Geräusch raubt so manchem nachts den Schlaf
In Borghorst brummt‘s

Borghorst -

Ein geheimnisvolles Geräusch bringt seit einiger Zeit viele Borghorster um ihren Schlaf: Nachdem in einer Borghorster Facebook-Gruppe der erste Post über ein dumpfes, tieffrequentes Geräusch, das in Dumte auftritt, veröffentlicht war, meldeten sich umgehend viele weitere Gruppenmitglieder, die auch so ein Phänomen erleben – nicht nur in Dumte, sondern übers ganze Stadtgebiet verteilt.

Montag, 22.07.2019, 18:00 Uhr
Als „Bösewichter", die das störende Brummen verursachen, kommen gleich eine ganze Reihe technischer Geräte in Frage, von der Waschmaschine bis zum Umspanntrafo. Woher es tatsächlich kommt, lässt sich nur durch eine Analyse der Tonfrequenzen feststellen.
Als „Bösewichter", die das störende Brummen verursachen, kommen gleich eine ganze Reihe technischer Geräte in Frage, von der Waschmaschine bis zum Umspanntrafo. Woher es tatsächlich kommt, lässt sich nur durch eine Analyse der Tonfrequenzen feststellen. Foto: colourbox/Meyer/dpa

Und überall ist es das gleiche: Selbst intensives Suchen nach den „üblichen Verdächtigen“ wie Heizungen oder elektrischen Geräten zeigt keinen Erfolg, die Herkunft des Brummens ist einfach nicht zu finden. „Wir haben auch im Keller geschaut da war nix... Dann haben wir gedacht, es kommt von einer Baustelle. War aber nicht so...“, sagt einer. „Hab erst gedacht, die Geräusche kommen von nebenan oder von der Heizung oder von elektrischen Geräten. Alles das konnte ich ausschließen“, schreibt ein anderer.

„Das macht Kopfschmerzen, man kann nicht ordentlich schlafen“, klagt einer derjenigen, die das Geräusch besonders intensiv erleben. „Schlafe seit einiger Zeit sehr schlecht ... Kopfschmerzen“, so ein anderes Gruppenmitglied. Und ein weiteres ist über die Diskussion erleichtert: „Ich dachte schon, ich habe ein am Brett oder nen Tinnitus. Ich höre es in den frühen Morgenstunden, sehr nervig, und extrem heftig.“

Prof. Dr.-Ing. Götz Caspar Kappen lehrt am Fachbereich Elektrotechnik und Informatik auf dem Steinfurter Campus der FH Münster und ist dort Experte für die Verarbeitung verschiedenster Signale, darunter auch Schallwellen. Zum Beispiel arbeitet er gerade mit der Polizei an einem Projekt zur Schallmessung von Abgasanlagen.

Ohne das Geräusch selbst gehört und analysiert zu haben, ist eine Ferndiagnose – übrigens im wahrsten Sinne des Wortes, während des Gesprächs saß er in einem Zug Richtung Schweiz und hatte dabei ausreichend Gelegenheit, die vielen deutschen Mobilfunklöcher zu bewundern – natürlich schwer bis unmöglich. Oft würden Geräusche wie die beschriebenen von Waschmaschinen oder Pumpen verursacht, weiß Prof. Kappen aus Erfahrung.

Viele mögliche „Bösewichter“

In Betracht kommen aber noch eine Menge anderer „Bösewichter“, etwa Windkraft- oder Trafoanlagen. Dass Menschen ganz unterschiedlich sensibel auf Funk- und Tonsignale reagieren, sei normal. „Manche reagieren schon auf Radio- oder Bluetoothfrequenzen mit Kopfschmerzen.“

Das Borghorster Brummen hat das Interesse des Professors geweckt: Nach seiner Rückkehr aus der Schweiz will er sich selbst ein (Klang-)Bild von der Situation machen und das Geräusch aufzeichnen – mit mehreren Mikrofonen, um gleich auch eine Richtung identifizieren zu können.

Mit einer Analyse der Tonfrequenzen im Labor sieht er eine Chance herauszufinden, was so vielen Borghorstern den nächtlichen Schlaf raubt.

Zum Thema

Wer sich ebenfalls von dem Geräusch gestört fühlt und Interesse an der Aufklärung hat, kann eine E-Mail an redaktion.bor@wn.de senden.

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