Online-Übersetzungsmaschinen im Test
Razzia oder Überfall

Greven -

Michel Dury aus Montargis ist ein treuer Greven-Freund. Er hat die Städtepartnerschaft vor 50 Jahren persönlich aus der Taufe gehoben. Und als immer noch aktiver Journalist berichtet er regelmäßig über große Ereignisse rund um die Jumelage.

Mittwoch, 24.07.2019, 13:36 Uhr aktualisiert: 24.07.2019, 14:00 Uhr
Hans-Peter Riepenhausen kommt in Montargis an. Am Ende einer Staffeltour per Rad und Fuß.
Hans-Peter Riepenhausen kommt in Montargis an. Am Ende einer Staffeltour per Rad und Fuß. Foto: Michel Dury

Darum verstehen wir auch seine Kritik an einer kleinen Glosse in unserer Zeitung, in der sich jüngst ein Kollege wunderte, was das wohl für eine „Razzia“ gewesen sein soll, von der Dury berichtete.

Ein paar rhetorische Fragen weiter war die komplette Freundschaft mit den Franzosen in Frage gestellt. Ist doch „Razzia“ im Deutschen nichts anders als eine Polizei- oder Militäraktion. Zumeist gegen das große Verbrechen.

Große Verwirrung 

Was war geschehen? Dury hatte seinen französischen Text freundlicherweise durch eine Internet-Übersetzungsmaschine gejagt. Und dann stand am Ende eben der Satz mit der Razzia.

Da kann er nichts zu. Wir haben es selbst probiert. Es geht um den französischen Satz: „Elle a pris fin sur l’arrivée triomphale des participants au raid effectué pendant cinq jours, à pied et à bicyclette.“

Müssen Sie nicht verstehen: Grob gesagt, geht es darum, dass die Feierlichkeiten mit dem triumphalen Einzug der Teilnehmer eines fünftägigen Staffellaufs zu Fuß und per Rad endeten.

Knapp daneben ist auch vorbei 

Schön und gut. Wir haben diesen Satz in drei populären Übersetzungsprogrammen getestet. Zuerst der alte Bubblefisch.com. Hier endet alles mit der – Zitat – „Ankunft der Teilnehmer des fünftägigen Überfalls, zu Fuß und mit dem Fahrrad.“

Auch das hochgelobte Deepl.com-Programm, dass auf die moderne KI (künstliche Intelligenz) zurückgreifen soll, brilliert mit Nonsense: Hier „endete es mit der triumphalen Ankunft der Teilnehmer an der fünftägigen Razzia zu Fuß und mit dem Fahrrad“. Vermutlich stammt aus dieser Quelle die Übersetzung, die Anlass für die allgemeine diplomatische Verstimmung ist.

Man gönnt es ihnen ja nicht, aber die Herren von Translate.Google.com liefern endlich ein Ergebnis, das vernünftig ist: „Es endete mit der triumphalen Ankunft der Teilnehmer der fünftägigen Trekking- und Radtour.“

Stimmt – aber nur fast.

Traue keiner KI-Maschine 

Und was lernt uns das, wie der Kohlenpötter sagt? Traue keiner Maschine, die künstlich intelligent ist. So ein Vier-Buchstaben-Wort wie „raid“ kann natürlich im Französischen alles heißen, vor allem Überfall, Razzia und sogar ein Computer-Programm namens RAID gibt es. Aber „Trekking- und Radtour zu übersetzen, das ist schon fast eine menschliche Leistung. Chapeau!

Übrigens: wenn wir Chapeau! übersetzen, sagt uns Google, dass es „Hut“ heißt. Und Bubblefish, dass es „Hut ab!“ heißt. Wer die Wahl hat, muss wissen, was zu tun ist.

Wir hoffen natürlich, dass uns Michel Dury den kleinen Ausflug in die Ironie verzeigt, sie galt ja nicht ihm, sondern der modernen Technik, die alles andere als perfekt ist. Noch sind wir weit entfernt vom 24. Jahrhundert, in dem die Mannschaft der bekannten USS Enterprise den Unviversaltranslator nutzt, der alle Sprachen parallel übersetzt, so dass auch mehrere Menschen mit mehreren Sprachen rumkakeln können. Bei der Sternenflotte ist der Übersetzer im Kommunikationsabzeichen integriert. Die Leute vom Planeten Fereng stecken sich kleine grüne Männchen ins Ohr. Nur etwas Geduld noch...

Nachrichten-Ticker