig erstaunt, Knochen an einer Kirche zu entdecken: Das komme immer wieder vor.

Nachrichten-Ticker