Neuer Ärger in Ahlen
Ratten-Akrobatik auf dem Antennenkabel

Ahlen -

Reihenweise Ratten auf einem Antennenkabel: Familie Szymanski aus Ahlen hat von ihrem Grundstück aus freien Blick auf die Krabbelkünstler im Nachbargarten. An einem Abend sollen es 30 Stück auf langer Leitung gewesen sein.

Donnerstag, 18.07.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 18.07.2019, 20:33 Uhr
Jessica Szymanski mit Sohn Florian: Sie wohnen in dem weißen Haus. An dem roten gleich nebenan hängt das Antennenkabel, über das die Ratten aufs Dach kommen.
Jessica Szymanski mit Sohn Florian: Sie wohnen in dem weißen Haus. An dem roten gleich nebenan hängt das Antennenkabel, über das die Ratten aufs Dach kommen. Foto: Ulrich Gösmann

Drahtseilartistik – die gibt‘s an der Fritz-Husemann-Straße täglich frei Haus. Ein Antennenkabel mausert sich seit Monaten zu einer stark frequentierten Laufstrecke für Ratten. Die Szymanskis gleich nebenan haben in ihrem Garten Logenplätze für ein Naturschauspiel, auf das sie gerne verzichten würden.

Behörden werden nicht aktiv

Dem in die Schlagzeilen geratenen Rattenhaus am Lütkeweg setzen Christian und Jessica Szymanski am Donnerstag ihre Geschichte auf der anderen Seite der Stadt entgegen, die sich immer weiter aufbaue, weil von behördlicher Seite nichts passiere. Vor einem Jahr übernahm die junge Familie das kleine Reihenhaus im Stadtteil „Mexiko“ – und gönnte sich einen blickdichten Zaun, um den Unrat in Nachbars Garten nicht ständig vor Augen haben zu müssen.

Doch damit sollte es nicht getan sein. „Eine andere Nachbarin hat irgendwann wie am Spieß geschrien“, erinnert sich Jessica Szymanski an den Moment, an dem auch sie hellhörig geworden seien. Vor drei Monaten hätten sie dann selbst die erste Ratte über das Antennenkabel krabbeln sehen, das unter einer Dachpfanne verschwindet und sich runter in den mit Unrat überladenen Garten schwingt.

„Einen Abend hatten wir Besuch. Da sind 30 Ratten hintereinander weg da hoch geklettert. Eine davon so groß wie einer unserer Hunde“, berichtet die 31-Jährige – und legt nach: „Sind wir fertig mit dem Grillen und gehen rein, dann sitzen die Ratten sofort auf dem Rost und fressen die Reste runter.“ Dass auch nachts in ihrem Garten was läuft, lasse sich allmorgendlich an frisch aufgewühlten Löchern, Kot und Essensresten ablesen. In den aufblasbaren Pool seien sogar schon Löcher gefressen worden.

Man hört, wie sie durch die Dachrinne krabbeln. Man hört sie fiepen.

Jessica Szymanski

Über das Antennenkabel ziehen die Nager weiter. „Man hört, wie sie durch die Dachrinne krabbeln. Man hört sie fiepen“, erzählt Jessica Szymanski. Für ihre Stieftochter seien die heißen Sommerwochen der reinste Albtraum gewesen. „Draußen 30 Grad und in ihrem Dachgeschosszimmer 50 bis 60 Grad. Sie traut sich nicht mal mehr zu lüften.“

Nachbarschaftsgespräche habe es gegeben, aber ohne Erfolg. „Mein Mann hat ihnen sogar angeboten, einen Abtransport des ganzen Schrotts zu organisieren.“ Inklusive der eingeparkten Schrottautos. Doch das sei dankend abgelehnt worden. Die Nachbarn ein Haus weiter ließen sich schon seit zwölf Jahren vertrösten. Die Einrichtungsfachberaterin in Elternteilzeit meidet mit ihren Kindern und den beiden Chiwawa-Hunden den Garten, nachdem die Ratten ihrem Mann sogar schon zwischen den Beinen hergelaufen seien. Eine habe er kürzlich mit dem Gartenschlauch auf dem Antennekabel erwischt. Die habe sich daraufhin artistisch abgeseilt.

Behördentermine gab‘s schon mehrere. Das Ordnungsamt sei bei ihnen gewesen und auch das Gesundheitsamt. „Passiert ist nichts. Das sei Privatgrundstück und da könne man nichts machen“, zeigt sich die Ahlenerin sprachlos.

 

 

Passiert ist nichts. Das sei Privatgrundstück und da könne man nichts machen.

Jessica Szymanski

Michael Göttfert,Leiter des Ordnungsamtes, bestätigt einen Ortstermin am 7. Mai zusammen mit dem Kreis-Gesundheitsamt: „Weder haben wir Ratten gesehen, noch ihre Hinterlassenschaften oder typische Begebenheiten, die Ratten anziehen würden.“ Es habe sich kein Handlungsbedarf gezeigt. Dass das Nachbargrundstück für den Otto-Normalverbraucher wirr und schlimm aussehe, diese Ansicht teile er. Man habe keine Anzeichen dafür gefunden, dass von dort das Rattenproblem ausgehe. Das Kreis-Umweltamt habe die Auflage gemacht, dass drei abgestellte Schrottautos bis zum August zu beseitigen seien.

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