Zwischenbilanz im Münsterland
„Wir werden mit dem Eichenprozessionsspinner leben müssen“

Münster/Düsseldorf -

Es ist eine Plage: Der Eichenprozessionsspinner sorgt noch immer im Münsterland für schmerzhafte Hautverletzungen. Und Experten sind sich sicher: Die Gefahr wird bleiben.

Freitag, 12.07.2019, 12:27 Uhr aktualisiert: 12.07.2019, 14:12 Uhr
Der Eichenprozessionsspinner breitet sich aus. 
Der Eichenprozessionsspinner breitet sich aus.  Foto: David Ebener/dpa

Keine guten Aussichten: „Der Eichenprozessionsspinner hat sich spätestens seit diesem Jahr in ganz Deutschland ausgebreitet“, sagt Heinz-Peter Hochhäuser, Leiter des Regionalforstamtes Münsterland. Und er fügt hinzu: „Wir werden auch in Zukunft damit leben müssen. Der Eichenprozessionsspinner gehört zu unserem Ökosystem hinzu.“

Seit März hat sich die Raupe von Niedersachsen in Richtung Süden ausgebreitet und in allen vielen Städten und Gemeinden für Alarm gesorgt. Besonders die fast unsichtbaren Brennhaare der Tiere haben vor allem bei Kindern zu teils äußerst schmerzhaften Haut- und Augenverletzungen geführt.

Die zuständigen NRW-Ministerien für Gesundheit und Landwirtschaft riefen die Bürger auf, jeden Kontakt zu den Tieren zu vermeiden, bei ernsten Beschwerden sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Hinter vorgehaltener Hand wird die Schwere der Lage schon mit der Hochwasserkatastrophe von 2002 in Ostdeutschland verglichen.

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Erste Bilanz im Münsterland

Einen besonders starken Befall registrierte der Landesbetrieb Wald und Holz im innerstädtischen Bereich. „Das könnte daran liegen, dass sich der Eichenprozessionsspinner in einzelnen Baumansiedlungen wohler fühlt als zum Beispiel im dichteren und kühleren Wald“, erklärt Hochhäuser. Auch werden die Tiere eher vom Licht angezogen. „Die lieben das urbane Umfeld.“

Auch wenn die unmittelbare Gefahr im Moment etwas kleiner geworden ist (die Verpuppungsphase ist im letzten Stadium), ziehen Städte und Gemeinden eine erste Bilanz. „Das ist eine ungeheure Aufgabe für unsere Experten. Die fast flächendeckende Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in der Stadt Münster schlägt schon jetzt mit 100.000 Euro zu Buche“, sagt eine Sprecherin der Stadt Münster. Auch in anderen Gemeinden liegen die Kosten für die Beseitigung der Nester nicht viel niedriger. Viele Gemeinden bereiten sich jetzt schon auf den nächsten starken Ausbruch vor.

So werden Eichenprozessionsspinner bekämpft

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  • Was tun gegen die Gespinste des Eichenprozessionsspinners? So gehen Profis vor:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit Schutzanzügen bekleidet lassen sich die Schädlingsbekämpfer – hier vom Unternehmen „AstWerk“ per Hubwagen in die Baumkronen hieven.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein Haarspray kommt zur Fixierung des Gespinstes zum Einsatz.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Dann wird das Nest von Hand abgenommen...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ...und in einer Plastiktüte verpackt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Eine weitere Möglichkeit zur Entfernung der Nester: Absaugen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit einem Industriestaubsager werden die Gespinste entfernt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Anschließend werden die betroffenen Stellen an der Eiche gründlich abgesaugt und mit einem Haarspray imprägniert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 40 bis 50 Nester können von einer Kolonne am Tag beseitigt werden.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Eichenprozessionsspinner werden samt ihrer reizenden Brennhaare entsorgt.

    Foto: Matthias Ahlke

Der beste Schutz ist laut Hochhäuser auch in der Natur. „Wir müssen dafür sorgen, dass die natürlichen Feinde der Raupe wie Singvögel oder Fledermäuse bei uns leben können. Die bekämpfen die Raupe.“ Vielleicht, so hat der Fachmann zum Schluss noch einen Hoffnungsschimmer parat, kann die Population des Eichenprozessionsspinners auch irgendwann einmal zusammenbrechen. „Sonst müssen wir das halt hinnehmen.“

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