Drillinge für Familie Diepenbrock
Aller guten Dinge sind drei

Nordwalde -

Bei Familie Diepenbrock ist die Welt seit 13 Wochen eine andere: Seitdem sind die Drillinge Lia, Leo und Lyn auf der Welt. Für die Eltern Eva und Kai Diepenbrock hat eine anstrengende, aber auch schöne Zeit begonnen. Sorgen bereiten manchmal Tochter Lyn, die bereits drei Mal operiert werden musste, und die Frage nach einer Familienpflegerin.

Samstag, 20.07.2019, 13:00 Uhr aktualisiert: 20.07.2019, 14:37 Uhr
Mehrlinge sind in der Familie von Eva Diepenbrock (kl. Bild) nicht selten. Ihre Geschwister etwa sind Zwillinge. Drillinge, das gab es bislang aber nicht. Bis Lyn (v.l.), Leo und Lia vor 13 Wochen auf die Welt gekommen sind.
Mehrlinge sind in der Familie von Eva Diepenbrock (kl. Bild) nicht selten. Ihre Geschwister etwa sind Zwillinge. Drillinge, das gab es bislang aber nicht. Bis Lyn (v.l.), Leo und Lia vor 13 Wochen auf die Welt gekommen sind. Foto: Vera Szybalski

Als Eva Diepenbrock von ihrer Frauenärztin hört, was der positive Schwangerschaftstest noch nicht erahnen ließ, ist sie „total geschockt“. In ihrem Bauch wächst nicht nur eins, sondern gleich drei Babys heran. Anders als Eva Diepenbrock reagiert ihr Mann Kai freudig-entspannt auf die Nachricht, dass sie Drillinge erwarten: „Er hat gesagt: ‚Drei? Wie geil ist das denn?‘“

Die Drei sind heute 13 Wochen alt, hören auf die Namen Lia, Leo und Lyn und sorgen im Hause Diepenbrock für jede Menge Trubel. „Sie schlafen noch viel. Aber sie gucken einen jetzt schon richtig an und sie fangen an, einen anzulächeln“, sagt Eva Diepenbrock. Für die 29-Jährige und ihren Mann sind es die ersten Kinder. Beide haben drei Geschwister, beide wollten immer mehrere Kinder. Jetzt hat das Ehepaar die Babys gleich auf einmal bekommen. Über ihre Schwangerschaft sagt Diepenbrock: „Ich habe mich bis zum Ende gut gefühlt.“

Drillinge müssen auf Frühchenstation

Am Ende, zu dem Zeitpunkt liegt sie bereits fünfeinhalb Wochen im Krankenhaus. Bei einer Routineuntersuchung im Uniklinikum Münster stellen die Ärzte fest, dass der Gebärmutterhals verkürzt ist. Diepenbrock muss sofort in der Klinik bleiben. „Das war nicht schön, aber es gibt Schlimmeres.“ Für die 35. Schwangerschaftswoche war der Kaiserschnitt geplant.

In der 33. Schwangerschaftswoche bekommt Diepenbrock Wehen – und dann geht es ganz schnell. Um 3.15 Uhr wacht sie auf, um 5.21, 5.22 und 5.23 Uhr werden die Drillinge per Kaiserschnitt geboren. Leo ist mit 1530 Gramm und 41 Zentimetern der Kleinste, Lia mit 1750 Gramm und 41,5 Zentimeter die Schwerste und Lyn mit 1690 Gramm und 42,5 Zentimeter die Längste. Nach der Geburt müssen die Drillinge auf die Frühchenstation, bekommen alle eine zusätzliche Sauerstoffzufuhr. Dennoch: „Reifetechnisch ist das gar nicht so das Problem“, sagt Diepenbrock.

Aber es ist ja auch schön und die Drei sind total süß.

Eva Diepenbrock

Das Problem liegt woanders: Einen Tag nach der Geburt bereitet Lyn die Lunge Schwierigkeiten, drei Tage später hat sie eine Hirnblutung. Lyn hat sich einen Neugeboreneninfekt eingefangen. Drei Mal muss sie operiert werden. Sie bekommt einen Shunt am Kopf eingesetzt, der dafür sorgt, dass das Hirnwasser abfließen kann. „Der Cousin meiner Cousine hat auch einen Shunt“, sagt Diepenbrock. Gewusst hat sie das bislang nicht. Erst jetzt, als sie von Lyns Shunt erzählt, erfährt sie davon. „Es kann sein, dass Lyn den ihr Leben lang hat. Aber der Kopf wird größer und die Haare wachsen, jetzt fällt es natürlich sehr auf.“

Die Ärzte sagen der Familie Diepenbrock von Anfang an, Lyn müsse eventuell mit Einschränkungen leben. Von dem Nicht-Bewegen-Können der rechten Seite bis Brille tragen – die Spannbreite ist weit. Das Gute: „Sie macht sich super. Sie bewegt sich ganz agil und reagiert wie die anderen“, sagt Diepenbrock. Klar ist aber auch: „Natürlich macht man sich um Lyn etwas mehr Sorgen.“

Acht Wochen dauert es, bis Lyn das Krankenhaus verlassen kann. Eva Diepenbrock ist da bereits seit siebeneinhalb Wochen Zuhause, Lia und Leo seit zwei Wochen. Zwölf Stunden ist Eva Diepenbrock jeden Tag in der Klinik, als alle Drei noch dort sind. Später pendelt sie mit Lia und Leo zu Lyn – eine hohe Belastung. „Das ist auch ein emotionaler Stress, mit Zweien hinzufahren und jedes Mal Lyn da lassen zu müssen.“

Familienpflegerin nur bis Mitte August bewilligt

Als alle Babys in Nordwalde sind, ist es nicht viel weniger stressig. Denn bis die Familie eine Familienpflegerin von der Krankenkasse bewilligt bekommt, dauert es. Erst nach einem Widerspruch bekommen die Diepenbrocks eine Familienpflegerin für acht Stunden am Tag zugesprochen – allerdings nur bis zum 11. August. „Das ist ein Irrglaube, dass man mit Drillingen immer eine Haushaltshilfe bekommt“, sagt Eva Diepenbrock, die sich immerhin auf ihr Umfeld verlassen kann: „Ich habe einen guten Freundes- und Familienkreis.“

Wie es aber ab Mitte August weitergehen soll, weiß die Familie nicht. Nur eins ist klar: „Wir müssen eine andere Möglichkeit finden. Allein mit allen Dreien, das ist gerade beim Füttern nicht zu schaffen“, sagt Eva Diepenbrock, deren Mann tagsüber arbeitet. „Das ist finanziell eine krasse Belastung, man bekommt wenig Schlaf und das mit der Haushaltshilfe ist echt blöd und hat man keinen Kopf dafür“, sagt die junge Mutter. Sie fügt dann einen Halbsatz an, der alle Begleiterscheinungen aufwiegt: „Aber es ist ja auch schön und die Drei sind total süß.“

Nachrichten-Ticker