Immobilienpreise
RWI-Studie: Wohnen wird im Münsterland extrem teuer

Münsterland -

Wohnen in Münster ist vielleicht schön, aber teuer. Wer da dem Leben auf dem Land den Vorzug gibt, darf sich nicht wundern: Auch hier sind die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren deutlich nach oben geklettert.

Mittwoch, 17.07.2019, 06:30 Uhr aktualisiert: 21.07.2019, 17:48 Uhr
Immobilienpreise: RWI-Studie: Wohnen wird im Münsterland extrem teuer
Foto: Quelle: RWI, Grafik: Ann-Kathrin Schriever

Wer eine Immobilie in Münster besitzt, kann sich glücklich schätzen. Wohnraum ist im Oberzentrum so knapp wie begehrt. Folglich sind die Preise in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen, man kann auch sagen: explodiert. Das Nachsehen hat derjenige, der in Münster ein Haus oder ein Eigentumswohnung kaufen möchte. Das ist die Kehrseite der Medaille.

Um durchschnittlich 100 Prozent haben sich die Preise für Häuser in Münster zwischen 2008 und 2018 nach oben entwickelt. Bei Eigentumswohnungen liegt das Plus im Mittel bei fast 73 Prozent. Das ist das regionale Ergebnis einer bundesweiten Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts RWI aus Essen. Steigen die Preise, erhöhen sich natürlich auch die Mieten.

Münster und das Münsterland boomen

Münster liegt mit einer Wertsteigerung von exakt 103,07 Prozent Plus bei Häusern in NRW auf Platz vier nach Düsseldorf (plus 123 Prozent), Köln (plus 116) und Bonn (plus 103,4). Und bei Eigentumswohnungen mit einer Preissteigerung von 72 Prozent auf Rang drei hinter Düsseldorf (plus 98,1) und Köln (plus 88,1).

Die Zahlen für die Boomstadt Münster überraschen natürlich nicht. Interessant hingegen ist, dass sich der Trend auch im Münsterland niederschlägt.

Im Kreis Warendorf stieg der Wert eines Hauses im angegebenen Zeitraum um 30 Prozent (Wohnungen plus 22 Prozent). Im Kreis Steinfurt lag das Plus beim Haus bei 21 Prozent und bei einer Wohnung bei 26 Prozent. Im Kreis Borken kostete 2018 ein Haus durchschnittlich 20 Prozent mehr als 2008 (Wohnung plus 17 Prozent) und im Kreis Coesfeld betrug die Wertsteigerung bei rund 20 Prozent, während eine Wohnung 21 Prozent mehr kostete. „Generell kann man sagen, dass die Preise umso mehr steigen, je näher ein Ort an einem attraktiven Oberzentrum liegt“, sagte Sandra Schaffner, Leiterin des Forschungsdatenzentrum Ruhr am RWI, auf Nachfrage. Naheliegend.

2400 Wohnungen fehlen

Die Ergebnisse der Essener Forscher decken sich mit den Zahlen und Erkenntnissen, die im Mai in der regionalen Studie „Gut Wohnen im Münsterland – eine Macher-Region mit enormem Potenzial“ von der Stadt Münster, den Kreisen, Sparkassen und der Wohnbau-Unternehmensgruppe veröffentlicht wurden. Danach fehlt in der gesamten Region Wohnraum. Knapp 10 000 Wohnungen müssten pro Jahr in Münster und den vier Kreisen gebaut werden, nur um den Bedarf zu decken, sagte der Studienleiter des Hannoveraner Pestel-Instituts, Matthias Günther, das die Untersuchung durchgeführt hatte. 2017 entstanden im Münsterland aber nur 7600 Wohnungen.

Demo für mehr bezahlbaren Wohnraum

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  • Am Mittwoch (10. Oktober) demonstrieren rund 50 Menschen auf der Windthorststraße für mehr Wohnraum für Studierende. Der AstA der WWU hatte zu der Demonstration aufgerufen.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • „Weil Wohnheime saniert werden, fallen viele Wohnmöglichkeiten weg“, sagte Luca Horoba, AStA-Referent für Soziales und Wohnen, vor der Demonstration.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Mit vielen kreativen Schildern machen diese Studentinnen ihrem Ärger Luft.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Kreativ waren die Plakat-Schreiber allemal.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Studenten gehen für Wohnraum auf die Straße Foto: Pjer Biederstädt
  • Studenten gehen für Wohnraum auf die Straße Foto: Pjer Biederstädt
  • Studenten gehen für Wohnraum auf die Straße Foto: Pjer Biederstädt
  • Studenten gehen für Wohnraum auf die Straße Foto: Pjer Biederstädt
  • Studenten gehen für Wohnraum auf die Straße Foto: Pjer Biederstädt
  • Studenten gehen für Wohnraum auf die Straße Foto: Pjer Biederstädt
  • Studenten gehen für Wohnraum auf die Straße Foto: Pjer Biederstädt
  • Studenten gehen für Wohnraum auf die Straße Foto: Pjer Biederstädt
  • Studenten gehen für Wohnraum auf die Straße Foto: Pjer Biederstädt
  • Studenten gehen für Wohnraum auf die Straße Foto: Pjer Biederstädt
  • Studenten gehen für Wohnraum auf die Straße Foto: Pjer Biederstädt
  • Studenten gehen für Wohnraum auf die Straße Foto: Pjer Biederstädt
  • Studenten gehen für Wohnraum auf die Straße Foto: Pjer Biederstädt
  • Studenten gehen für Wohnraum auf die Straße Foto: Pjer Biederstädt
  • Studenten gehen für Wohnraum auf die Straße Foto: Pjer Biederstädt
  • Studenten gehen für Wohnraum auf die Straße Foto: Pjer Biederstädt

Der Mangel lässt die Preise explodieren. Das ist zwangsläufig. „Die Städte und Gemeinden hätten diese Entwicklung antizipieren können“, sagte RWI-Ökonomin Schaffner. Sie hätte auch sagen können: Die Kommunen haben den Trend verpennt. Lange Zeit war das Wort von der Landflucht in Stein gemeißelt. Dem entsprechend zögerlich wiesen die Regionalplanung und Gemeinden neue Baugebiete aus. Sowohl das Pestel-Institut wie auch das RWI kommen mit Blick aufs Münsterland zu dem Ergebnis, dass eher das Gegenteil zu tun das Richtige wäre. Und nun?

In der Konsequenz mehr Bauland ausweisen natürlich. „Je weiter man weg ist von Münster, desto vorsichtiger“, sagte der Warendorfer Landrat Dr. Olaf Gericke bei der Präsentation der Pestel-Studie.

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